Pünktlich zum Nikolaustag gibt es für die Stadt schon Bescherung. Der denkmalgeschützte Bahnhof von 1856 wechselt den Besitzer. Die von der Bahn im Juli für eine knappe halbe Million auf den Bietermarkt gestellte Immobilie übernimmt Seidenhof-Inhaber Karl Löffler. Neben Erhalt und Sanierung des Gebäudes stellt der Unternehmer den Ausbau zur Mobilitätszentrale in Aussicht. Die Stadt unterstützt die Entwicklung im Sanierungsgebiet mit einem Investitionskostenzuschuss von 200 000 Euro.

Entwicklung zu einem Mobilitätszentrum

Beim Mediengespräch am Donnerstag zeigte sich Oberbürgermeister Klaus Eberhardt überzeugt, dass das Bahnhofsareal die im Bauforum und Masterplan vor einigen Jahren angestrebte Entwicklung zu einem Mobilitätszentrum nehmen wird und damit auch die monatelangen Diskussionen um die Bahnhofszukunft ein Ende finden. Die haben bekanntlich gefordert, dass die Stadt zur Sicherung der Entwicklung das Heft als Investor in die Hand nehmen solle.

Klaus Eberhardt fällt ein Stein vom Herzen

„Es fiel mir ein Stein vom Herzen“, als sich abgezeichnet hat, dass Löffler, der sich seit Jahren im Planungsbereich Bahnhof mit Ideen als Bürger eingebracht habe, sich für das Objekt engagiert. „Das ist der Idealfall aus städtischer Sicht“, betonte Eberhardt. Für das Stadtoberhaupt steht nach jahrelangen Erfahrungen mit dem Unternehmer fest, dass der Bahnhof bei ihm „in guten Händen“ ist. Schon im Vorfeld war klar gewesen, dass die Stadt einem Dritten, der im Zuge der Stadtsanierung tätig werden will, finanzielle Unterstützung gewähren wird.

Keine leichte Entscheidung für den Investor

Für Karl Löffler war der Kauf, wie er im Gespräch einräumte, keine leichte Entscheidung. Einen Tag nach Vertragsabschluss sprach er von großer Freude, aber auch dem Wissen darum, dass er die Verpflichtung eingehe, sorgfältig mit diesem Objekt umzugehen. Die seit Jahren vernachlässigte Außenansicht, soll sich verbessern: „Ich möchte, dass der Bahnhof strahlt und die Leute eine Freude an ihm haben.“

Sanierungsmaßnahmen sind schon angedacht

Löffler denkt an die Sanierung der Sandsteinelemente, die er wieder zur Wirkung bringen möchte und auch das dunkle Gelb der Fassade soll heller werden. Auch die Wiederherstellung der Fensterläden im Erdgeschoss ist für ihn ein Thema. Vom 1. Januar an gehören zu seinem Besitz vier Mietverhältnisse: Das DB-Reisezentrum im Erdgeschoss und der technische Bereich der Telekommunikation auf der Bahnlinie Basel-Schaffhausen, der sich nicht verlegen lasse. Die erste Etage bleibt vermietet an DB-Cargo und die Busfahrer der SBB (Südbadenbus).

Die Idee: Ein neues Zentrum für Fahrradmobilität

Neuer Gestaltungsspielraum eröffnet sich an der rechten eingeschossigen Achse des Anbaus. Für diesen Bereich stellt sich Löffler vor, ein Zentrum für Fahrradmobilität zu etablieren. Mehr als einen groben Plan dazu gibt es aber noch nicht, da weiteres Gelände der Bahn dafür als wünschenswert gilt. Darüber möchte Löffler in einem zweiten Schritt verhandeln. Auch einen Betreiber für Fahrradverkauf und -verleih wird Löffler erst suchen.

Schwierige Verhandlungen mit der Bahn

Die Verhandlungen mit der Bahn haben sich für Löffler als schwierig erwiesen. Mit dem erzielten Ergebnis bei ausgewogenen Verträgen zeige er sich jetzt aber zufrieden. Der Investor erwartet, dass der Bahnhof unter seiner Regie auch den Betrieb des Seidenweberhofs absichert, damit der erfolgreich bleibe und keine unerwünschte Konkurrenz erhält oder einen Unruheherd in der Nachbarschaft. Für einen solchen hält Löffler nach seinen Erfahrungen eine Gastronomie im Bahnhof.