Herr Hellmich, in diesem Jahr waren alle Plätze der Leinegg bereits nach 72 Stunden belegt. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Wir waren selbst überwältigt von dem großen Andrang auf das Sommerlager. In den vergangenen Jahren verlief das Anmeldeverfahren eher schleppend. Werbung, Flyer und Plakate sind normalerweise ein wichtiger Bestandteil unserer Planung. Dieses Jahr war jedoch keiner dieser Punkte nötig. Ein Grund war sicher, dass wir 2018 ein Lager ohne größere Komplikationen und super Wetter hatten. Damals waren auch viele Geschwister dabei, die diesen Sommer Verwandte mitbringen und ihre Freunde begeistern. Zwei Drittel der Teilnehmer sind außerdem schon zum wiederholten Male dabei. Eine Veränderung hat das Anmeldeverfahren ebenfalls beschleunigt: Ab diesem Jahr geht das nur noch online, was für die Eltern und uns einiges erleichtert.

Im Dezember 2016 verlieh die Bürgerstiftung dem Leinegg-Team den Bürgerpreis für sein ehrenamtliches Engagement. In welchen Bereichen finden Sie für Preisgelder wie dieses Verwendung?

In erster Linie haben wir das Geld für Neuanschaffungen wie neue Jurten und Zelte sowie sämtliche Gegenstände, die für ein Lager in dieser Größe notwendig sind, verwendet. Das sind zum Beispiel Küchenutensilien, Spielsachen für die Kinder oder Material zum Ausbau des unter Leineggern berühmt-berüchtigten „TÜD-Kellers“ unseres technischen Überwachungsdienstes (lacht).

Wie oft trifft sich das Leiterteam der Leinegg denn zur Vorbereitung, und was muss im Rahmen der Organisation getan werden?

Die Planung wird vom gesamten Leiterteam gemeinsam getragen. Mit unserem dreißigköpfigen Team treffen wir uns dazu etwa fünf Mal für jeweils ein Wochenende vor dem Sommerlager. Dann werden Aufgaben verteilt, Spiele geplant und Fortbildungen sowie notwendige Kurse wie beispielsweise ein Erste-Hilfe-Outdoor-Kurs absolviert. Natürlich ist das bei einem so großen Team nicht immer einfach, da viele von uns an verschiedenen Orten eine Ausbildung machen oder studieren. Ob Innsbruck, Magdeburg, Berlin oder Tübingen, unseren Leineggern ist meist zum Glück kein Weg zu weit, um an den Vorbereitungen teilzuhaben. Das hat für uns nicht nur mit strenger Organisation zu tun, sondern auch mit jeder Menge Spaß.

Wie setzt sich das Leiterteam zusammen?

Unser Team lässt sich in viele verschiedene Aufgabenbereiche unterteilen. Grob gegliedert wird in Gruppenleiter, Küchenteam und technischen Überwachungsdienst (TÜD), welcher sich zum Beispiel darum kümmert, dass wir immer genügend Strom und Wasser zur Verfügung haben. Auch die Lagerbauten, die sich in jedem Jahr thematisch an unser Motto anlehnen, werden vom TÜD angefertigt. Ebenso werden jedes Jahr Nachwuchsleiter ins Team aufgenommen, unsere „Tramigos“, die auf dem Lager die verschiedenen Aufgabenbereiche des Leiterteams kennenlernen. Zu guter Letzt sind wir als Lagerleitung für die Planung im Voraus verantwortlich und zugleich Ansprechpartner für Eltern, Kinder und unseren Träger. Aber egal welche Aufgabe man schlussendlich hat: Jedes Teammitglied trägt dazu bei, dass am Ende ein solches Lager überhaupt funktionieren kann.

Was macht die Leinegg so besonders?

In den zwei Wochen auf der Leinegg kann jeder von uns, ob Kind oder Leiter, sich vom Alltag zurücklehnen. Durch die ständige Bewegung in der Natur und die riesige Gemeinschaft um uns herum wird uns nie langweilig. Dadurch, dass wir ohne Handy und Internet auskommen, kann man komplett „abschalten“ und sich auf das Leineggleben einlassen. Ich kann dieses Gefühl gar nicht richtig beschreiben, aber wer schon einmal auf der Leinegg war, kennt es. Man muss einfach dabei sein, um zu sehen, wie gut zwei Wochen mit besonderen Menschen tun können.

Viele Teilnehmer und Leiter erzählen, dass sie nach dem Lager ins sogenannte „Leineggloch“ fallen. Was ist das?

Das „Leineggloch“ entsteht direkt nach der Leinegg. Ich sitze dann zu Hause, ohne meine Gruppenkinder oder Leineggfreunde und bekomme Fernweh und vermisse den Trubel des Lagerlebens, die sternenklaren Nächte und die erlebten Tage. Oft hilft es aber nicht, Trübsal zu blasen, denn auch nach dem Lager gibt es noch jede Menge zu tun. Das Gute ist also: Nach der Leinegg ist vor der Leinegg.

Fragen: Anna Uhlmann
Tom Hellmich von der Lagerleitung.
Tom Hellmich von der Lagerleitung. | Bild: Anna Uhlmann