Rheinfelden (vep) Meo: Die Abkürzung steht für Medizinische Einsatzorganisation, und dahinter steckt ein noch ganz junger Verein, der sich im Aufbau befindet und die Rettungslandschaft in der Schweiz und in Deutschland bereichern möchte. Noch reicht die Manpower nur für Sanitätsdienste, aber die elf Mitglieder haben große Pläne. Der Alleingang sorgt allerdings für ordentlich Dampf im Kessel – denn die Folge ist die Auflösung der First-Responder-Süd-Niederlassung.

  • Die Vorgeschichte: Micael Waldmeier ist kein Unbekannter, was die Gründung eigener Hilfsorganisationen angeht. Er hat bereits vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt, weil er mit acht anderen Jugendlichen eine private Feuerwehr gegründet hat. Die Mitglieder dieser Feuerwehr Rheinfelden Nollingen Wache II hatten sich gebrauchte Einsatzkleidung im Internet besorgt und einen Rasenmäher zu einem Löschfahrzeug umgebaut. Sie verrichteten kleine Einsätze und hielten regelmäßige Übungen ab. Was zu Beginn mit Wohlwollen und Neugier wahrgenommen wurde, führte zu einigen Irritationen und Beschwerden wegen Lärmbelästigung. Daher schloss sich die Wache vor rund drei Jahren den First Respondern Süd an – Waldmeier und zehn andere Mitglieder trennten sich aber nicht ganz konfliktfrei von der Organisation.
  • Der Streitfall: Die First Responder sind sogenannte Ersthelfer, auch Helfer vor Ort genannt. Bei einem medizinischen Notfall überbrücken sie zum Beispiel die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Auch der DRK-Ortsverband hat eine eigene First-Responder-Abteilung.
    Die First Responder Süd haben ihren Hauptsitz im bayrischen Greding, in Rheinfelden gab es eine Niederlassung – und zwar bis zu dem Austritt von Waldmeier, Patrick Schelker, Nadine Wechlin und Peter Cereghetti und sechs weiteren Mitgliedern. Als Gründe für den Austritt nennt Waldmeier zum einen interne Reibungen zum anderen den Wunsch, selbstständiger arbeiten zu wollen. Der Vorsitzende der First Responder Süd, Steffen Schölkopf, hingegen spricht von Ausschluss der Mitglieder wegen vereinsschädigenden Verhaltens. In einer Pressemitteilung heißt es: „Auf Grund von Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten, sowie Verstößen gegen unsere internen Dienstvorschriften hat sich der Vorstand zusammen mit der Mitgliederversammlung entschieden, den Regionalverband Südbaden bis auf Weiteres zu schließen und einzelne Mitglieder aus dem Verein auszuschließen.“ Zudem lege man Wert darauf, nichts mit der Organisation Meo zu tun zu haben. Auch das DRK Lörrach wurde über die Auflösung des Regionalverbandes informiert. Meo ist dem DRK-Ortsverband Rheinfelden noch kein Begriff. „Ich habe von dieser Organisation noch nie gehört“, sagte der stellvertretende Leiter, Manfred Gollin.
  • Der Kampf um Dienste: Für Waldmeier ist der Gegenwind verständlich. „Es ist ein Konkurrenzkampf, wir sind ein Dienstleister und machen unsere Angebote.“ An jedem Dienst verdienen die Hilfsorganisationen Geld. „Noch können wir unseren Mitgliedern keine Aufwandsentschädigung zahlen, aber das ist schon angedacht“, so Waldmeier.
    Auch sei man auf der Suche nach Sponsoren, um die Ausrüstung zu verbessern. Einige Einsätze hatte Meo bereits. „Wir waren zum Beispiel auf den Weihnachtsmärkten in Nollingen und Herten.“ Meo möchte sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland neue Mitglieder werben. „Wir sind eine länderübergreifende Gesamtorganisation mit zwei Stützpunkten“, so Cereghetti. Für die Schweiz befindet er sich in Sissach, auf deutscher Seite nutzt der Verein bislang eine Einliegerwohnung in Nollingen. Zwei Homepages sind im Aufbau, eine Einsatzkleidung haben die Meo-Mitglieder bestellt.
  • Die Organisation: Den ersten richtigen öffentlichen Auftritt haben sie für den 14. Januar geplant. „Da wollen wir eine Übung machen.“ Deren Konzeption liegt in den Händen von Patrick Schelker. Der 25-Jährige ist bei der Freiwilligen Feuerwehr Sissach engagiert und hat seinen Wehrdienst als Sanitätssoldat absolviert – ebenso wie Cereghetti. „Die Übung wird den Schwerpunkt Erste Hilfe haben, was unserem derzeitigen Tätigkeitsfeld entspricht.“ Denn dieses liegt hauptsächlich bei Sanitätsdiensten. Cereghetti: „Denkbar ist auch, dass wir zum Beispiel die Verpflegung bei anderen Rettungseinsätzen oder bei Großübungen anderer Hilfsorganisationen übernehmen.“ Auf Messen oder Festen will Meo ebenfalls Präsenz zeigen. Bis zum 14. Januar soll auch die Vereinsgründung in trockenen Tüchern sein. „Wir hatten unsere Gründungsversammlung, haben eine Satzung erarbeitet und die ans Amtsgericht geschickt“, erklärt Waldmeier den Vorgang. In den sozialen Netzwerken ist Meo bereits vertreten und postet schon fleißig Bilder der Weihnachtsfeier oder einer Schulung bei der Technical Rescue Unit Germany.
  • Die Zukunft: Waldmeier, wie Wechlin ausgebildeter Ersthelfer, hat nach eigener Aussage bereits Kontakt mit dem DRK-Ortsverband aufgenommen, bislang aber noch keine Rückmeldung bekommen. „Mit der integrierten Leitstelle in Lörrach gibt es aber einen guten Kontakt.“ Nach und nach will Meo sein Angebot erweitern und auch Verkehrsdienste anbieten und Fuß im Katastrophenschutz fassen. Dafür müsste der Verein die Blaulichtgenehmigung beantragen. Die größte Herausforderung für Meo ist die Ausbildung neuer Mitglieder. Ob sie dabei auf die Hilfe des DRK setzen können, bleibt fraglich. Entmutigen lassen wolle man sich auf keinen Fall.
Infos gibt es im Internet:facebook.com/meogermany

