Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Fahrer und einem Pfarrer? Wenn der evangelische Pfarrer Joachim Kruse derlei „schwere“ Fragen beantworten muss oder wenn es in der Christuskirche klingt wie auf einer Almwiese, weil er anhand von zwei kleinen Glöckchen erklärt, wann und warum die vier großen Glocken im Turm läuten, dann findet gerade die jährliche Kinder-Kirchenführung für die Kids der Kita Regenbogen statt.

Knapp 20 Mädchen und Buben im Alter von drei bis sechs Jahren machten sich aufgeregt schwatzend mit drei Erzieherinnen und einem Praktikanten auf den Weg zur Christuskirche, wo sie schon von Pfarrer Kruse erwartet wurden. Die Kirchenführung fand im Rahmen der regelmäßigen Outdoor-Tage der Kita Regenbogen statt. Diesmal ging es um Berufe, wie zum Beispiel auf dem Bauernhof, Sportler oder Pfarrer. Jedes Thema werde auch innerhalb der Kita ausführlich besprochen, erklärt Erzieherin Ewa Matwijow.

Pfarrer Kruse begrüßte die muntere Gruppe schon vor der Kirche, wo er als erstes bei der großen Statue wissen wollte, ob jemand weiß, wie sie heißt, „sie hat nämlich einen Namen wir ihr auch“. „Die Figur heißt Jesus“, sagte ein aufgeweckter Junge. „Fast richtig“, meinte der Pfarrer, „aber Jesus hatte ja zwei Namen, er wird auch Christus genannt und ist somit der Namensgeber der Kirche, die mit ihren 80 Jahren so alt sei, wie manche Omas und Opas. Und weil das Gebäude aus massivem Stein gebaut ist, würde es mindestens noch 200 Jahre halten, sagte der Pfarrer, woraufhin ein kleiner „Baufachmann“ mutmaßte, dass die Steine in dem Fall bestimmt „mit einem guten Kleber“ zusammengesetzt wurden.

So ein Ausflug ist eine spannende Sache.
So ein Ausflug ist eine spannende Sache. | Bild: Claudia Gempp

Nachdem im Innern allen aufgefallen ist, wie leise es in einer Kirche ist, führte Pfarrer Kruse die überraschend ruhige Rasselbande zu den verschiedenen Stationen, wo es viel zu hören, staunen und entdecken gab, denn, so der Pfarrer, „unsere Kirche ist auch etwas für Kinder, hier wird viel gespielt und gesungen“. Ob in der Spielecke für den Krabbelgottesdienst, bei den Fotos der Täuflinge und Konfirmanden, beim Blick auf die Buntglasfenster bis zum Altar mit der Bibel – überall lauschten die Kinder aufmerksam den Worten des Pfarrers.

Doch damit nicht genug: Pfarrer Kruse schlüpfte sogar in seine „Berufskleidung“, wie der schwarze Talar mit den vielen Knöpfen heißt. Beim Schließen haben die Kinder natürlich lautstark mitgezählt: Es sind genau acht! Ebenso zog er den weißen Talar über, den er nur an hohen Festtagen tragen würde, „weil die Farbe Weiß so schön und hell ist wie die Freude“. Auch die Taufkleider seien schließlich weiß und „ihr habt sicher alle eines getragen“. Fabian widersprach, weil er als Junge doch keine Kleider tragen würde.

Bescheid wusste auch ein Mädchen auf die Frage des Pfarrers, wie die beiden Personen auf einem Hochzeitsfoto genannt werden: „Es ist eine Prinzessin und ein Prinz.“ Auf verständliche Weise bot Pfarrer Kruse seinen besonderen Kirchenbesuchern spannende Einblicke in die Bedeutung des Gotteshauses sowie zu den Geschichten von Jesus. Am Ende der Führung überreichte er jedem Kind eine Urkunde, die es ab sofort als „Experte der Christuskirche“ auszeichnet.