Rheinfelden Manfred Brenneisen ist Experte für Wegkreuze und Brunnen

Der 79-jährige Manfred Brenneisen hat sich nach Ende des Berufslebens der Stadtgeschichte und der Malerei zugewandt.

Im Ruhestand erwachte bei Manfred Brenneisen ein Interesse an der Stadtgeschichte. Unermüdlich hat er Informationen rund um Grenzsteine, Brunnen und Wegekreuze zusammengetragen. Aber auch mit dem Pinsel versteht er umzugehen und setzt Ölgemälde bekannter Künstler als Aquarelle um.

Wenn man die Treppe hinauf in den ersten Stock zur Wohnung von Emilie und Manfred Brenneisen geht, gewinnt man den Eindruck, durch eine Kunstgalerie zu gehen und der Eindruck verstärkt sich in der Wohnung noch. Kaum ein Platz an den Wänden ist ausgespart, Bilder hängen verschachtelt wie Puzzleteile an der Wand. Im Wohnzimmer sitzt Manfred Brenneisen in einem gemütlichen Sessel und raucht Pfeife.

Der 79-Jährige hat Fakten zur Rheinfelder Geschichte in Hülle und Fülle zusammen getragen. Zahlreiche Ordner und Hefter hat er mit Texten und Fotos gefüllt sowie unzählige Karten, Zeitungsartikel und andere Quellen zusammen getragen. „Ich bin in Freiburg geboren und als ich daher gekommen bin, ist mir immer die Differenz zwischen dem alten Zähringerstädtchen und dem industriegeprägten Rheinfelden auf der anderen Rheinseite aufgefallen“, erklärt er sein Interesse an der lokalen Geschichte. „Im Ruhestand habe ich mir gedacht, ich müsste mich mehr um die Rheinfelder Geschichte kümmern.“

Brenneisen beschäftigten Fragen wie: Warum hat die Stadt so eine Riesenunterführung oder warum hat Rheinfelden keinen zentralen Marktplatz, sondern verschiedene Zentren? Viel von sich mag Brenneisen gar nicht preisgeben. Die Aufmerksamkeit ist ihm unangenehm. Viel lieber möchte er über Historisches reden. Ein wenig lässt er sich aber doch entlocken: In die Stadt kam er berufsbedingt 1957. Sein Leben lang hat er in der Postverwaltung gearbeitet, auf verschiedenen Stellen in verschiedenen Kommunen. „Es war eine interessante berufliche Zeit, ich habe in einem Beruf viele Berufe ausgeübt“, sagt er. „Rheinfelden war für mich immer nur Schlafstadt. Im Ruhestand wollte ich meine Zeit dann nutzbringend verbringen. Mein Motto ist auch, man muss neugierig sein und Dinge hinterfragen. Aber ich habe das für mich gemacht und nie an Veröffentlichung gedacht.“

Da Brenneisen nicht nur gerne gemeinsam mit seiner Ehefrau im Garten werkelt, sondern auch mit Vorliebe wandern geht, hat er das mit seinem historischen Interesse verknüpft. Zuerst waren es die Wegekreuze. Er blättert in einem Hefter und zeigt Aufnahmen. „In Degerfelden ist ein Wegekreuz sehr bemerkenswert. Es ist ein Pestkreuz von 1645.“ Die Stifter hatten die Pest überstanden und zur Auflage gemacht, dass das Holzkreuz für immer instand gehalten und im Bedarfsfall ersetzt werden soll. „Die gleiche Familie wohnt da immer noch. So hat jedes Kreuz seine eigene Geschichte.“ Interessant findet Brenneisen auch, dass gleich vier Kreuze in Nollingen und Degerfelden aus dem Jahr 1763 stammen. „Da war irgendeine Welle, aber es war für mich nicht historisch nachvollziehbar, was da war. Es war kein Pestjahr.“

Nach den Kreuzen weckten die Brunnen sein Interesse. „Der älteste Brunnen ist nachgewiesenermaßen der Lindenbrunnen in Herten von 1556, der 1827 erneuert wurde“, erklärt er. „Der älteste Brunnen in der Kernstadt ist von 1855. Davon ist nur der Sandsteintrog übrig.“ Brenneisen berichtet, der Brunnen stand einst am östlichen Ende des Bahnhofsgebäudes und diente der Wasserversorgung des Personals. Mit Bedauern stellt er fest, dass der schon lange bei Gleis 1 stehende Trog nur noch als Aschenbecher Verwendung findet. Früher wurde er noch bepflanzt.

Sein letztes Großprojekt waren die historischen Grenzsteine, die er alle abgelaufen ist und dokumentiert hat. „Das hat dann wirklich Zeit in Anspruch genommen und ohne den Rückhalt von meiner Frau hätte ich das nicht machen können“, sagt Brenneisen. Er führt aus, dass der älteste Grenzstein auf Rheinfelder Gemarkung auf dem Rührberg steht. „Der ist von 1560 und trägt das Degerfelder Dorfwappen.“ Der zweitälteste Stein dürfte der Totenkopfstein von 1563 am Trimm-Pfad sein, der nach Ansicht Brenneisens auf den Untergang des Dorfes Geitlikon oder auch Gelken zwischen Niedereichsel und Degerfelden im Jahr 1504 hinweist.

„Ich habe schon immer Interesse an Malerei gehabt, aber da ich mir keinen van Gogh, Chagall oder Picasso leisten kann, habe ich es halt selbst gemalt“, schmunzelt Brenneisen. Zahllose der Bilder in der Wohnung stammen von ihm. Er erachtet sich aber nicht als Künstler, sondern als „Übersetzer“, da er Ölgemälde in Aquarelle umwandelt. „Von Picasso interessiert mich die blaue und rote Periode, andere Bilder habe ich wunschgemäß für meine Frau gemalt.“ Zwischen zwei und drei Monaten malt er an einem Aquarell. In der Wohnung seiner Tochter hängen noch mindestens 60 weitere Bilder.

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