Die Entwicklung der Güterstraße nach im Masterplan und Bauforum erarbeiteten Zielsetzungen setzt zum Sprung in die städtebauliche Zukunft im Sanierungsgebiet Mitte an. Mit der Wobau Swiss GmbH steht ein neuer Grundstücksbesitzer als Investor bereit. In Abstimmung mit der Stadt hat er Pläne für einen Geschäfts-, Wohn- und Gewerbekomplex für rund 20 Millionen Euro als Planungsentwurf entwickelt. Der Neubau soll Innenstadt und Bahnhofsbereich vernetzen. Die architektonische Lösung sieht für die unbebauten Flächen einen Stufenkomplex vor, der an der höchsten Stelle 35 Meter in zehn Geschossen misst.

Damit das Projekt mit über 5000 Quadratmetern Nutzfläche zum Arbeiten, Einkaufen, Wohnen und Parken entstehen kann, muss zunächst der Gemeinderat einer Änderung des Bebauungsplans zustimmen und einem so genannten Letter of Intent zwischen Investor und Stadt – ein bei großen Projekten übliche Absichtserklärung, um die Ernsthaftigkeit der Partner zu dokumentieren – als verbindliche Arbeitsgrundlage. Parallel dazu soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gehen, um die Möglichkeiten einer geradlinigen Fußgängerunterführung von der Elsa-Brandström-Straße zum Bahnhof unter den Gleisen durch auszuloten. Die Verwaltungsspitze stellte das Projekt am Donnerstag im Vorfeld der Entscheidung des Gemeinderats in zwei Varianten vor.

Blick von Norden: Diese Variante erinnert in ihrer Form an das Hochrhein-Center.
Blick von Norden: Diese Variante erinnert in ihrer Form an das Hochrhein-Center.
Die Ausgangsbasis: Als „Herausforderung“ bezeichnete es Oberbürgermeister Klaus Eberhardt, zwischen dem heute unter Wert präsentierten Bahnhofsbereich und der Innenstadt eine attraktive Vernetzung zu schaffen. Mit dem Besitzerwechsel bei den brachliegenden Güterstraßen-Grundstücken im Anschluss an die Einkaufsmeile der Discounter eröffnet sich diese Chance. Die Nutzungskonzepte der vergangenen Jahre haben sich bekanntlich im Sande verlaufen (Parkdeck, Radiologiezentrum). Nach Masterplan und Bauform hält es die Verwaltungsspitze für wichtig, dass an dieser schwierigen Stelle endlich auch ein richtiges Projekt entsteht. Der Letter of Intent soll zur Qualitätssicherung beitragen, der Investor trägt für das Projekt auch die Verfahrenskosten, heißt es.

 

Die Perspektive: Die vergangenen Monate haben für Stadtplanerin Christiane Ripka und Architekt Winfried Kuhs, der das Wobau Swiss-Projekt entwickelt, gezeigt, dass sich ein städtebaulicher Durchbruch an dieser Stelle nicht auf der bestehenden Planungsgrundlage schaffen lässt. Die sah ein isoliertes Punkthaus in Insellösung vor und im Anschluss an die Discounter ein Parkdeck. Die neue Planung lässt sich von der Baulinie der Güterstraße mit Begrünung leiten und richtet sich an der geplanten neuen Fußgängerunterführung am Bahnhof aus. Die soll die Fußgänger nicht einzwängen, sondern ihnen das Gefühl geben, unter einer Brücke durchzugehen. Mehrere Entwurfsvarianten für einen Komplex wurden entwickelt, mit der Absicht auch einen neuen Orientierungspunkt zu schaffen.
Der zuvor in die Breite gehende Kubus Punkthaus lässt sich wegen der Unterführung nicht realisieren. Der Turm soll deshalb schmaler werden und dafür in die Höhe gehen. Zur Entscheidung im Gemeinderat stehen eine geschwungene und fließend gestaltete Lösung sowie ein Baukörper, der sich in seiner Architektursprache an den Typ Rathaus anlehnt. Die Verwaltungsspitze favorisiert das dynamische Modell.

 

Verkehr und Parken: Nicht weiterverfolgt wird die einstige Überlegung, an den Bahngleisen ein Park-und Ride-System zu installieren. OB Klaus Eberhardt befürchtet, dass dies zusätzlichen Verkehr anziehen würde. Die Option öffentliches Parken möchte er deshalb für die Bahnhof-Südseite angehen. Das wie ein großes Gelenk wirkende Stufenmodell der Wobau Swiss integriert Parken im Innern. Die etwa 110 Stellplätze (zugeschnitten auf den Bedarf der Nutzer) sind auf zwei Decks vorgesehen. Eine ursprünglich avisierte Tiefgarage lasse sich, wie Winfried Kuhs erklärte, wegen der Kosten von bis zu einer Million Euro für die Entsorgung der dioxinbelasteten Böden nicht realisieren. Die Fußverbindung von der Elsa-Brändström-Straße zum Bahnhof direkt am Punkthaus vorbei betrachtet der Planer als „bedeutenden Qualitätssprung für das Gebäude“. Sie ermögliche in einer Zone für Fußgänger auch Läden. Die Trennung von Weg und Straße wird im Entwurf konsequent umgesetzt und die abknickende Güterstraße in der Weiterführung zur alten Landstraße deshalb mit überbaut. Der Turm mit multifunktionaler Nutzung führt die städtebauliche Kante weiter und soll auch von Schweizer Seite aus erkennbar sein.

 

Die Nutzung: Kuhs Entwurf sieht Verkaufsflächen um die 1600 Quadratmeter und über 3000 Quadratmeter Büroflächen vor sowie Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen. Das Interesse am Standort erklärt Kuhs für hoch. Für alle Gewerbebereiche bestehen Interesse und Nachfrage. Im Gespräch sind für die Ladenpassage Alnatura und der Textilmarkt Charles Vögele.