Die Grundzüge der Siedlungsstruktur zu erhalten, stellt keine leichte Aufgabe dar. Bei der gut besuchten Auftaktveranstaltung zum Bebauungsplan für das 27 Hektar große Kernstadtgebiet zeigte sich, dass die städtebaulich wichtigen Gestaltungsmerkmale zusammenhängender Grünflächen vor und hinter den Häusern auch auf Widerstand stoßen. OB Klaus Eberhardt erklärte zum Abschluss, dass die Anregungen in den Planungsprozess aufgenommen werden und ließ erkennen: „Wir haben die eine oder andere Nuss zu knacken.“

Vortrag über die Baugeschichte

Dass der Informationsabend über den Masterplan (wir berichteten) mit Architekt Thomas Thiele und den Mitarbeitern des Stadtbauamts als Moderatoren und Ansprechpartnern auf breites Interesse stoßen wird, war zu erwarten. Entsprechend gut gefüllt waren die Stuhlreihen im Bürgersaal am Montag beim Vortrag über die Baugeschichte der Siedlung, die in den 1930er Jahren mit Einfamilien- und Doppelhäusern entstanden ist. Im Mittelpunkt standen Zielsetzungen bei der Nachverdichtung in einer kleinmaßstäblichen Bebauung.

Das könnte Sie auch interessieren

Nicht alle stimmen den Ansätzen zu

Über 120 Teilnehmer, die in der Siedlung zu Hause sind, sowie kommunalpolitische Beobachter aus allen Fraktionen nahmen teil. Es wurde engagiert und intensiv diskutiert. Nicht allen Bürgern aus der Siedlung stimmten den Ansätzen der geordneten Nachverdichtung zu, mit der die Grundzüge der Planung erhalten werden sollen. Sie brachten zwar zur Sprache, dass Vorgaben akzeptiert werden, wünschten sich aber bei der Anordnung von Anbauten und Dachformen größeren Spielraum als der Masterplan vorsieht.

Quartier drei mit größtem Zulauf

Die Siedlung setzt sich aus vier unterschiedlich aufgebauten Bereichen mit verschiedenen Zuschnitten zusammen. Entsprechend wurden zur Meinungsbildung vor den jeweiligen Plangebieten auch vier Gruppen gebildet, die sich, angeleitet von Mitarbeitern des Stadtbauamts, mit den Möglichkeiten in ihrem Wohnumfeld intensiv auseinandersetzten. Dabei stellten sie konkrete Fragen zu den individuellen Möglichkeiten, um aus- oder anzubauen. Den größten Zulauf fand dabei das Quartier drei.

Die Pläne an der Wand zeigen es: Die Siedlung im 27 Hektar großen Kernstadtgebiet ist im kleinen Maßstab bebaut.
Die Pläne an der Wand zeigen es: Die Siedlung im 27 Hektar großen Kernstadtgebiet ist im kleinen Maßstab bebaut. | Bild: Ingrid Böhm-Jacob

Beschränkungen gehen vielen zu weit

Dabei handelt es sich um ein großes Rechteck in der Mitte des Siedlungsgebiets, dem Bereich mit besonders vielen Anwohnern. Wenn dies und das nicht machbar ist, war aus Gruppen vor den Stellwänden zu hören, „kann ich mein Projekt knicken“. Die Beschränkung durch gestalterische Vorgaben scheint vielen zu weit zu gehen. Bei den Gebäudehöhen bis zwei Geschosse plus Dach zeichnete sich noch am ehesten Konsens ab. Immer wieder war der Wunsch nach Wahlmöglichkeiten zu hören und bei einigen auch Interesse, stärker zu verdichten. Auch die Frage der Stellplätze auf den Grundstücken beschäftigte dabei.

Ausgleich zwischen klein und groß

Abschließend brachte der Oberbürgermeister die breit gefächerte Interessenlage der Bewohner mit der kommunalpolitischen Zielsetzung auf den Nenner, dass sich der Planungsprozess am Anfang befindet und deshalb noch „mit Elastizität ausgestattet“ sei. Weil die Grundstücke in der Siedlung unterschiedlich bemessen sind, – manche gehen bis zu zehn Ar – kündigte er an, dass ein „Ausgleich zwischen klein und groß“ gefunden werden müsse. Es handle sich beim Masterplan um „kein starres System“. Deshalb sollen in dem jetzt startenden Prozess die von vielen gewünschten Erweiterungsmöglichkeiten berücksichtigt werden, sowohl bei den Baukörpern wie den Dachformen. Aber auch die Schaffung von Stellplätzen auf den Grundstücken werde geprüft.

Wunsch nach Tempo 30 im ganzen Gebiet

Als klaren Auftrag nahm Eberhardt den Wunsch nach Tempo 30 im gesamten Gebiet mit. Die Befürchtung Einzelner, dass die Alemannenstraße aus dem anschließenden Gebiet Grendelmattt III durchgehen könnte, erteilte er eine öffentliche Absage. Geprüft wird auch die Frage, wie leistungsstark das Kanalnetz ist. Bei den kommenden Schritten im Verfahren, sprach der OB mehrfach die Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung und die klare Zielsetzung, einen Rechtsplan zu erarbeiten, der für die gesamte Siedlung gilt, an. Als Zeithorizont nennt die Verwaltungsspitze ein Jahr bis der Bebauungsplan stehen soll, eine Veränderungssperre fürs Gebiet ist bis dahin angedacht.