Im Prinzip kann sich die Stadt als grün bezeichnen mit einem inneren und äußeren Grüngürtel. Damit die rund 5000 in einem Kataster nach Standort und Zustand erfassten Bäume im öffentlichen Raum gesund bleiben und sicher stehen, muss die Stadtgärtnerei aber immer größeren Einsatz leisten. Gärtnermeister Hans-Georg Bruttel spricht von Herausforderungen durch den Klimawandel.

Der Amber-Baum erscheint zukunftstauglich.
Der Amber-Baum erscheint zukunftstauglich. | Bild: Ingrid Böhm

Dass sich etwas verändert, lässt sich nicht übersehen. Viele Baumarten leiden unter langer Trockenheit, werden anfällig für Krankheiten oder sterben astweise ab. „Die Zukunftsaufgabe Klimapaket erfordert eine größere Anstrengung für die Kommune“, zeigt sich der Gärtnermeister überzeugt. Es werde immer schwieriger für die 16 Mitarbeiter, die Aufgaben zu bewältigen.

Die Laubbäume in der Mouscron-Allee liefern Sauerstoff und filtern den Feinstaub. Doch mit dem Einsetzen des Klimawandels hat sich die Situation verschärft.
Die Laubbäume in der Mouscron-Allee liefern Sauerstoff und filtern den Feinstaub. Doch mit dem Einsetzen des Klimawandels hat sich die Situation verschärft. | Bild: Ingrid Böhm

Sie konzentrieren sich in erster Linie darauf, zu erhalten und zu pflegen, was über Jahre gewachsen ist. Die Stadt soll nicht nur einladend aussehen, sondern auch ein gutes Kleinklima als Lebensraum bieten. Das wird angesichts weiterer Bautätigkeit in der Zuzugsregion immer wichtiger. Bäume am Straßenrand, auf Parkplätzen, Parks und anderen Flächen leisten dazu einen entscheidenden Beitrag. Die Blätter von Ahorn, Eiche, Platane und Kastanie, die in großer Zahl das Bild bestimmen, filtern den Feinstaub aus der Luft und bilden gleichzeitig Sauerstoff.

Bäume müssen verkehrssicher sein

Den Zustand der Bäume zu kontrollieren, gehört somit zu den Daueraufgaben der technischen Dienste. An erster Stelle muss gewährleistet werden, dass keine Gefahr von ihnen ausgeht, die Bäume verkehrssicher sind. Sensible Bereiche wie Schulen und Kindergärten stehen somit ganz vorne auf der Prüfliste. Oberstes Ziel der Maßnahmen heißt: Den Baum erhalten. Bruttel spricht von Einzelfallentscheidungen, wenn ein Kronenschnitt und andere Maßnahmen nicht mehr reichen.

Keine Garantie für langes Leben

Er schätzt, dass bis zu 40 Bäume jedes Jahr verloren gehen und dabei handelt es sich nicht nur um alte. Auch Zehn- und 20-jährige fallen darunter. Grundsätzlich haben Bäume, die sich mit ihrem Wurzelwerk im Park ausbreiten, besser da. Eine Garantie für langes Leben aber ist das längst nicht mehr, weiß der Leiter der Stadtgärtnerei.

Mitarbeiter regelmäßig geschult

Damit sie auf dem neuesten Stand bleibt in den Behandlungsmethoden, werden die Mitarbeiter regelmäßig geschult, auch im Baumschnitt. Bei Neupflanzungen wird der junge Baum grundsätzlich nicht mehr dem Lauf der Natur alleine überlassen. Er wird mit Baumsubstrat ausgestattet, Belüftungs- und Bewässerungssystem, damit er sich entwickeln kann, der Wurzelraum wird so groß wie möglich bemessen. Trotzdem stellt Bruttel fest: „Die grüne Stadt wird immer schwieriger.“ Die Leiter der Stadtgärtnerei stellt zunehmend fest, dass nicht nur fehlender Regen, sondern auch ein sinkender Grundwasserspiegel Probleme bereite.

Neupflanzungen für Schulprojekt

Diese Woche hat die Stadtgärtnerei mit Schülern der Hans-Thoma-Schule im Bereich der Metzgergrube bei Neupflanzungen im Rahmen eines Schulprojekts unterstützt. Doch der Aktionsradius beschränkt sich nicht nur auf die Kernstadt, auch in den Ortsteilen achtet sie mit Unterstützung örtlicher Mitarbeiter darauf, dass das Grün nicht zu kurz kommt. So wurden im Rahmen der Aktion „Minseln blüht“ ein Baum an der Dinkelbergschule gepflanzt. Überwiegend beauftragt das Planungs- und Umweltbüro der Stadt, wo die Stadtgärtnerei neu tätig werden soll.

Viele Arten nicht mehr zukunftsfähig

Doch vieles was über Jahre problemlos gewachsen ist, kommt mit dem „Klima nicht mehr zurecht“, hält Bruttel fest. Viele der bisher einheimischen Bäume hält Bruttel „nicht mehr für zukunftsfähig“. Die Anfälligkeiten nehmen zu. Einen intakten Grüngürtel für Rheinfelden zu erhalten, fällt dabei immer schwerer, denn die Entwicklung verlaufe immer „dynamischer“. Als Beispiel nennt Bruttel den Herbert-King-Park. Ein Stück Vorzeigegrün mitten in der Stadt, das auf der Prioritätenliste an der Spitze steht. Vor zwei Jahren wurde dort eine umfassende Baumpflege vorgenommen, doch inzwischen mehrt sich das Totholz wieder, eine Folge von Wassermangel.

Klima-Zone von Nizza

Oft werfen große Bäume spontan Äste ab, weil sie leiden. Wie sehr der Grundwasserspiegel gesunken sei, beobachtet die Stadtgärtnerei auf dem Hauptfriedhof bei Erdbestattungen: „Es wird immer trockener“. Überall nachzuhelfen, weil es die Natur nicht mehr leistet, bedeutet hohen personellen Einsatz. Dabei kommt es auf neue Maßnahmen an, damit Bäume überleben: „Das wird immer wichtiger“ erklärt Bruttel. Ob das Personal mit 16 Gärtnern und vier Azubis ausreicht, steht als Frage im Raum. Jährlich 30 neue Bäume zu pflanzen und „weitermachen wie bisher“, wird nicht viel bringen, nachdem Rheinfelden inzwischen eine Klima-Zone von Nizza hat, wie Bruttel sagt. Sorgen bereitet ihm, dass das Unvorhergesehene zunimmt.

Neuer Baum

Auf dem Hof der Gärtnerei hat Hans-Georg Bruttel seit rund zehn Jahren einen Testbaum im Kübel, der zukunftstauglich erscheint. Er heißt Amber-Baum, seine Heimat ist Amerika. Er erweist sich als widerstandsfähig und tauglich für die veränderten Klimabedingungen. Sein Blatt ist dem des Ahorns ähnlich und er wird bei schlankem Wuchs bis zu 20 Meter hoch.