Monika Marx hat die Öffnung der Grenze hautnah miterlebt. Knapp 30 Jahre lebt sie nun schon im Westen, benachteiligt hat sie sich nie gefühlt. Sie meint, vor dem Mauerfall war das Leben in Ost und West gar nicht so unterschiedlich.

Monika Marx hat Anstecker und Urkunden aus ihrer Jugendzeit in der DDR aufgehoben.
Monika Marx hat Anstecker und Urkunden aus ihrer Jugendzeit in der DDR aufgehoben. | Bild: Horatio Gollin

Als „Ossi“ bezeichnet sich Monika Marx nicht. „Ich sage das nur, um klar zu machen, aus welcher Ecke ich komme“, meint die 55-Jährige, die in Berlin-Lichtenhagen geboren wurde als Monika Möcke. „Ich bin stolze Ostberlinerin, weil ich der Meinung bin, dass der Ostteil architektonisch schöner ist.“

30 Jahre nach dem Mauerfall

An negative Erfahrungen mit Wessis kann sie sich nicht erinnern. Vor 30 Jahren nach dem Mauerfall gab es vereinzelte Vorfälle, wo sie merkte, dass ihr Gegenüber sich noch nie mit dem Osten beschäftigt hat. Im Alltag spielen solche Vorurteile für die stellvertretende Tiefbauabteilungsleiterin der Stadtverwaltung Rheinfelden keine Rolle.

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„Ich empfinde das nicht so. Hier wird man von diesem Konflikt nicht berührt“, meint Marx. „Ich fühle mich auch nicht benachteiligt, weil ich bekomme ja den gleichen Lohn, den auch Westbürger bekommen.“ Wegen des Lohngefälles kann das in den neuen Bundesländern eine größere Rolle spielen. „Ich hatte nicht diesen Drang nach Freiheit. Ausschlaggebend war für mich, eher diese wirtschaftliche Misere“, sagt Marx, die kurz nach dem Mauerfall in den Westen ging. Der wirtschaftliche Mangel war zum Ende der DDR allgegenwärtig spürbar. „Es gab kein Geld und kein Material.“

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„Ich hatte nicht diesen Drang nach Freiheit. Ausschlaggebend war für mich, eher diese wirtschaftliche Misere“. Im Januar 1990, zwei Monate nach dem Mauerfall, bekam sie nachts einen Anruf von Freunden, die in den Westen wollten. Marx packte vier Koffer und schloss sich der Aktion an. Nach zwei Tagen im Auffanglager Gießen, kam sie bei Freunden unter. Im April darauf hatte sie ihre erste Anstellung gefunden und musste erst einmal lernen, wie Marktwirtschaft funktioniert.

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2001 zog sie in den Schwarzwald. Marx lebt heute in Steinen. Von 2012 bis 2016 hat sie in Rheinfelden gewohnt. Dreimal im Jahr fährt sie nach Berlin, Verwandtschaft besuchen. „Berlin ändert sich so rasant schnell, an jeder Straßenecke ist eine Baustelle. Es verblasst leider immer ein bisschen mehr, aber das alte Berlin ist noch da.“ Es war in der DDR auch nicht alles schlecht, meint sie rückblickend.

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Marx hat einen ganzen Ordner voller Auszeichnungen, Urkunden, Anstecknadeln und amtlichen Dokumenten aufgehoben. Ihr wurde etwa das Sportabzeichen‚ Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat‘ in Gold verliehen. Marx meint, dass sich das Leben in Ost und West in vielen Bereichen nicht sehr unterschieden habe. „Wenn die vierköpfige Familie aus dem Osten mit dem Trabi nach Bulgarien gefahren ist, war das genauso ein Abenteuer, wie wenn die vierköpfige Familie aus den Westen mit der Ente nach Italien gefahren ist.“

Kindheit in Ostberlin

Ihre Kindheit in Ostberlin erachtet sie als unbeschwert. „Wir sind mit der Mauer aufgewachsen und kannten es nicht anders.“ Sie hat viele positive Erinnerungen an ihre Kindheit. „Ich war Brigadeleiterin einer Brigade von sechs Kindern von der ersten bis zur vierten Klasse. Da war ich ganz stolz drauf, wenn wir ausgezeichnet wurden, weil wir etwas gut gemacht hatten.“ Den Ostberlinern war durch die Nähe zu Westberlin und der Möglichkeit, Westfernsehen zu empfangen, bewusst, wie es auf der anderen Seite der Mauer aussah. Aber ein Bedürfnis in den Westen zu müssen, hatte sich bei Marx als Jugendliche und junge Erwachsene nicht eingestellt, obwohl mit dem Älterwerden auch das Bewusstsein wuchs, dass in der DDR nicht alles richtig lief.

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Die enge Struktur wurde spürbar. Freunde bekamen Ärger mit den Behörden, manche kamen ins Gefängnis. Wegen solcher Bekanntschaften wurde auch bei ihrer Familie das Telefon abgehört. Marx studierte Ingenieurwesen für Tiefbau. Während ihres Studiums versuchte die Staatssicherheit sie zu rekrutieren. Marx lehnte ab. Der Mauerfall hat sich nicht angekündigt. Im Land war zwar Unruhe zu spüren. Die Öffnung des Eisernen Vorhangs in Tschechien und Ungarn ließ den Druck auf die Regierung wachsen. Die Montagsdemonstrationen liefen und auch Monika Marx nahm in Berlin an Demos teil.

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Zwei Jahre lang war sie bei der Bezirksdirektion Straßenwesen beschäftigt. Am Tag des Mauerfalls saß sie im Büro, als ein Kollege mit der Nachricht herein platzte, die Mauer sei offen. Sie erinnert sich, dass alle loszogen, um an einem Fernseher mehr zu erfahren. „Bei mir hat sich dann tatsächlich im Nachhinein eine Unruhe eingestellt, nicht nur Euphorie.“ Abends ging sie nach Westberlin, um sich die Rede des damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl anzuhören und ein Westberliner Café zu besuchen.