Ihr Büro in der ersten Etage des Hertener Rathauses wird Sabine Hartmann-Müller künftig nicht mehr täglich als Ortsvorsteherin betreten. Wenn sie am heutigen Dienstag um 5.50 Uhr in den Zug Richtung Stuttgart steigt, startet sie eine weitere politische Arbeit mit der Herausforderung, als neue CDU-Landtagsabgeordnete für den Hochrhein im Wahlkreis 59 Waldshut zu agieren. Die 55-jährige Betriebswirtin hat kontinuierlich ihre politische Laufbahn auf- und ausgebaut. 1999 zog sie für die CDU in Ortschaftsrat und Gemeinderat der Stadt ein. Erstmals kandidiert hat die bayerische Oberschwäbin aus Memmingen 1994.

Beide Ämter unter einem Hut

Sie profitiert heute von der Erfahrung im Umgang mit politischen Ämtern, ihr erstes trat sie als Vorsitzende des CDU-Ortsvereins Herten 1995 an. Nach zehn Jahren als stellvertretende Vorsitzende im CDU-Stadtverband weiß sie, dass Organisation wichtig ist. Das soll künftig ihrer Arbeit vor Ort und für den Wahlkreis gleichermaßen nützen. „Ich bin sehr vernetzt mit der Stadtverwaltung“, sagt sie und verweist auf gute Mitarbeiter der Ortsverwaltung, sodass es für sie derzeit kein Thema ist, darüber nachzudenken, ob ihre Abgeordnetentätigkeit und die Aufgabe als Ehrenbeamtin unter einen Hut passen. Dass es formal kein Thema ist, hat Hartmann-Müller vom Direktor des Landtags schriftlich bestätigen lassen. Eine Unvereinbarkeitsvorschrift besteht nicht. Bis zur Kommunalwahl in zwei Jahren hat Hartmann-Müller in jedem Fall deshalb vor, auch als Ortsvorsteherin und Gemeinderätin ihre Aufgaben zu erfüllen.

Ganz einfach wird das nicht, doch es erscheint machbar. Vor wenigen Jahren noch gehörte Hartmann-Müller zu den Kritikern genau dieser Konstellation, die ihr Hertener Amtsvorgänger Alfred Winkler (SPD) bis 2012 ausübte. Aus heutiger Sicht urteilt sie milder, denn ihrer Meinung nach sind „die wichtigsten Projekte für Herten am Laufen“. In den vergangenen fünf Jahren habe sie viel auf den Weg gebracht, betont Hartmann-Müller, sie weiß, dass die Themen bei der Stadt „gesetzt sind, auch im Haushalt“. Dennoch bringt das Landtagsmandat nach dem Aufstieg Felix Schreiners in den Bundestag auf allen Ebenen etwas in Bewegung. Auch einen neuen ersten Stellvertreter als Ortsvorsteher wird es geben, nachdem Martin Koschmieder ausgeschieden ist. Am 13. November wird er verpflichtet. Das ist ein Montag und auch die weiteren Sitzungen des Ortschaftsrats finden nun montags anstatt dienstags statt. Denn das ist der Tag, der Hartmann-Müller jede Woche für ihre Arbeit vor Ort sicher zur Verfügung steht. „Ich gehe davon aus, dass Herten nur profitiert und nicht das Nachsehen hat“, schickt sie überzeugt voraus.

Ersatzkandidatin schon unter Straub

Drei Wochen im Monat wird sie den Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in Stuttgart verbringen. „Man muss immer damit rechnen“, aus der zweiten Reihe in die erste aufzurücken, meint sie lächelnd. Schon zu Zeiten des Landtagsabgeordneten Peter Straub war Hartmann-Müller gewählte Ersatzkandidatin in Warteposition. „Mir ist es wichtig, die Belange Rheinfeldens und des westlichen Teils“ im Wahlkreis zu vertreten. Die kommunalpolitische Erfahrung hält sie für einen „Riesenvorteil“. Für ihre Abgeordnetentätigkeit hat sich die CDU-Frau viel vorgenommen. „In erster Linie bin ich Abgeordnete für den gesamten Wahlkreis“, und der reicht im äußersten Osten bis Stühlingen und Jestetten und setzt somit in der geografischen Spanne bis Herten viel Mobilität voraus. Aber als „Anwältin für unsere Region“ hat sie bereits mit einem Wahlkreisbüro in Waldshut-Tiengen vorgesorgt, auf gleicher Etage wie die CDU-Kreisgeschäftsstelle, und auch der wissenschaftliche Mitarbeiter Tobias Herrmann ist schon bestellt.

Am Mittwoch, 25. Oktober, wird Sabine Hartmann-Müller in der Plenarsitzung des Landtags verpflichtet. Welche Ausschüsse auf ihre Mitarbeit warten, weiß sie schon, weil ihre Wünsche von der Fraktion erfüllt werden: Im Verkehrsausschuss wird sie sich für Infrastrukturthemen, den Ausbau der A 98 und die Elektrifizierung der Hochrheinschiene einsetzen. Und der Sozialausschuss ist ihr wichtig, auch mit Blick auf das St. Josefshaus und soziale Einrichtungen der Behindertenhilfe, denn „jede Entscheidung im Land wirkt sich auf die Kommunen aus“.