Einmal im Monat ziehen die Nachtwanderer durch die Straßen, um den Kontakt mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu suchen. Neue Nachtwanderer sind schwer zu finden, doch jüngst liefen gleich drei Interessierte zum ersten Mal mit.

Tross trifft auf eine Gruppe Jugendlicher

Eine Gruppe Jugendlicher steht im Dunkeln vor dem Rathaus, auf der kleinen Wiese mit den Wippfiguren. Das einzige Licht ist das blaue Leuchten ihrer Smartphones, mit denen mehrere der Teenager chatten oder surfen. Bei ihrem Rundgang durch die Stadt sind die Nachtwanderer auf die Gruppe gestoßen. Es ist Freitagabend, kurz nach 21 Uhr. Was sie mit dem Abend anfangen wollen, können die Kids den Nachtwanderern nicht beantworten. „Das Jugendhaus ist geschlossen und der Nachtsport fällt auch aus. Ich habe meinen Turnbeutel dabei. Aber was sollen wir machen“, meint einer der Jugendlichen. Alkohol führen sie nicht sichtbar mit sich. Nach einem kurzen Wortwechsel ist das Gespräch vorbei und die Nachtwanderer verabschieden sich.

Sie suchen den Kontakt zu jungen Menschen

„Das ist ja schön, so viele Neue begrüßen zu können“, freut sich Jugendreferatsleiter Andreas Kramer, der ehrenamtlich bei den Nachtwanderern mitläuft. Immer am ersten Freitag eines Monats sind die Nachtwanderer unterwegs, um den Kontakt mit Jugendlichen zu suchen. Der ursprüngliche Gedanke des Projekts war die Alkoholprävention.

Je größer die Gruppe, desto höher der Alkoholkonsum

Alkoholkonsum stellen die Nachtwanderer etwa bei der Hälfte der Kontakte fest, je größer die Gruppe desto eher werde auch harter Alkohol getrunken, ist die Beobachtung. „Auch bei den anderen Nachtwanderern in Deutschland zeigt sich, dass die Alkoholprävention nicht immer nötig ist. Wichtig ist, einfach den Jugendlichen ein Ansprechpartner zu sein, da viele kaum Bezugspunkte zur Erwachsenenwelt haben“, erklärte Kramer zu Beginn der nächtlichen Tour.

Eine bringt dann mal den erwachsenen Sohn mit

Eine der neuen Nachtwanderinnen ist Martina Stoll, die von Hedi Chebbi geworben wurde, der von Anfang an der ehrenamtlichen Gruppe angehört. „Seit 2016 erzählt er immer wieder davon, und ich habe ihm versprochen, mal mitzukommen“, erklärt Stoll, wie sie zu den Nachtwanderer gekommen ist. Die 49-jährige Adelhausenerin gehört wie Chebbi dem Laufclub Marathon an. „Ich kenne die Nachtwanderer aus der Presse. Ich habe aber keine großen Erwartungen und lasse es einfach auf mich zukommen.“ Ulla Pavelka hatte das Projekt durch einen Infostand auf dem Oberrheinplatz kennen gelernt und hat prompt noch ihren erwachsenen Sohn mitgebracht.

Sauberkeit und Zerstörungswut ist immer ein Thema

Der Kontakt wird von den Nachtwanderern aktiv gesucht, aber wenn er unerwünscht ist, ziehen sie sich zurück. Wichtig ist ein respektvoller Umgang, führt Kramer aus und berichtet, dass es erst einmal zu einer Situation kam, dass ein alkoholisierter Jugendlicher aus der Gruppe heraus lauter wurde. Chebbi meint, dass die Themen Sauberkeit und Zerstörungswut wiederkehren. „Viele wollen ihre Freiheit genießen. Sie wollen nicht in das Jugendhaus gehen“, sagt Chebbi.

Viele haben Probleme und wollen Zuhörer

„Viele haben große Probleme, die wollen nur, dass einer zu hört.“ Chebbi ist sich sicher, dass er in den zweieinhalb Jahren schon positiv auf Jugendliche einwirken konnte. Am Adelberg und im Stadtpark beim Haus Salmegg sind keine Jugendlichen anzutreffen, obgleich der November sich von seiner besten Seite zeigt. Es ist wenig los, da sind sich die sieben Nachtwanderer einig. „Es ist noch zu früh“, meint Franziska Laws. Chebbi glaubt, dass sich das Herbstwetter schon auswirke.

Die Gespräche laufen diesmal recht freundlich

Er erzählt, dass die Nachtwanderer an einem Abend schon bis zu 47 Jugendliche auf mehrere Gruppen verteilt angesprochen hatten. In der Innenstadt sind dann wieder mehr Personen aus der Zielgruppe der 15- bis 25-Jährigen anzutreffen. Eine Gruppe junger Schweizer ist auf dem Weg in eine Shisha-Bar in Oberrheinfelden, und in einem Supermarkt deckt sich eine Gruppe Rheinfelder mit Alkohol ein, bevor es in den Go-Club in Steinen geht. Die Gespräche mit den Nachtwanderern verlaufen freundlich.