Eigentlich sollten die Triebzüge, die derzeit fahren, gar nicht mehr zwischen Basel, Singen und Ulm unterwegs seien. Mehrfach war die Ablösung der Züge der Baureihe 611 angekündigt worden. Im September 2016 gab die Deutsche Bahn eine Broschüre heraus, in der zugesichert wurde, dass im Laufe des Jahres 2017 die Baureihe 612 die Leistungen der Interregio-Expresszüge übernehmen wird. Zwar nicht als Neufahrzeuge, aber doch generalüberholt sollen sie die inzwischen doch beträchtlich störanfälligen älteren Triebzüge ablösen.

Im Januar 2017 unterzeichneten Verkehrsminister Winfried Hermann und David Weltzien, Vorsitzender der Regionalleitung der DB Regio AG Baden-Württemberg, die Verkehrsverträge für die Netze 3 und 5 des Schienennahverkehrs. Zum Netz 5 gehört auch die Verbindung Basel-Ulm. In der Mitteilung dazu heißt es wörtlich: „Der Neigetechnikverkehr wird bis zum 1. Oktober dieses Jahres vollständig von den bisherigen Dieseltriebwagen der Baureihe 611 auf modernisierte Dieseltriebwagen der Baureihe 612 umgestellt. Die modernisierten Triebwagen sind dann barrierefrei, verfügen über WLAN sowie über höhere Mitnahmekapazitäten für Fahrräder.“

Später gab es dann nochmals die Information, dass der Austausch der Triebzüge spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember erfolgen sollte. Damit sollten die roten Triebzüge der BR 611 inzwischen verschwunden sein, doch sie fahren noch immer. Nirgendwo zwischen Basel und Ulm wurde bisher einer der neuen Züge im weiß-gelben Design der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg gesehen. Reisende, die regelmäßig unterwegs sind, erinnerten sich bestimmt an die Ankündigung und sind nun enttäuscht, dass immer noch die alten Züge verkehren.

Seit 2003 sind die Fahrzeuge der Baureihe 611 hier im Einsatz, die Abnutzung ist in den Fahrgasträumen nicht mehr zu übersehen. Wegen der starken Beanspruchung litt auch die technische Zuverlässigkeit, immerhin legt solch ein Zug bei zweimaligem Umlauf zwischen Basel und Ulm an einem Tag etwa 1140 Kilometer zurück. Die Störanfälligkeit stieg auch deswegen an, weil die Werkstattkapazität in Ulm nicht ausreichte. Dies führte dazu, dass in Zeiten mit sehr hohem Fahrgastaufkommen nur ein Triebzug statt der erforderlichen zwei verkehren kann. Immer häufiger erlitten die ursprünglich schnellen und robusten Züge unterwegs Störungen, es wäre also dringend notwendig gewesen, den angekündigten Termin für den Austausch einzuhalten.

Eine Information für die Verzögerung an die Reisenden gab es nicht. Auf Nachfrage, warum die modernisierten Züge bis heute nicht im Einsatz sind, gab die Deutsche Bahn gar keine Antwort, die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg teilte mit: „Leider hat sich der Umbau der Fahrzeuge unter anderem wegen Problemen mit der Zulassung verzögert. Momentan haben wir bereits jetzt in Baden-Württemberg schon einige der umgebauten Fahrzeuge im Einsatz. Auf der Linie Stuttgart – Tübingen – Sigmaringen – Aulendorf fahren die neuen Fahrzeuge teilweise schon jetzt, die Lieferung weiterer Fahrzeuge erfolgt sukzessive. Wir gehen davon aus, dass ab Mai 2018 auf der Hochrheinstrecke die Umstellung auf die neuen Fahrzeuge komplett abgeschlossen ist.“ Die Zeitschrift Eisenbahn-Magazin bestätigt diese Zeitangabe.

Notwendig wurde die erneute Zulassung durch den Einbau von Hubliften. Zumindest das ist eine gute Aussicht für Rollstuhlfahrer, denn die Baureihe 611 bot dafür keine Möglichkeit. Auch wenn nach dem Abschluss der Vereinbarung der Kreise Lörrach und Waldshut mit der Deutschen Bahn die Elektrifizierung der Hochrheinbahn etwas absehbarer geworden ist, bis die ersten elektrischen Züge hier fahren können, vergehen wohl noch einige Jahre.