Die Sozialstation der Caritas Hochrhein betreut immer mehr Patienten. Dies gelingt ihr nur durch Strukturreformen, bessere Arbeitsbedingungen, angemessene Bezahlung des Pflegepersonals durch die Kassen sowie mehr eigener Ausbildung. Geschäftsführer Rolf Steinegger sieht die Einrichtung dabei auf einem guten Weg. Er setzt sich derzeit für Vergütungspauschale ein, die Pflegekräfte im ambulanten Dienst mehr Zeit für ihre Patienten lassen. Dazu findet ein Spitzengespräch im Februar mit Krankenkassen in Stuttgart statt.

Beispiel Rheinfelden soll Schule machen

„Ich bin hoffnungsvoll“, schickt der Caritas-Geschäftsführer für das Jahr 2019 voraus. Seine Zuversicht bezieht sich auch auf das angepeilte Modellprojekt, das für Baden-Württemberg am Beispiel Rheinfeldens Schule machen soll. Nur wenn der Pflegeberuf seinen gesellschaftlichen Stellenwert auch in der Vergütung bekommt, lassen sich dafür Mitarbeiter gewinnen, gehört zu seiner Überzeugung aus langjähriger Erfahrung. Steinneger macht sich dafür seit Jahren mit Erfolg stark bei den Pflegeversicherungen.

Rolf Steinegger
Rolf Steinegger | Bild: Ingrid Böhm-Jacob

Auch die Angehörigen einbeziehen

„Wir haben unser Ziel zu 90 Prozent erreicht,“ sagt er heute und schiebt nach: „Bei den Krankenversicherungen gibt es noch Verbesserungsbedarf, damit Zeit und Geld bei den Arbeitsbedingungen stimmen." Mehr Pflegekräfte lösen dennoch nicht alle Herausforderungen. Dafür braucht es bei einer zahlenmäßig älter werdenden Gesellschaft weitere Maßnahmen, die auch die Angehörigen einbeziehen.

Eine attraktive Ausbildung

„Wir machen richtig gute Erfahrungen“, merkt Steinegger zur forcierten Ausbildung auch von Flüchtlingen an beim Blick auf Abschlussnoten von 2,5 und besser in der ambulanten Pflege. Dies wertet er als Ergebnis der guten Begleitung. Für die bei der Sozialstation entstandene Bachelor-Arbeit „Dritte Lernort“ hat es sogar einen ersten Preis gegeben. Die Caritas bereitet sich darauf vor, dass es die bestehende Altenpflegerausbildung ab 2020 nicht mehr geben wird und drei Ausbildungsberufe sich dann in einem bündeln, mit der Möglichkeit zur Spezialisierung. Dies werde erforderlich, um eine europaweite Anerkennung für das Berufsbild zu erlangen.

Immer mehr Patienten

987 Menschen hat die kirchliche Sozialstation 2017 betreut. Der demografische Wandel einer älter werdenden Gesellschaft hat im vergangenen Jahr zu einer Steigerung auf 1054 Personen geführt. Steinegger zeigt sich zufrieden, dass es im Einzugsbereich Rheinfelden und Schwörstadt trotz steigender Anforderungen dank mehr Personal nach wie vor gelingt, alle Pflegebedürftigen zu versorgen. Eine Warteliste bei der Grundversorgung wie sie in vielen anderen Städten längst Alltag ist, gebe es weiterhin nicht.

Selbständigkeit erhalten

Dies gelinge auch, weil es der Sozialstation darauf ankomme, Angehörige, so es sie gibt, in Pflegeabläufe durch entsprechende Schulung einzubinden, so dass die Mitarbeiter mehr Hausbesuche leisten können. „Das ist zeitintensiv, aber erfolgreich.“ Nach Steineggers Erfahrung nehmen die Betroffenen dies gut an, eine Anspruchshaltung sei nicht zu beobachten. In diesem Prozess liegt den Mitarbeitern der Sozialstation besonders daran, dass Patienten, noch selbst tun, wozu sie fähig sind, und damit auch Selbständigkeit erhalten.

Vernetzung mit allen Diensten

Einen wichtigen Beitrag leistet außerdem die Tagespflege, die jetzt 24 Plätze bietet, und durch eine Vernetzung mit allen Diensten der Sozialstation (Essen auf Rädern, Hauswirtschaft) Synergien schaffe. „Das ist außergewöhnlich“, sagt Steinegger zu dieser Vernetzung im Alltag durch Hausbesuche. Oft fehle es älteren Menschen, die weniger mobil sind, nur an einfachen Leistungen, um weiter zu Hause leben zu können. Steinegger gibt dazu zu bedenken, dass betreutes Wohnen diese Probleme nicht automatisch löse, wie viele meinen, denn alle Leistungen haben auch einen Preis.

Mehr Zeit für ihre Aufgaben

Steinegger hat sich zum Ziel gesetzt, für die Pflegekräfte in den Verhandlungen mit den Kassen Rahmenbedingungen auf einer Vertrauensbasis zu schaffen, die ihnen mehr Zeit geben für ihre Aufgaben. Er freut sich auch, dass die Spitzenverbände mit der Caritas für den Hochrhein an einem Modellprojekt arbeiten wollen und Vertrauen haben: „Da ist etwas gewachsen."

Liquidität nicht angespannt

Rote Zahlen wird es laut Steinegger momentan nicht geben, er erwartet für die GmbH eine „schwarze Null“. Dank Zuschüssen der Kirchengemeinden und der Stadt, die 45 000 Euro leiste, gelinge dies. Dass die Caritas in der Zukunft mehr Mittel für die ambulante Versorgung benötige, möchte der Geschäftsführer aber nicht grundsätzlich ausschließen.