Es staubt und blinkt, Großtransporter fahren fast im Minutentakt über die Baustraße. Vom Rand aus und von oben betrachtet, wirkt das im August begonnene Portal für den Herrschaftsbucktunnel in einer Mulde im Waldgebiet eher klein. Mit jedem Meter Näherkommen macht dann aber die Dimension des 37-Millionen-Projekts mehr Eindruck. Die Arbeiter vor der Röhre in ihrer orangefarbenen Schutzkleidung wirken dabei zwergenhaft. Die Räder der Maschinen reichen bis über zur Schulter, auf dieser Baustelle geht es im großen Maßstab zu. Und das Tag und Nacht, 24 Stunden und sieben Tage die Woche. „Derzeit machen wir drei bis vier Zyklen am Tag“, erklärt Ingenieur Roland Arnold als Projektleiter der BeMo Tunneling GmbH den Fortschritt. „Wir sind ganz gut dabei“, stellt der Tiroler fest. Ein Abschlag misst 1,25 Meter im Berg. Bevor Menschen und Maschinen meißeln und baggern, vermessen Techniker per Laser – Millimeterarbeit. Jede Bewegung auf der Baustelle wird dokumentiert.

Der Großmeisel arbeitet sich im begonnenen Tunnel pausenlos durch das vielschichtige Gestein des Herrschaftsbucks. Bild: ibö
Der Großmeisel arbeitet sich im begonnenen Tunnel pausenlos durch das vielschichtige Gestein des Herrschaftsbucks. Bild: ibö

Arbeiten rund um die Uhr

Arnold steht an der Spitze einer internationalen Mannschaft und bringt seine Erfahrung als Tunnelbauer auf dem Dinkelberg ein. Die Arbeitsgemeinschaft beschäftigt in den mehrstöckigen Containern am Rande des Geländes zehn Angestellte und besteht aus der österreichischen GmbH, aus dem Tochterunternehmen Subterra, das in Prag sitzt. Beide Unternehmen arbeiten Hand in Hand. Ebenfalls vor Ort ist der Bauherr, das Regierungspräsidium. Der Vorplatz erstreckt sich über gut 300 Meter. Alles ist klar geordnet und übersichtlich, die Metallröhren sind sauber aufgeschichtet.

Fast militärisch genau geht es zu. Das dient dem Schutz aller, die hier arbeiten. Bis jetzt hat es auch noch keine größeren Unfälle gegeben. Vielleicht schützt auch die Heilige Barbara. Sie hält in alter Tradition ihre Hand über Bergleute. Noch steht die Figur in Arnolds Bürofenster, fast einen halben Meter hoch aus Tiroler Holz geschnitzt. Aber am Barbara-Tag am 4. Dezember findet sie ihren Platz zwischen den beiden Tunnelröhren.

Arnold, der schon sechs Jahre am Brenner-Basistunnel im Einsatz war und zuletzt bei einem Stadtbahnprojekt in Karlsruhe, hat vor seinem Ingenieursstudium bereits Tunnelluft geschnuppert, auch der Vater hat im Tunnelbau gearbeitet. Schlechtes Wetter gibt es für ihn nicht, die Schutzstiefel tragen die Baustelle mit. Er bewegt sich zwischen Büro und Tunnel und steht einer Mannschaft von etwa 80 Mann vor, gewerbliches Personal, das auf Stundenbasis bohrt, meißelt, baggert und schaufelt. Zur Crew gehören Tschechen, Österreicher und Deutsche. Es sind immer wieder die gleichen Gesichter, die sich auf den Baustellen begegnen. „Die Jungs verdienen gut“, meint Arnold zur Motivation, so einen Knochenjob zu machen im Drei-Schicht-Betrieb mit Unterkunft im Sammelcontainer neben der Röhre. Nach zehn Tagen haben sie frei, fahren meist nach Hause. Eine Baupause für den Tunnel gibt es nur an Weihnachten mit zwei Wochen.

Projektleiter Roland Arnold mit der Schutzheiligen St. Barbara.
Projektleiter Roland Arnold mit der Schutzheiligen St. Barbara.

Schwierige Geotechnik

Wie gearbeitet wird, hängt von den geotechnischen Verhältnissen ab. Die Wand, vor der die Arbeiter fortlaufend stehen, im Tunneljargon Ortsbrust genannt, macht richtig zu schaffen. Lettenkeuper und Muschelkalk treffen wechselweise aufeinander. Inhomogen ist somit laut Arnold die Gemengelage. Seit am 7. August mit dem Vortrieb begonnen wurde, sind schon gut 90 Meter in der Nordröhre bewältigt, die Südröhre wurde am 28. August begonnen und liegt 30 Meter dahinter. Das muss aus technischen Gründen so sein. „Im Tunnelbau gibt es Gefahren“, erklärt der Projektleiter, der ein Auge auf bis zu 45 Leute hat. Der Einsatz der Großgeräte folgt Regeln, es gibt Lichtzeichen und Verbote zur Arbeitssicherheit.

Durchbruch Ende 2017

Schon weit vor der mit Spritzbeton gesicherten Portalfront dröhnt lautes, getaktetes Hämmern. Die Röhre ist hell ausgeleuchtet, die Luft staubig und die Abgase der Fahrzeuge machen sie nicht besser. Ohne Schallschutz auf den Ohren ist das anstrengende Arbeiten an der Wand nicht möglich. Der Einsatz des Großmeisels folgt den Vorgaben der Vermessung. Das Riesenwerkzeug lockert das Gestein. Inzwischen reicht das nicht mehr aus, um vorwärtszukommen, es wird auch gesprengt am Tag. Bis zu fünf Mal pro Röhre und Tag könnten es werden, meint Arnold. Nach jedem Abschlag von 1,25 Metern wird die Röhre mit Stahlmatten und Trägern gesichert, dann folgt Spritzbeton, der versiegelt. Auch er wird auf der Baustelle hergestellt. Das herausgebrochene Stück Berg lagert in großen Haufen vor dem Tunneleingang. Die Lehmanteile kommen zur Zwischendeponie auf den Waidhof. Pro Abschlag fallen 150 Kubikmeter an. „In Spitzenzeiten bis zu 1500 Kubikmeter“, erwartet der Tunnelbauer. Das sind in Lkw-Ladungen fünf Fahrzeuge mit jeweils 14 Kubikmeter Fracht, die fahren den ganzen Tag hin und her.

Nach diesem System werden 440 Meter Nordröhre und 470 Südröhre beackert. Als großes Ziel nennt der Projektleiter Ende des Jahres, um die Nordröhre zu durchschlagen: „Das wird sehr sportlich." Der Herrschaftsbucktunnel, zwischen der A 98-Anschlussstelle Minseln und dem Autobahndreieck Hochrhein bildet das Bindeglied in der Teiltrasse nach Osten. Stillstand darf hier nicht eintreten. „Zeit ist Geld“, weiß Arnold. „Es ist eine schöne Projektgröße hier, alle Facetten im Tunnelbau sind dabei", freut sich der Fachmann mit dem feschen österreichischen Akzent und klärt offene Fragen mit Mitarbeitern ab.