Herr Frank, wo lebt ein pensionierter Pfarrer?

Momentan wohne ich noch im Pfarrhaus der St.-Josefs-Kirche. Ich warte, dass meine neue Wohnung frei wird. Sie liegt außerhalb Rheinfeldens aber in guter Erreichbarkeit, weil ich ja noch in der Seelsorge aktiv bleiben will.

Also ein Unruhestand wie bei Pfarrer Albin Blümmel aus Herten, der erst diesen Sommer, ein Dreivierteljahr nach seinem offiziellen Dienstende, seine Pfarrei verließ?

Tatsächlich werde ich noch weiterhin Gottesdienste leiten und an einem Wochentag die Beerdigungen übernehmen. Das sind Aufgaben, nach denen ich mich sehne. Meine frühe Pensionierung – von katholischen Pfarrern wird ein Dienst bis zum 70. Lebensjahr erwartet – habe ich aus gesundheitlichen Gründen vor allem wegen der ständig wachsenden administrativen Arbeit beantragt.

Was hat sich verändert?

Zunächst kamen 2004 zur Arbeit in Nollingen die Pfarreien Rheinfelden und Warmbach hinzu, 2010 dann der Dinkelberg und 2015 schließlich mit Herten alle sieben Pfarreien der Stadt Rheinfelden. Und nun steht bereits die weitere Umstrukturierung der „Kirchenentwicklung 2030“ an, an deren Ende Kirchengemeinden so groß wie heutige Dekanate stehen sollen. Ich spüre, wie meine Reserven aufgebraucht sind, um immer weitere Aufgaben zu übernehmen, für die ich nicht ausgebildet wurde.

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Sie fühlen sich von der Kirchenleitung alleingelassen?

Meine Anfrage an den Generalvikar Freiburg, uns Pfarrer entweder zu schulen oder uns Fachkräfte mit ausreichender Kapazität in die Kirchengemeinden zu schicken, blieb unbeantwortet. In der Visitation vor einem Jahr wurde mir dann klar, dass ich die Leitungsverantwortung abgeben sollte.

Im Gespräch mit der Leitung der Kirchengemeinde gewinnt man den Eindruck, dass eine pfarrerlose Zeit bei den Katholiken eine größere Umstellung ist als bei den Protestanten wie jüngst in der Paulus- und nun in der Johannesgemeinde.

Das liegt vermutlich daran, dass Pfarrer Blümmel und ich sehr lange vor Ort waren: Ich war nun insgesamt vier Jahrzehnte in der Seelsorge in Herten und Nollingen aktiv und übernahm 2004 von Pfarrer Wolfgang Gaßmann nahtlos die Administration der Pfarreien Rheinfelden und Warmbach. Wichtig ist nun während der Vakanz, dass das Seelsorgeteam bereit ist, die zusätzlichen Anteile an Leitungsaufgaben gemeinsam zu stemmen: Bei der Zusammenführung der drei Pastoralkonzepte der früheren Seelsorgeeinheiten haben wir mit dem „Leitbild“ für die ganze Seelsorgeeinheit erst einen Zwischenschritt geschafft. Seit Jahren arbeiten wir jetzt schon an der Entwicklung von Pastoralkonzepten; ich spüre in dieser Sache eine gewisse Müdigkeit in den Gremien.

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Könnte man diese Personalprobleme nicht einfach mit der Frauenordination lösen?

Ich wünsche mir in der Tat, dass die Kirche solche Veränderungen mit mehr Vertrauen und Offenheit angeht: Jede Person, die für das Amt geeignet ist, egal, ob Frau oder Mann, ob verheiratet oder zölibatär, sollte Priester werden dürfen. Aber ich verstehe auch die Angst der Verantwortlichen vor einer Kirchenspaltung, wenn sie dies umsetzen.

Sehen Sie auch positive Aspekte in der enorm gewachsenen Kirchengemeinde?

Die einzelnen Pfarreien hatten sehr unterschiedliche Strukturen; in manchem blieb man dem Kirchturmdenken verhaftet. Aber ich habe auch erfahren, wie Mauern zwischen Gemeinden durchlässig geworden sind, wenn zum Beispiel Menschen aus anderen Pfarreien zum Gottesdienst kommen. Synergieeffekte gab es unter anderem bei der Betreuung der Kommunionkinder und Firmlinge, wo in einzelnen Pfarreien ehrenamtliche Katecheten fehlten.

Sie feiern Ihren Abschied am Sonntag in Nollingen. Wie verbunden sind Sie der dortigen Pfarrei?

In Nollingen war ich seit 1985 tätig. Dort hatte ich Raum für kreative Gestaltung und konnte mich ausgiebig um die Jugendarbeit kümmern. Das Patronatsfest St. Felix und Regula war immer ein herausragender Punkt im Jahr; deshalb war es für mich klar, meinen Abschied an diesem Fest zu feiern. Auch den Bewohnern des St. Josefshauses, wo ich 1983 meine erste eigenständige Stelle als Seelsorger antrat, fühle ich mich noch immer sehr verbunden und halte gelegentlich Gottesdienste. Im St. Josefshaus konnte ich mich in einem engagierten Team fast ganz der Seelsorge ohne Verwaltungsaufgaben widmen.