Rheinfelden Narren in Gold und Kupfer: Wieso die Fasnachtsplaketten für die Narrenzunft so wertvoll sind

Die Narrenzunft Rheinfelden gibt seit Jahrzehnten ihre Plaketten heraus. Alle Motive haben ihren Platz im Narrenmuseum. Der Verkauf finanziert Umzüge und Veranstaltungen.

Ein grimmiges, zähnefletschendes Gesicht mit wilder Mähne und Widderhörnern blickt dieses Jahr von der Rheinfelder Fasnachtsplakette, wahlweise in Kupfer oder Gold: Es handelt sich um die Wasserfalldämonen, die vorletzte Ausgabe der Portraits sämtlicher Rheinfelder Cliquen. Ab 2020 wird auch die Narrenzunft Rheinfelden wie andernorts üblich beginnen, auf den Plaketten das Jahressujet auszuspielen.

Eine Fasnachtsplakette dient abgesehen von ihrem künstlerischen Wert der Finanzierung von Saalfasnacht und Umzügen. Auch in Rheinfelden gibt die Narrenzunft seit Jahrzehnten Plaketten heraus, früher in Plastik, wie es eher im Karneval üblich ist, seit den Neunzigern in Metall, wie es im Dreiländereck durch das Basler Vorbild üblich ist. Die Plakette hat bis heute in Rheinfelden aber nicht den Stellenwert wie in der Schweizer Fasnachtshochburg, aber auch nicht wie in den Nachbarstädten Lörrach und Weil am Rhein. Manchem Rheinfelder dürfte ihre Existenz unbekannt sein.

Noch bis 2019 werden Cliquen der Narrenzunft abgebildet.
Noch bis 2019 werden Cliquen der Narrenzunft abgebildet. | Bild: Boris Burkhardt

Das liegt vermutlich daran, dass sie im Gegensatz zu anderen Umzügen in Rheinfelden nicht obligatorisch als Eintrittskarte verkauft wird. Und noch etwas macht die Plaketten besonders: Schon in der zweiten Generation zeigen sie jedes Jahr eine der Cliquen der Rheinfelder Narrenzunft. Das sind immerhin 34.

Die Wasserfalldämonen, die dieses Jahr mit ihrem Konterfei geehrt werden, sind die zweitletzte Clique, die vor dem endgültigen Aufnahmestopp in die Narrenzunft aufgenommen wurden. Nächstes Jahr sind noch die St.-Anna-Loch-Teufel dran; beide Cliquen, 2008 und 2011 gegründet, existierten noch gar nicht, als die Portraitserie in Kupfer und Gold begann. Prinzipiell verlief die Serie nach dem Gründungsjahr der Cliquen; Ausnahmen gab es aber immer wieder, wenn eine Clique Jubiläum hatte. Erst 2017 fielen 80 Jahre Narrenzunft und je 50 Jahre Mohren-Clique und Maximale zusammen; die beiden Cliquen wurden auf dem Motiv mit dem Wasserturm als Symbol der Narrenzunft vereinigt.

Der Druckstempel der Plakette mit dem Motiv der Latschari aus 2013.
Der Druckstempel der Plakette mit dem Motiv der Latschari aus 2013. | Bild: Boris Burkhardt

Ozume Michael Birlin schließt die Vitrine im kleinen Narrenmuseum in selbigem Wasserturm auf, in dem alle Plaketten in verschiedenen Ausfertigungen aufbewahrt sind. Bevor die jetzige Serie mit Metallbroschen Anfang der Neunziger startete, wurden alle Cliquen als Plastikmäskchen porträtiert. Damals waren es noch ein halbes Dutzend weniger. „Heutzutage könnten wir die Plaketten auch in China herstellen lassen“, sagt Birlin: „Aber wenn dann ein Fehler darauf ist…“ Der persönliche Kontakt und der letzte Blick auf das Gipsmodell vor dem Stanzen seien ihm deshalb den Preis wert.

Seit Anfang der 2000er lässt die Narrenzunft bei René F. Müller in Basel produzieren: Der „Blaggedde-Müller“ fertigt die Abzeichen für Basler Cliquen und Fasnachtskomitees in der Nordwestschweiz. Hergestellt werden die Rheinfelder Plaketten in Kupfer und Gold sowie in größerer Ausfertigung als Jahresorden. Auf eine silberne Version verzichtet die Narrenzunft laut Birlin, weil die Goldplakette bereits das optisch ähnliche Zinn enthalte. 

Aktuell zieren die Wasserfall-Dämonen die Plakette.
Aktuell zieren die Wasserfall-Dämonen die Plakette. | Bild: Boris Burkhardt

7500 kupferne und 150 goldene Plaketten wurden dieses Jahr produziert. Sie werden für drei und zwölf Euro verkauft. Laut Birlin habe der Umzugsbereich zu viele Einfallstraßen und die Narrenzunft zu wenige Ordner, um die Plaketten flächendeckend als Eintritt zu verkaufen. Stattdessen müssen die Cliquen sie pro Kopf der Narrenzunft abkaufen und selbst wieder verkaufen. Laut Birlin macht das etwa zehn Plaketten pro Narr: „Es sollte also kein Problem sein, sie loszuwerden.“

Bisher war es Aufgabe des Oberzunftmeisters, die Motive auszuwählen. Da sie durch die Portraitserie vorgegeben waren, sprach sich Birlin kurz mit der Clique ab. Ab 2020 wird aber alles anders werden: Dann wird die Narrenzunft wie die anderen Fasnachtsstädte im Dreiländereck dazu übergehen, das Jahressujet auf der Plakette mit einem Motiv auszuspielen. Birlin kann sich vorstellen, dass es einen Künstlerwettbewerb geben könnte.

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