Alles begann am Silvestertag mit der Meldung von Lungenentzündungen ohne bekannte Ursache in der chinesischen Stadt Wuhan – mittlerweile hält das Coronavirus die Welt in Atem. Das spüren auch die lokalen Reisevermittlungen. Diese Zeitung hat fünf Büros in Rheinfelden und Grenzach-Whylen befragt und neben Folgen von Covid19 auch Vermutungen über mögliche Gründe für das Verhalten Reisender in Erfahrung gebracht. 

„Wir merken schon, dass das Virus im asiatischen Raum kursiert“, berichten Tina Brutschin und Ilona Roffe von der Flugbörse Fortex in Rheinfelden. Dennoch seien die ersten beiden Monate des Jahres gut gelaufen, was die Buchungen betreffe: „Bis jetzt wurde noch keine Reise storniert“. Bei den weiteren lokalen Reisevermittlungen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab.

„Wir verweisen, beraten und suchen nach Lösungen – aber wir sind keine Ärzte“, sagen Ilse Kurt und Sylvia Blubacher vom Reisebüro Stiefvater in Rheinfelden.
„Wir verweisen, beraten und suchen nach Lösungen – aber wir sind keine Ärzte“, sagen Ilse Kurt und Sylvia Blubacher vom Reisebüro Stiefvater in Rheinfelden.

Es gebe zwar eine aktuell spürbare Zurückhaltung bei Asien-Buchungen, die Gäste schlössen Reisen nach China oder in benachbarte Länder jedoch nicht aus. „Wir hören schon manchmal Sätze wie ‚wir warten mal noch ein paar Tage ab‘ oder beobachten, dass Reisende auf andere Ziele umschwenken“, erzählt Christine Zimmermann vom City Reisebüro Zimmermann.

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Es seien jedoch eher bereits gebuchte Reisen, die bei der Kundschaft Fragen aufwerfen: Wie soll man sich im betroffenen Gebiet verhalten? Wie hoch ist das Risiko einer Ansteckung? Und welche Fristen muss man im Falle einer Stornierung einhalten? Dass das Thema Coronavirus im Moment vor allem im direkten Kundengespräch aufkommt, beobachtet auch Gudrun Ketterer. „Aktuell haben wir keine Passagiere, die sich irgendwo in Quarantäne befinden oder auf einem Schiff gar festsitzen. In letzter Zeit wurden aber viele Flüge in von der Epidemie betroffene Regionen gestrichen und die meisten Redereien fahren Häfen in Risikogebieten gar nicht mehr an“.

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Die Verkaufsbüroleiterin und Prokuristin des Reisebüros Seilnacht sieht es als ihr Tagesgeschäft, die Folgen des Virus im Auge zu behalten und Kunden bei Bedarf zu informieren: „Wir stehen im ständigen Kontakt mit unseren Gästen und suchen im Falle des Falles gemeinsam nach Ausweichmöglichkeiten“. Nichtsdestotrotz sei die Bedrohung durch Sars-CoV-2, anders als bei gut erforschten Erregern wie dem Zika-Virus oder der Tropenkrankheit Malaria, „noch zu frisch, um konkrete Regelungen oder Handlungsanweisungen weitergeben zu können“, so Ketterer.

Aus diesem Grund werde bei Fragen primär auf die Webseiten des Bundesministeriums für Gesundheit und der Weltgesundheitsorganisation oder auf die vorvertraglichen Informationen der Reiseveranstalter verwiesen, welche die wichtigsten gesundheitsbezogenen Hinweise zum Reiseland enthalten. Dennoch betonen auch Ilse Kurt und Sylvia Blubacher vom Reisebüro Stiefvater, dass die Risikoeinschätzung für eine Ansteckung letzten Endes immer noch vom eigenen Ermessen der Kunden abhängt: „Wir verweisen, beraten und suchen nach Lösungen – aber wir sind keine Ärzte“.

Mediale Präsenz

Dass auch Reisewillige stark auf die mediale Präsenz eines Themas reagieren, berichtet Uta Sander. Die Büroleiterin der Reisevermittlung Bürgin in Grenzach-Wyhlen beschreibt, was bereits alle vier Büros in Rheinfelden angedeutet haben: „Meine Empfindung ist, dass Menschen mit Ängsten, egal ob vor politischen oder gesundheitlichen Bedrohungen, sehr stark von den Medien beeinflusst werden. Momentan fliegt zum Beispiel niemand nach China – aber auf einmal fast jeder wieder in die Türkei.“