Ob Puppen, Geschirr oder Miniaturfiguren: Die Liste der Dingen, die sich sammeln lassen, ist endlos. Leidenschaftliche Sammler agieren meist im Verborgenen, außer Freunden und Familie bewundert kaum jemand die gehorteten Gegenstände. Barbara Brugger und Erich Bühler sind zwei Aussteller, die ihre Schätze nächste Woche in der Ausstellung: „Leidenschaften aus dem Koffer“ öffentlich zeigen. Kulturamtsleiter Claudius Beck hat die Ausstellung ins Lebens gerufen, um in offenen Koffern sechs Wochen lang Sammelleidenschaften zu zeigen.

Schon beim Betreten ihres Eingangsbereiches wird jedem Besucher klar, was Barbara Brugger gerne sammelt: Sand aus aller Welt gibt es da in kleinen Gläsern zu bestaunen, die einen großen, hölzernen Setzkasten ausfüllen. Hier und da schmückt ein bunter Stein oder eine geschwungene Muschel den braunen Rahmen.

„Das mit dem Sammeln fing 1979 an. Damals war ich das erste Mal am Meer an der Adria in Italien“, erzählt die 55-Jährige. „Immer, wenn man vom Urlaubsort Abschied nehmen muss, will man ja auch etwas mitnehmen. Dann habe ich mir eben ein wenig Sand in ein Tütchen oder einen alten Filmrollenbehälter gefüllt. Vielleicht, um den schönen Urlaub zu Hause einfach noch ein bisschen zu verlängern.“

Nur Strandurlaub habe Brugger jedoch nicht gemacht; wenn es keinen Sand gab, wurden stattdessen Steine mitgenommen. So zieren nicht nur Sand aus Australien und Neuseeland, sondern auch winzige Kiesel vom Schluchsee ihre Sammlung. Aber warum nicht gleich Steine statt Sand sammeln? „Mit einem richtigen Sandstrand verbinde ich einfach Urlaub, tolle Erinnerungen und Sonne. Außerdem ist Sand schön anzusehen, denn es gibt ganz verschiedene Farben und Körnungen. Meistens denke ich den ganzen Urlaub über jeden Tag daran, dass ich unbedingt noch Sand einpacken muss. Fernweh und Reiselust fachen dann zu Hause meine Sammelleidenschaft weiter an. Es ist so ein schönes Gefühl, später genau zu sehen, wo man schon überall war“.

Mittlerweile sind es um die 120 Fläschchen, die Bruggers Setzkasten zieren. Etwa ein Viertel davon habe sie selbst gesammelt, der Rest sei Menschen aus ihrem Umfeld zu verdanken. „Seitdem meine Freunde und Kollegen von der Sammlerei wissen, bringen mir viele sogar unaufgefordert ein Tütchen Sand mit, den ich dann in ein durchsichtiges Glas umfülle“, meint Brugger. Doch Sand sammeln ist gar nicht so leicht: Problematisch sei anfangs die Suche nach geeigneten Gläsern gewesen, die durchsichtig und klein genug sind, um sie in den Setzkasten zu stellen. „Manche habe ich auf Weihnachtsmärkten aufgestöbert, die meisten Behälter sind aber leere und gereinigte Fläschchen für Impfstoffe oder andere Medikamente.

Da fülle ich meinen Sand hinein und verschließe das Ganze dann mit ein paar Tropfen Wachs.“ Beschriftet werden die Gläser mit Jahreszahl, Ländername und teilweise auch mit den Anfangsbuchstaben der Spender des sandigen Souvenirs. „Irgendwann habe ich wahrscheinlich ein Platzproblem“, lacht Brugger, „dann muss der nächste Setzkasten her“.

Platzprobleme kennt Erich Bühler dagegen nicht. Der Rentner hat besonders seltene, fast schon museumsreife Objekte zu präsentieren: Obst- und Südfrüchteaufkleber. Vierzig Jahre lang klebte er die kleinen, flachen Exponate auf durchsichtige Folien und bewahrte sie in einer Präsentationsmappe auf. Doch wie kommt ein Mensch dazu, eine Faszination für Südfrüchteaufkleber zu entwickeln? „Als ich noch gearbeitet habe, nahm ich mir von zu Hause immer ein paar Früchte als Dessert mit. 1960 kam ich dann das erste Mal auf die Idee, die kleinen Aufkleber auf der Schale zu behalten und aufzukleben.“

Dabei scheint Bühlers Sammelleidenschaft von Zufällen geprägt: „Die Etiketten habe ich in der Reihenfolge aufgeklebt, wie ich die Früchte auch gegessen habe, ohne Datum oder Beschriftung. Die meisten stammen von Bananen, Citrusfrüchten, Mangos und Melonen, aber auch von Äpfeln oder Birnen. Ich fand sie hübsch, so bunt und unterschiedlich – wie einen Gruß aus fernen Ländern“. Dass Bühler heute keine Aufkleber mehr sammelt, hat mehrere Gründe. „Als ich aufhörte zu arbeiten, fiel automatisch mein Ritual beim Mittagessen in der Firma weg. Ich wandelte auch meine Interessen. Mittlerweile kommt es außerdem gar nicht mehr so häufig vor, dass Früchte Aufkleber tragen.“

Seit der Jahrhundertwende liege das bunte Durcheinander nun bei ihm zu Hause. „Erst als Herr Beck seinen Aufruf für Hobbysammler startete, wurde mir bewusst, für was man die Sammlung nutzen könnte. Seitdem habe ich mich mehr und mehr mit der Herkunft meiner Aufkleber beschäftigt. Von vielen weiß ich das Produktionsland und den Namen der Herstellerfirma. Wenn ich die Sammlung so ansehe, dann sehe ich gleichzeitig die Welt vor mir“, erzählt Bühler. Auch seine Wertschätzung von Südfrüchten habe sich gewandelt: „Wenn man erkennt, wie komplex zum Beispiel eine Banane gelagert und transportiert werden muss, schreibt man der Frucht plötzlich einen ganz anderen Wert zu. Das Sammeln verändert einen also schon auf eine gewisse Art und Weise, sowohl im Denken, als auch im Handeln.“

„Leidenschaften aus dem Koffer“: Ausstellungseröffnung ist am Dienstag, 13. März, 18 Uhr im Schauraum.