"Unser Entschluss: Eine weitere Zusammenarbeit hat keine Zukunft"

Peter Cereghetti, Gründer und Präsident von Meo Swiss, nimmt Stellung zu den Aussagen des First-Responder-Süd-Vorsitzenden.

  • Mitteilung: Steffen Schölkopf hatte erklärt, dass die Mitglieder, die nun Meo (Medizinische Einsatzorganisation) gründen möchten, wegen vereinsschädigendem Verhalten von den First Respondern Süd ausgeschlossen wurden und deshalb der Regionalverband bis auf Weiteres schließen wird.
  • Untätig: Cereghetti wollte einen First-Responder-Verein für die Nordwestschweiz gründen, wie er schreibt. Er habe sich auf einen Facebookaufruf hin mit der Rettungsorganisation in Verbindung gesetzt. „Herr Schölkopf versprach uns die Ausrüstung zu liefern und uns zu unterstützen, da wir als Unterorganisation der First Responder Süd aufgetreten waren.“ Es habe zwei Sitzungen gegeben, in denen alles abgeklärt werden sollte, doch nichts geschah, so Cereghetti weiter.
  • Keine Zukunft: Der offizielle Startschuss in der Schweiz sollte am 1. September erfolgen. „Herr Schölkopf versprach uns bis dahin alles an Material zu besorgen.“ Er habe auch Kontakt mit der Gemeinde Sissach aufnehmen wollen, um den Verein vorzustellen, auch dies sei nicht geschehen. Kleidung und Ausrüstungen hätten sie nie bekommen, auf das versprochene Fahrzeug hätten sie gewartet. „Ich habe ab November ein Lokal in Sissach gemietet, genehmigt durch Herrn Schölkopf, für 150 Franken im Monat. Bis heute hat er einmal die Miete bezahlt, seither warte ich immer noch auf das Geld. Ich habe nun den Raum wieder gekündigt per 30. April 2017.“ Er, seine Frau, Patrick Schelker und Micael Waldmeier seien deshalb zu dem Entschluss gekommen, dass eine weitere Zusammenarbeit mit den First Respondern Süd keine Zukunft habe.