Am Anfang wurden die Mitglieder der christlichen Glaubensgemeinschaft, wie Jörg Hinderer und Carola Forstmann sich als Mitbegründer erinnern, schon mal falsch eingeordnet und mit Vorurteilen belegt. Das Zusammenleben nach festen Regeln auf genossenschaftlicher Basis, aber getrenntem Privatleben hat sich bewährt. Es ist mit den Jahren gereift, die Grundlagen beim Start tragen aber bis heute. Rückblickend zeigen sich beide überzeugt, dass sie die Kommunität wieder gründen würden.

Heute leben zehn Erwachsene und gleich viele Kinder in der umgebauten Schütte, das Gemeinschaftshaus daneben mit Blick auf den davor fließenden Rhein ist für alle täglicher Dreh- und Angelpunkt. Hier wird gemeinsam zu Mittag gegessen, finden Besprechungen statt, werden Filme geschaut und sich mit Gästen ausgetauscht. Dass dieses Miteinander funktioniert, dafür fallen Forstmann viele Dinge ein. „Diese Kombination aus Verbindlichkeit und persönlicher Freiheit hat uns gut getan.“ Dazu gehört auch, dass Entscheidungen im Konsens getroffen werden. Alle Mitglieder tragen sie mit, auch wenn nicht alle einer Meinung sind.

Zu den nachhaltigen Erfahrungen der ökumenisch ausgerichteten christlichen Gemeinschaft tragen auch die Verbindung mit dem Schloss und seiner evangelischen Tagungsstätte sowie der Schlosskirche mit den Tagzeitgebeten bei. Hinderer betrachtet es angesichts der Umbruchsituation durch den Besitzerwechsel von der evangelischen Landeskirche Baden zu einem privaten Eigentümer als „Privileg“, in dieser Verbindung ein christliches Leben zu führen. Umgekehrt habe die Kommunität für eine „Bereicherung der Kirche und Tagungsstätte“ gesorgt.

Das hat bei ihrer Gründung die Landeskirche auch ausdrücklich gewünscht. Das Leben nach christlichen Grundsätzen durchzieht den Tagesverlauf und für den Pfarrer Jörg Hinderer und die Gymnasiallehrerin Carola Forstmann erscheint es wichtig, dass auch praktisch etwas gemeinsam gemacht wird. Da steht die Arbeit mit Gästen an erster Stelle. Fünf Zimmer gibt es für ihre Unterbringung auf Zeit. „Wir geben viel hinein von unserer christlichen Grundüberzeugung und wir bekommen sehr viel zurück“, fasst Carola Forstmann zusammen. Durch Menschen aus vielen Ländern, die hier eine Auszeit zur Besinnung erleben, sind „wir internationaler geworden, das bereichert“. Etwa 1000 Gäste haben in zehn Jahren in der Kommunität gelebt.

  • Die Grundsätze: Die hohe Stabilität spricht dafür, dass das Miteinander gründlich vorbereitet wurde. Sieben von zehn Teilnehmern leben noch in Beuggen, ein Ehepaar und eine Einzelperson haben sie verlassen. Wer in die Kommunität eintreten möchte, muss sich prüfen lassen und eine Testphase absolvieren. Anspruch und Wirklichkeit müssen zueinander passen. Kommunität bedeutet nicht, dass alle zusammenleben für das ganze Leben, merkt Hinderer an. Das Miteinander ist aber unbefristet angelegt. Zum Selbstverständnis gehört auch, dass das Bedürfnis nach Rückzug respektiert wird. Es gebe eine gute Basis, denn „alle ticken ähnlich“, meint Hinderer.
    Wer Mitglied ist, verpflichtet sich alle drei Säulen der Kommunität mitzutragen: Geistliches Leben gestalten, gemeinsam leben und Verantwortung in der Welt wahrnehmen, dazu gehört ganz besonders auch die Gastfreundschaft. „Es ist kein Schöner-Wohnen-Projekt“, stellt Hinderer klar, sondern ein Leben mit einem Wirken auch nach außen, wofür auch 6000 Tagzeitgebete sprechen. Aber auch die 8000 Besucher beim Film-Open-Air gehören zur Bilanz. Zwei Hochzeiten und acht Geburten gab es in zehn Jahren. Hinderer hat in der Kommunität seine Frau Julia kennengelernt und geheiratet.
  • Genossenschaftliches Prinzip: Die ausgebaute Liegenschaft ist kein Privateigentum. Der Verein hat das Anwesen in der Schlossanlage genossenschaftlich erworben. Das wird als gutes Prinzip betrachtet, denn „es schützt Rechte der Gemeinschaft und gibt Sicherheit“ sagen die Mitbegründer. Kommunitäten, die nach christlichen Grundsätzen leben, gibt es etliche in der Bundesrepublik aber nicht viele mit dieser Kombination. „Jede Gemeinschaft ist einzig, es gibt keine zwei gleiche", lautet Jörg Hinderers Erfahrung. Zu den Prinzipien in Beuggen gehört, dass die Mitglieder durch Berufstätigkeit ihr Leben erwirtschaften.
  • Erwerbsarbeit als Grundlage: Jedes Mitglied sorgt für sich selbst, es gibt keine Erwerbsarbeit in Gemeinschaft. Grundnahrungsmittel wie Eier, Butter, Milch werden aber zusammen eingekauft, Fleisch und Alkohol sind aber Privatsache. Das sind Produkte, die individuell beschafft werden. Zu 95 Prozent leben die Mitglieder nach dem Prinzip biologisch erzeugt, saisonal und regionale Produkte. Als Selbstversorger tritt die Kommunität nicht auf.
  • Die Zukunft: Durch den Besitzerwechsel geht Bewährtes verloren, zwischen Tagungsstätte und Kommunität habe es ein „hohes Vertrauen“ gegeben, heißt es. Doch die Kommunität nimmt das Kommende auch „als Chance“ an, so Hinderer, das den Blick öffnen kann. Dennoch gibt es so etwas wie Abschied. Dieser Prozess habe mit Glaube zu tun, wie vor zehn Jahren bei der Gründung, reflektiert Hinderer. Auch damals haben alle Mitglieder etwas aufgegeben. Nun sind sie wieder in ähnlicher Situation und müssen „Loslassen“ neu lernen. Forstmann und Hinderer zeigen sich überzeugt, dass sie weiter als Kommunität ihren Platz in Beuggen haben und der Besitzerwechsel sich auf die christliche Gemeinschaft „nicht existenzbedrohend“ auswirke.
Termin: Die Kommunität feiert ihr zehnjähriges Bestehen am heutigen Samstag, 30. Juli, um 14 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Schlosskirche Beuggen.

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