Die Anhörung zum Weiterbau der Autobahn zwischen Karsau/Minseln und Schwörstadt liegt einige Wochen zurück, die Abteilung Straßenbau im Regierungspräsidium hatte als Planungsbehörde einige weitere Gutachten zugesagt. Diese liegen noch nicht vor. Das Planfeststellungsverfahren ist im Gange. Dennoch wollten Einwohner und die BI A98 Tunnel Karsau-Minseln ihre Forderung nach einem langen Tunnel zwischen beiden Ortsteilen noch einmal bekräftigen und luden vier Bundestagsabgeordnete ein: Christoph Hoffmann (FDP), Armin Schuster (CDU), Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) und Gerhard Zickenheiner (Bündnis 90/Die Grünen).

Namens der Bürgerinitiative fasste Lothar Wihan noch einmal kurz den Stand der Planung zusammen. Aus der Anhörung hatte sich ergeben, dass die von der Straßenbauverwaltung verwendeten Werte nicht alle der Realität entsprachen, eben weil die Kosten nicht so hoch anzusetzen seien, wie ursprünglich vorgesehen, sollte die einen Kilometer lange Überdeckelung doch zu bauen sein.

Aufmerksam verfolgten die etwa 150 Einwohner die Podiumsdiskussion zur weiteren Planung bezüglich der A 98.
Aufmerksam verfolgten die etwa 150 Einwohner die Podiumsdiskussion zur weiteren Planung bezüglich der A 98. | Bild: Rolf Reißmann

Standpunkte der Politiker

Armin Schuster sprach von parteiübergreifender Unterstützung für das Projekt. Das Anliegen der Einwohner sei nachvollziehbar und finde politische Zustimmung. „Jedoch, das rechtsstaatliche Verfahren der Planfeststellung kann nicht unmittelbar durch die Politik beeinflusst werden“, erklärte er.

Rita Schwarzelühr-Sutter hält Nacharbeit zum direkten Kostenvergleich für sehr wichtig, um reelle Zahlen als Entscheidungsgrundlage zu nutzen.

Christoph Hoffmann teilte die Position der Stadt für den Tunnelbau, allerdings werde wohl das vorhandene Geld über mögliche Spielräume entscheiden.

Gerhard Zickenheiner stellte grundsätzliche Betrachtungen an. Was denn eigentlich nachhaltiger Autobahnbau sei, sollte man klären. Er sprach sich für die Fertigstellung der A 98 aus, aber der vorgesehene Flächenverbrauch sei zu hoch. Wenn ohnehin die „längsgeteilte Dringlichkeit“ umgesetzt werde, also zunächst keine volle Autobahn mit vier Spuren, sondern nur drei Fahrspuren gebaut werden sollen, wäre es doch möglich, erst recht eine lange Überdecklung zu errichten. „Wir müssen wissen, was realistisch ist“, fügte er an. Darum könne er sich auch 400 Meter als Kompromiss vorstellen, auch wenn ihm eine ein Kilometer lange Überdeckelung am Herzen liege.

Uwe Tittmann von der BI stellte die doch recht krassen Unterschiede in den Gutachten gegenüber. In den Wohnbereichen würden definitiv Lärmgrenzwerte überschritten. Daraus leitete er Zweifel ab, ob die Mehrkosten für eine Überdeckelung die für vorgeschriebenen Lärmschutz überhaupt überschreiten würden.

Während Christoph Hoffmann darauf verwies, nach Abschluss der Planfeststellung dagegen zu klagen, falls nur eine 80-Meter-Brücke vorgesehen werde, meinte Armin Schuster, in diesen Wochen alle Spielräume auszunutzen. Er vermisse seit Jahren das Engagement der Landesregierung für den Bau dieser Autobahn und auch für die Interessen der Bürgerschaft. „Genau in diesen Wochen ist öffentlicher Druck wichtig,“ sagte er.

Ortsvorsteher zuversichtlich

Zwar gebe es nicht das eine durchschlagende Argument, aber vier bis fünf, meinte Oberbürgermeister Klaus Eberhardt. Naturschutz und Biotopgewinnung, Erhalt landwirtschaftlicher Flächen und Lärmschutz, nichts davon sei von der Hand zu weisen. Die beiden Ortsvorsteher Eveline Klein (Minseln) und Jürgen Räuber (Karsau) zeigten sich zuversichtlich, wenn der Druck der Einwohner erhalten bleibe.

Schließlich einigten sich die vier Bundestagsabgeordneten darauf, gemeinsam eine Aufforderung an Landesverkehrsminister Hermann zu senden, die Position der Bürger offensiv zu unterstützen und so der Planungsbehörde Argumente für eine lange Überdecklung zu geben. Statt auf die kostengünstige Variante zu setzen, könnte die Befürwortung der Landesregierung doch zur Ausnutzung aller Spielräume führen. Von Bürgern kam die erneute Anregung, statt eines 31-Meter-Querschnitts bei 26 Metern zu bleiben, wie bei den bisherigen Abschnitten der A 98, zumal auch die Brücke über den Mühlbach mit 26 Metern vorgesehen ist. Diese Kosteneinsparung sollte der Überdecklung zugutekommen.

Letztlich gaben die Politiker zwar ihre Unterstützung, betonten aber auch, dass sie sich ins rechtsstaatliche Verfahren nicht einmischen werden.