Die Madonnenfiguren des Dinkelbergs sind Geschichte und im Dreiländermuseum Lörrach zu sehen. Von Karfreitag an kann aber auch das Stadtmuseum im Haus Salmegg mit einem bemerkenswerten Zeugnis des frühen Barock aus Karsau aufwarten. Hinter der Sichelmadonna liegen bewegte Zeiten. Vor gut sechs Jahren kam sie zufällig über die Vermittlung von Ortsvorsteher Jürgen Räuber aus Privathand in den Besitz der Stadt. Nach aufwändiger Restaurierung erstrahlt die fast einen Meter hohe Mariendarstellung mit Jesuskind nun wieder in goldenem und silbernem Gewand und leistet einen Beitrag zur Ortsgeschichte. Zu Ostern wird sie erstmals öffentlich zu sehen sein.

Dass die Lindenholzarbeit, die mit der deutschen Ordenskomtur von Schloss Beuggen in Verbindung steht, die Zeitläufe überstanden hat, grenzt fast an ein Wunder und hat vor allem mit der katholischen Frömmigkeit über Generationen zu tun, die sie schützte. In dem Zustand, in dem Räuber sie vor weiterem Verfall für die Nachwelt zu retten versuchte, war ihr Anblick allerdings wenig ansehnlich.

Vom Holzwurm befallen, verdreckt und verrußt, auch beschädigt in verschiedenen Körperteilen war sie damals. Der Lokalhistoriker Räuber allerdings wusste als er sie sah, dass sie auf keinen Fall verloren gehen darf. Die Familie, in der sie fünf Generationen lang bewahrt wurde, wollte sie aber nicht länger behalten. So wie er die Geschichte kennt, war die Madonna vor allem deshalb verrußt, weil sie im Rauchfang Kriege überstehen sollte. An einer Hausaußenwand, wie es Vermutungen gibt, sei sie nicht aufgehängt gewesen. Ein ähnliches Schicksal weiß Räuber hat auch die „Schwarze Madonna“ aus Adelhausen hinter sich.

Sie ist heute in Lörrach ausgestellt. Räuber, der sich passioniert der Ortsgeschichte widmet, würde sich am meisten freuen, wenn die Eichsler Pfarrscheune, die umgebaut werden soll, künftig die Dinkelberger Madonnen beherbergen würde, denn auch eine erste Mondsichelmadonna aus Karsau ist dort.

Das Haus, für das die restaurierte Figur einst stand, ist längst abgerissen, Es soll das Gebäude gewesen sein, in dem Freiherr von Pfirt lebte, das „herrschaftliche Haus“, wie alte Karsauer noch heute sagen. Sein Wappen wurde als Dauerleihgabe ans Museum gegeben und eine Erinnerungstafel am Standort aufgestellt. Nach 1806 und der Säkularisierung im Zuge der Napoleonischen Kriege soll die Sichelmadonna nach Räubers Wissen dann in andere private Hände in Familienbesitz gewechselt sein. Er freut sich, dass es nun ein Wiedersehen mit der Figur gibt.

Die Sichelmadonna: Für den Namen Sichelmadonna gibt es zwei Erklärungen, teilt Stadtarchivarin und Historikerin Sabine Diezinger mit. Die eine kommt aus dem Symbolischen, wonach die Mariengestalt mit Sonne und Mond als Himmelskönigin erscheine. Die zweite Deutung führt auf das Johannes Evangelium „und es erschien ein großes Zeichen am Himmel“ als apokalyptische Darstellung zurück. Sichelmadonnen werden dem Ursprung nach dem Bodenseeraum zugeordnet.

Die Restaurierung: Das „besondere Exponat“ stamme nach Diezingers Kenntnis aus dem frühen 18. Jahrhundert und zu „99 Prozent aus der Ordenskommende“ in Beuggen. Die Rückseite der Figur ist abgeflacht, was auch darauf schließen lasse, dass sie in einer Nische ihren Platz hatte. So wie sie von Karfreitag an im Dachgeschoss im Haus Salmegg in einer Vitrine in Erscheinung tritt, leistet sie auch einen Beitrag zur Osterzeit, betont Diezinger. Der Zeitpunkt sei bewusst gewählt. „Es ist gut geworden“, kommentiert die Museumsleiterin das Ergebnis der Restauratorin des Dreiländermuseums. Schicht um Schicht sei abgetragen worden, bis zur Originalfarbgebung. Das Gold im Gewand und Silber in den Ärmeln wirkt nicht neu, sondern entspricht dem musealen Zustand. „Man darf sehen, dass die Dame ein Alter hat“, meint Diezinger. Bei der Restaurierung wurde deshalb auch darauf verzichtet, fehlende Teile zu ergänzen. Dem ausgestreckten Arm des Kindes fehlt somit eine Hand, in der bei anderen Darstellungen üblicherweise eine Weltkugel ruht.

Die Ausstellung: Erstmals wird die Madonnenfigur der Öffentlichkeit von Karfreitag an gezeigt. Die Ausstellung macht auch den Restaurierungsbericht öffentlich, bietet Fotos aus der Restaurierungszeit zum Anschauen und eröffnet damit einen weiteren Blick auf die Stadtgeschichte. Im kleinen Vorraum sind außerdem passend zum Thema verschiedene religiöse Volkskunstabbildungen ausgestellt, die dem Stadtarchiv geschenkt wurden und die überwiegend aus Eichsel stammen.

Info: Das Stadtmuseum im Haus Salmegg ist samstags und sonntags sowie an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr geöffnet.