Ein Klopfen und ein Kratzen sind hinter der betongrauen Mauer zu hören. Dann kullern die ersten Gesteinsbrocken. Ein dreizackiger Greifarm, der wie die Pranke eines Ungeheuers aussieht, gräbt sich durch ein immer größer werdendes Loch. Schließlich ist der Durchbruch geschafft. Männer mit Helmen und orangefarbenen Jacken klettern durch das Loch und überreichen einer ähnlich wie sie gekleideten Dame einen Blumenstrauß.

"Es sieht aus, als hätte ich mitgeschafft", sagt jene Dame, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, über ihr Outfit. Sie hatte vergangenes Jahr die Patenschaft für den Herrschaftsbucktunnel übernommen, der gestern Nachmittag, nach nur sechsmonatiger Bauzeit, seinen symbolischen Durchbruch feierte. "Mein Patenkind hat nicht nur einen Anfang, sondern auch ein Ende", freut sich Schäfer und nennt den Durchbruch der 480 Meter langen Nordröhre "einen "Meilenstein und eine Mammutaufgabe", die in kürzester Zeit gelungen sei. In den vergangenen Monaten haben bis zu 120 Mineure unermüdlich an dem Herzstück des 2,8 Kilometer langen Abschnitts der Autobahn 98 bei Rheinfelden gearbeitet. "Stillstand gab es nur an Weihnachten, als die Arbeiter nach Hause zu ihren Familien fahren konnten", erzählt Schäfer.

 

Mitte 2019 ist die Fertigstellung der Südröhre geplant. Die Kosten für beide Röhren inklusive Fahrbahnen belaufen sich laut Oberprojektleiter Jens Scheck auf 37,5 Millionen Euro. "Der Durchschlag ist ein Zeitpunkt, an dem man sagen kann, jetzt ist der Berg bezwungen", sagt Helmut Göhringer, Geschäftsführer der Tunnelbaufirma BeMo Tunnelling aus Innsbruck.

 

An der Durchschlagsfeier begrüßt Claus Walther, Abteilungspräsident für Straßenwesen und Verkehr beim Regierungspräsidium, auch namentlich die Vertreter der drei Bürgerinitiativen Bürger in Not, Tunnel Karsau-Minseln und Netzwerk Verkehrskonzept Hochrhein-Trasse. "Das passiert nicht so oft, zeigt aber, dass wir Sie ernst nehmen", sagt die Regierungspräsidentin an die BI-Vertreter gewandt. "Ihre Stellungnahmen sehen wir nicht als Kritik, sondern als Chance, den besten Weg für den Hochrhein zu finden", so Schäfer weiter. Bis 9. Februar können Einwände gegen die A 98.5-Pläne eingebracht werden.

Weitere Brücken und Tunnel auf Autobahnen am Hochrhein

  • Wiesentalbrücke: Mit 1211 Metern ist sie die drittlängste Straßenbrücke Baden-Württembergs und gehört zu den längsten Straßenbrücken Deutschlands. Sie überquert als Teilstück der A 98 bei Lörrach den Fluss Wiese. Gebaut wurde die Wiesentalbrücke ab 1980, fertig war sie drei Jahre später.
  • Nollinger Bergtunnel: Der 1268 Meter lange Tunnel bildet ein Teilstück der A 861, die als Querspange zwischen der deutschen A 98 und der Schweizer A 3 dient. Ursprünglich sollte der Tunnel nur aus der am 16. Dezember 2002 fertiggestellten Oströhre bestehen. Aufgrund der schweren Brandunfälle im Gotthard-, Mont-Blanc- und Tauerntunnel wurde beschlossen, für den Gegenverkehr eine zweite Röhre zu bauen, um damit das Unfallrisiko zu minimieren. Im Sommer 2005 wurde die Weströhre fertiggestellt.
  • Tunnel Groß Ehrstädt: Der 280 Meter lange und 11,30 Meter breite Tunnel befindet sich bei Murg auf dem Autobahnabschnitt A 98.7. Er wurde 2012 in Betrieb genommen.
  • Andelsbachtalbrücke: Mit 550 Metern und einer Höhe von 43 Metern ist sie die größte Brücke der A 98.7.
  • Rappensteintunnel: Er unterquert auf 395 Metern die Kreisstraße K 6543, den Rappensteinweg und das Bachbett des Hänner-Wuhrs.
  • Bürgerwald- und Heidenäckertunnel: Mit 1435 Metern ist er der derzeit längste Tunnel der Autobahn 98 am Hochrhein und wurde von 1994 bis 1997 gebaut. Der 160 Meter lange Heidenäckertunnel schließt sich östlich davon an. Beide Tunnel dienen derzeit als Umfahrung der Stadt Tiengen und der Gemeinde Lauchringen.