In einem ersten Anlauf haben 20 Flüchtlinge Kurse zum ressourcenschonenden Verhalten im Rahmen eines Pilotprojekts im Landkreis erfolgreich abgeschlossen. Nun werden zehn dieser Teilnehmer zu Multiplikatoren, so genannten Ressourcenschutz-Scouts, ausgebildet. Sie zeigen dann Bewohnern aus anderen Kulturen, wie richtig gelüftet wird und wie sinnvoller Umgang mit Energie in der Praxis aussieht.

Auch in Syrien gibt es Sparkampagnen

„Wenn ich meine Freunde oder Kollegen aus dem Sprachkurs treffe, dann erkläre ich immer mit viel Spaß, was ich gelernt habe in diesem Kurs“, sagt Jehan Hussein, die an der Volkshochschule einen Kurs zum Ressourcenschutz erfolgreich besucht und mit Zertifikat abgeschlossen hat. In Syrien gab es auch Kampagnen zum Energie- oder Wassersparen, aber etwa ein System der Mülltrennung war dort auch vor dem Bürgerkrieg unbekannt.

Alle Lampen auf LED umrüsten

„Zu Hause mache ich das auch“, erzählt Hussein. „Ich habe nicht alles gewusst, was ich in dem Kurs gelernt habe, aber jetzt weiß ich das. Ich habe in meiner Wohnung schon zwei Leuchten in LED umgetauscht, und ich möchte gerne alle Lichter wechseln, aber die LED-Birnen sind teuer, und ich habe nur wenig Geld. Aber nach und nach mache ich das.“

Universitätsabschluss in Aleppo

Ihren Abschluss als Architektin machte Hussein 1992 an der Universität Aleppo. Sie arbeitete 23 Jahre in ihrem Beruf, unter anderem für das syrische Gesundheitsministerium und 16 Jahre lang für eine Behörde in der Altstadt Aleppo. Die 53-jährige Hussein ist syrische Kurdin und im August 2016 über die Türkei als Flüchtling nach Deutschland gekommen. „Ich hatte Angst, mein Leben im Krieg zu verlieren“, erzählt sie.

In einer Drei-Zimmer-Wohnung

Ihr Ex-Ehemann und ihre heute 18- und 24-jährige Töchter waren schon ein Jahr in Deutschland. Hussein kam erst in Heidelberg und dann in Freiburg unter, bevor sie zu ihren Angehörigen in die Gemeinschaftsunterkunft Römerstraße ziehen durfte. Heute wohnt sie mit ihren zwei erwachsenen Töchtern in einer Drei-Zimmer-Wohnung.

Stadt stößt Modellprojekt an

"Die Stadtverwaltung hatte das Modellprojekt Ressourcenschutz angestoßen und für die Umsetzung der Kurse in der Energieagentur Lörrach-Waldshut und der Volkshochschule Rheinfelden kompetente Partner gefunden", berichtet Bürgermeisterin Diana Stöcker. Zwei Kurse à vier Termine wurden in einem ersten Schritt von etwa 20 Teilnehmern an der VHS abgeschlossen.

Der zweite Schritt: Jetzt werden sie zum Scout

In einem zweiten Schritt machen zehn Kursteilnehmer nun die Ausbildung zum Ressourcenschutz-Scout. „Wir haben gelernt: Die Mülltrennung und Energie sparen und richtiges Lüften in der Wohnung“, führt Hussein aus. „Im Unterricht hatte ich viel Spaß. Es ist ein bisschen schwierig zum Lernen, weil meine deutsche Sprache nicht sehr gut ist. Aber nur ein bisschen schwierig, weil es gibt nur wenige schwierige Worte.“

Auch Mülltrennung steht auf den Kursplan

„Wir möchten einfach das Bewusstsein für die Themen Ressourcen sparen, Umgang mit Energie sowie Mülltrennung schärfen, da in den Kulturen oftmals ein anderer Umgang mit diesen Themen besteht“, erklärt Stöcker. „Wir wollen Menschen aus diesen Kulturkreisen ausbilden, damit sie diese Infos weitergeben können.“ Die ausgebildeten Ressourcenschutz-Scouts sollen inhaltlich definierte Beratungsgespräche führen, die sie auch dokumentieren. Die Termine werden von der Stabsstelle für Integration und Flüchtlinge zugewiesen, und für durchgeführte Beratungen gibt es auch eine Aufwandsentschädigung.

Eine Wohnungsheizung per Thermostat richtig einzustellen, will gelernt sein.
Eine Wohnungsheizung per Thermostat richtig einzustellen, will gelernt sein. | Bild: dpa/Ole Spata

Stabsstelle sucht Beratungstermine aus

Stöcker erklärt, dass die Stabsstelle gezielt Familien für Beratungstermine aussucht, auch die Scouts aus ihrem Wirkungskreis Familien benennen können. Interessierte können sich auch melden, aber die Terminvergabe läuft nur über die Stabsstelle. „Ich habe schon zweimal Unterricht gehabt, und es folgen noch zwei Einheiten“, erzählt Hussein. Im Kurs kommende Woche bekommen alle Teilnehmer dann das Zertifikat als Ressourcenschutz-Scout, während der letzte Termin erst im März stattfindet, da alle Teilnehmer noch eine abschließende Hausaufgabe machen müssen.

Freude über Kostenersparnis

„Ich gehe zu einer Familie, die meine Sprachen, also Kurdisch oder Arabisch, spricht, und ich muss dieser Familie erklären, was ich gelernt habe. Ich muss zeigen, was diese Familie zum Energiesparen machen kann“, erklärt Hussein die Aufgabe für den Februar, ein erstes Beratungsgespräch zu absolvieren. „Ich bekomme immer die Rechnung mit weniger Geld. Schon in Syrien wie auch hier“, freut sie sich neben der neuen Aufgabe auch über die finanzielle Ersparnis durch ein ressourcenschonendes Verhalten.