Das Thema war ungewöhnlich für eine solche Veranstaltung, aber ein Treffer ins Schwarze. Bei den elften Rheinfelder Wirtschaftsgesprächen am Mittwoch im Bürgersaal hatte die veranstaltende WST (Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung GmbH) drei Referenten zum Thema „Gescheit scheitern – Misserfolg als Chance“ eingeladen.

Rund 150 Gäste kamen zu den Rheinfelder Wirtschaftsgesprächen.
Rund 150 Gäste kamen zu den Rheinfelder Wirtschaftsgesprächen. | Bild: Ralf H. Dorweiler

Rund 150 Vertreter von Industrie und Gewerbe sowie Gemeinderat und Verwaltung waren gekommen und ließen sich von den Vorträgen anregen und diskutierten im Anschluss bei einem Apéro das Thema. Der Abend wurde ein voller Erfolg.

Im Anschluss gab es gute Gespräche.
Im Anschluss gab es gute Gespräche. | Bild: Ralf H. Dorweiler

Aufstehen nach dem Fallen das Entscheidende

Oberbürgermeister Klaus Eberhardt begrüßte die Gäste mit einer Rede, die in die Thematik des Scheiterns einführte. Mit Zitaten von Henry Ford oder der Geschichte des anfänglichen Misserfolgs des Bestsellerautors Stephen King stellte er dar, dass es vielmehr um das Aufstehen nach dem Fall gehe.

Allerdings warnte er davor, Scheitern als Garantie für einen folgenden Erfolg zu sehen. WST-Geschäftsführer Elmar Wendland führte anschließend als Gastgeber durch den Abend, der vom Akkordeonverein Wehr musikalisch umrahmt wurde. Wendland berichtete, bei der Suche nach Referenten, vor allen nach lokalen Persönlichkeiten, fast selbst gescheitert zu sein. Letztlich konnte er aber ein wunderbar vielfältiges Trio präsentieren.

Scheitern ist ein Umweg, aber keine Sackgasse

Erster im Bunde war der frühere Tennisprofi und heutige Motivationscoach Markus Czerner, der mit Verve berichtete, ohne Misserfolge wäre er nicht da, wo er heute voller Zufriedenheit stehe. Er warnte davor, bei Misserfolgen die Schuld nur bei anderen zu suchen, und regte an, Niederlagen stattdessen genau zu analysieren, um es danach besser machen zu können. „Scheitern ist ein Umweg, keine Sackgasse“, sagte er.

Dass nicht nur Einzelpersonen oder kleine Unternehmen, sondern auch Großkonzerne mit dem Scheitern konfrontiert sind, berichtete der Rheinfelder Werksleiter der Evonik, Olaf Breuer. Er befasste sich aus Sicht des Managers mit dem Thema „Erfolglose Projekte erfolgreich managen“ und stellte dafür plastisch Phasen von Projekten und deren Risiken vor. Zu oft sei der Projektmanager dermaßen in operative Aufgaben und ständiges Reporting verwickelt, dass ein Überblick fehle. Auch brauche es manchmal den Mut, das mögliche Scheitern eines Projektes einzugestehen.

Projekt-Charta legt mögliche Risiken dar

Sehr interessant fanden viele Zuhörer Breuers Ausführungen zur Erstellung einer Projekt-Charta im Vorfeld eines Projekts, mit der Evonik Grundlagen und Ziele sowie Aufgabengebiete der Teammitglieder und auch mögliche Risikofaktoren festlegt. Dies zu tun, sei auch ein Ergebnis von vorausgegangenen Fehlern gewesen, aus denen man stets zu lernen versuche.

Mit Bert Overlack, dem dritten Referenten des Abends, begann der persönlichste Teil der Vorträge. Overlack war Geschäftsführer eines Furnierbetriebs mit 350 Mitarbeitern und musste 2011 Insolvenz anmelden. Plastisch schilderte er den Ablauf des geschäftlichen Niedergangs, die von ihm verantworteten Fehler und den Versuch, anderen die Schuld zu geben.

Referent Bert Overlack identifizierte unter anderem Selbstlügen und Selbstüberschätzung als Gründe fürs Scheitern.
Referent Bert Overlack identifizierte unter anderem Selbstlügen und Selbstüberschätzung als Gründe fürs Scheitern. | Bild: Ralf H. Dorweiler

Er sprach auch vom Stigma des Gescheiterten, das es für sich zu überwinden gelte. Im Scheitern stecke eine zweite Chance, die er als Berater und Autor ergriffen hat. „Scheitern tut weh, aber Erfolg und Scheitern sind zwei Seiten einer Medaille“, sagte er.

Bei der anschließenden Gelegenheit, bei Fingerfood miteinander ins Gespräch zu kommen, konnte man viel Lob für die Auswahl des Themas sowie der Redner vernehmen. Der Abend hatte Erkenntnis und Unterhaltung gebracht.