Rheinfelden – Das Stadtmuseum im Haus Salmegg hat seit einem Jahr ausgedient. Im neuen Schauraum an der Karl-Fürstenberg-Straße neben der Tourist-Info soll es lebendige Stadtgeschichte geben, die sich multimedial vermittelt und durch eine Aufbereitung mit grafischen Elementen, vor dem Schaufenster auch in den öffentlichen Raum wirkt. Auf 130 Quadratmetern hat die Projektgemeinschaft Chris Gerbing mit dem Gestaltungsbüro zwo/elf aus Karlsruhe ein Konzept erarbeitet, das weiteren Entwicklungen angepasst werden kann. Kostenpunkt: 175 000 Euro.

Fünf Agenturen haben sich auf die Ausschreibung in einem Wettbewerb beworben. Die Jury (Bürgermeisterin Diana Stöcker, Kulturamtsleiter Claudius Beck, Elmar Wendland von der Wirtschaftsförderung Gabriele Zissel vom Stadtmarketing, die Historiker Wolfgang Bocks und Eveline Klein und Künstlerin Elisabeth Veith) hat das Drehbuch der Kunsthistorikerin und des Grafikers mit breiter Ausstellungserfahrung am besten gefallen. Das Projekt ist beim Förderprogramm der Bundesstiftung eingereicht.

Es wurde dabei Wert auf ein funktionales Konzept gelegt, das einen gemeinsamen Auftritt in Verbindung mit der Touristinfo ermöglicht. Gefordert wurden historische Kernaussagen und ansprechendes Design und ein System, das auch wirtschaftlich ist. Die Mitglieder im Hauptausschuss zeigten sich quer durch die Bank beeindruckt von der Präsentation, die wie die erfahrene Kuratorin Chris Gerbing und des Grafikers Markus Graf.

Mit dem Schauraum verlässt Rheinfelden eingefahrene Museumspfade und betritt Neuland. Mit den technischen Mitteln, die sich heute digital bieten, arbeitet die Neuinszenierung der Stadtgeschichte. Dabei dient ein Zeitstrahl als didaktische Mittel. Neugierig auf die junge Geschichte Rheinfeldens zu machen, Ort der Begegnung zu schaffen und somit ein lebendiges Museum, das die Bevölkerung einbindet, nennt Chris Gerbing als Zielsetzung. Wie lassen sich 98 Nationalitäten, die hier leben sichtbar machen? Dazu gibt es zum Beispiel abrufbare Porträtinstallationen. Darin sprechen bekannte Persönlichkeiten von großen Flachbildmonitoren von ihrer Beziehung zur Stadt und bieten ein griffiges Anschauungsmaterial von „Wir sind Rheinfelden“ in zunächst zehn Interviews. Die Stationen sind mit QR-Codes versehen, so dass die Besucher die präsentierten Inhalte digital transportieren können.

Als verbindendes Element in der Präsentation fungieren Pixel. Die quadratischen Fliesen sind vorhanden und werden auch schon vor der Fensterfront als Bezugspunkte eingesetzt, um die Besucher in den Schauraum hineinzuziehen. Viel Bewegung in abwechselnden Bildern wird an den einzelnen Stationen geboten, die sich L-förmig im Raum staffeln, so dass sich schon ein Blick von außen durch die Glasscheiben lohnt. Es wird Touchscreens bespielt, an denen ein attraktiver Gang durch die Stadtgeschichte gemacht werden kann. Das Konzept ist auf Flexibilität angelegt. Die Themen werden im nächsten Schritt nach der Auftragsvergabe konsequent ausgearbeitet. Die Grundzüge stehen aber bereits fest. Die Industrie als Motor für die Entwicklung der Stadt, der Rhein als Lebensader, die schweizerische Nachbarstadt, Sport und Vereinsleben. Zur weiteren Ausarbeitung kündigte Chris Gerbing einen Workshop mit ausgewählten Gruppen an.

Die Einrichtung des Schauraums ist mit 155 000 Euro veranschlagt. Weitere 20 000 Euro sollen technische Anpassungen des Raumes kosten. Wenn die Elemente der Stadtgeschichte unverändert bleiben, entstehen zunächst keine Folgekosten. OB Klaus Eberhardt lobte im Hauptausschuss die erfrischende, gelungene Darstellung, und zeigte sich überzeugt, dass sich das Verfahren gelohnt hat, wenn so ein gut reflektiertes Ergebnis dabei herauskommt.

Zustimmung zur Konzeption signalisierte auch Paul Renz (CDU). Er sieht im Schauraum eine gute Möglichkeit, die junge und ältere Geschichte mit flexiblen Lösungen zu präsentieren. Eine Diskussion brachte Alfred Winkler (SPD) in Gang, der die Konzeption hinter Glas hinterfragte. Die Fensterfront soll, wie Ausstellungsmacher Graf informierte, bewusst von Präsentationen freigehalten werden, damit auch Passanten von außen den Schauraum überblicken können. Aufgeworfen wurde auch die Frage, was mit den eingelagerten Exponaten aus der früheren Ausstellung im Haus Salmegg wird.

Bürgermeisterin Diana Stöcker kündigte an, dass alle Werke in die Datenbank eingepflegt werden. Einzelne Stücke aus der Stadtgeschichte sollen auch im Schauraum eingebaut werden. Der neue Schauraum für Stadtgeschichte wird an sechs Tagen die Woche wie die Tourist-Info geöffnet sein, eine “Win-win-Situation", befand Anette Lohmann (die Grünen).