Mit einem großen Festwochenende feiert der Musikverein Herten sein 125-jähriges Bestehen. Viele Mitglieder sind in dieser langen Zeit zum Verein gekommen und wieder gegangen. Mit am längsten spielen Karlfrieder Jülle, der bereits seit 36 Jahren dabei ist, und Günter Übelin mit, der sogar 52 Jahre Vereinserfahrung einbringt.

Für sie ist es entspannter als je zuvor

Wenn sich Jülle und Übelin zurücklehnen und über die lange Zeit nachdenken, die sie nun im Musikverein Hertens musizieren, so ist es heute für sie entspannter als je zuvor, da sind sich beide einig. Der eine wie der andere haben früher einen großen Teil ihrer Freizeit dem Verein geschenkt. Jülle war zwölf Jahre Vize- und Jugenddirigent, dann von 1995 bis 2011 Dirigent, und Übelin übte lange das Amt des Vize-Vorsitzenden aus – so lange, dass er es nicht mehr in eine Zahl fassen kann.

Das Repertoire hat sich stark verändert

„Heute bin ich nur ein normales aktives Mitglied“, sagt er, „ich muss einmal pro Woche zur Probe und sonst für mich selbst üben.“ Wobei das vielleicht das Einzige ist, dass doch etwas intensiver geworden ist. „Die Musik, die wir spielen, hat sich schon stark verändert“, ist auch Jülle aufgefallen. Sie sei sehr viel differenzierter und anspruchsvoller geworden.

Mit einem Koffer voll mit Noten in die Ferien

Nur die ehemals obligatorischen Ouvertüren, die grundsätzlich bei jedem Konzert gespielt wurden, hatten etwa den gleichen Schwierigkeitsgrad. „Der Rest war so einfach gehalten, dass man sich das heute gar nicht mehr anhören kann“, scherzt der 71-Jährige. Um ein gutes Programm zu bieten, fuhr der Chemotechniker damals noch mit einem extra Koffer in die Ferien. „Der war vollgepackt mit Noten“, erinnert sich Jülle. Im Urlaub hatte er die Zeit, auf seiner Posaune jede Stimme einzuüben und auch Noten umzuschreiben. „Ich musste den Musikern ja zeigen können, was sie spielen sollen“, erklärt er.

Heute sind die Stücke im Internet zu hören

36 Jahre nach seinem Eintritt in den Verein sei vieles leichter geworden. Auf Youtube könne man sich Passagen von Musikstücken anhören, um zu wissen, wie es bestenfalls klingen sollte, und spezielle Programme würden auch das Umschreiben erleichtern. Sogar der Kauf von Noten sei deutlich einfacher geworden. „Ich hatte früher einen Katalog mit kleinen Auszügen der Partitur und musste mir die Musik vorstellen.“

Eine Art der Professionalisierung

Heute sei es die Aufgabe von Céline Pellmont, die Musikstücke auszuwählen. Mit ihr als Dirigentin folge der Verein einem Trend, den beide Musiker nun schon in einigen anderen Vereinen beobachtet haben. „Als studierte Berufsdirigentin gibt sie dem ganzen Verein eine Art Professionalisierung“, ist Jülles Eindruck. Und auch Übelin findet, dass das Niveau gestiegen sei. „Céline hat Ansprüche, aber das ist auch gut so, wir versuchen ihr zu folgen“, scherzen die beiden.

Der Planer der Organisation von Jahresfeiern

Während Jülle über Notenblättern brütete, plante Übelin die Organisation von Jahresfeiern und anderen Festivitäten. Als stellvertretender Vorsitzender sei er für den Festbetrieb zuständig gewesen und erinnert sich, wie viel einzelne kleine Handlungen da zu einem großen Ganzen geführt hätten. „Da darf am Schluss keine Grillzange fehlen“, sagt er schmunzelnd.

Absagen trüben den Zusammenhalt nicht

Auch die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum hat der Ingenieur 1994 mitorganisiert. Und damals wie heute käme gerade dann, wenn endlich alle Arbeitspläne aufgestellt seien, einer der den 80. Geburtstag seiner Oma vergessen und an genau diesem Tag keine Zeit hat. Doch das schade dem Klima und dem Zusammenhalt im Verein nicht.

Der Verein hat niemals Nachwuchsprobleme

„Wir hatten schon immer eine gute Mischung aus Alt und Jung mit einem guten Fundament an Leuten im mittleren Alter“, ist für den Trompeter das Geheimnis, wieso der Musikverein Herten niemals Nachwuchsprobleme gehabt habe, „wir sind eine starke Gemeinschaft mit guter Kameradschaft und wir haben Spaß an dem, was wir machen.“

Musik ist gut für den Kopf

Sicher blieben von zehn Kindern, die dem Verein beitreten, am Schluss durch Pubertät, Ausbildung, Studium oder ähnlichen Gründen nur schätzungsweise zwei übrig, diese seien dann aber stark an den Verein gebunden. „Einer fährt sogar aus Lauchringen jeden Mittwoch zur Probe“, staunt Übelin über so viel Vereinstreue. Doch auch die beiden Seniormusiker möchten dem Verein und der Musik treu bleiben, solange es machbar ist, denn „musikalische Betätigung ist gut für den Kopf“.