Kirchenmusik ist längst mehr als Orgelspiel und Chorgesang zu besonderen Gottesdiensten. Rainer Marbach hat in 27 Jahren die Bandbreite zuerst als Kantor und inzwischen als von der Landeskirche bestellter Kirchenmusikdirektor des Bezirks den kulturellen Spielraum kräftig ausgestaltet. Die gute Entwicklung war dabei keineswegs vorgezeichnet. Sie ist mit den Jahren gewachsen mit einem Programm, das sich mit der Kirche weit geöffnet hat.

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Zweimal monatlich findet die Musik zur Marktzeit am Samstag in der Christuskirche ihr Publikum. Das wechselt wie die Interpreten. Längst ist das halbstündige Programm keine ausschließliche „Stunde der Kirchenmusik“ mehr. Es geht heute recht kunterbunt zu, freut sich Marbach. Jazz, Kammermusik, und keinesfalls nur Orgel sind geboten und „jeder bringt sein Publikum mit“. Das Big Sound Orchestra gehört heute zum festen Bestandteil der Interpreten.

Kein Honorar für Musik zur Marktzeit

Die Organisation für dieses Format liegt beim Förderkreis für Kirchenmusik. Was die Zuhörer als Kollekte liegen lassen, ist unterschiedlich. Marbach sieht es so: „Die guten Einnahmen finanzieren die weniger Guten.“ Wer zur Marktzeit musiziert, erhält kein Honorar, sondern lediglich eine „Nettigkeit“, wie Marbach eine Aufwandsentschädigung nennt. Unter dem Strich erweisen sich die Konzerte „immer defizitär“.

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Aber im Etat für Kirchenmusik spielt sich noch viel mehr ab. Dazu gehört auch die Reihe Kultur-Punkt-Kirche, wie das Konzert mit den Zürcher Vokalisten am vergangenen Samstag. Dieses Abendformat steht unter dem Aspekt der offenen Kirche. Für Marbach ist es deshalb wichtig, dass alle Kulturschaffenden zu einem Auftritt angesprochen sind. In der Christuskirche darf auch Theater gespielt werden, Lesungen und Ausstellungen sind ebenso möglich. Die Interpreten bezahlen keine Miete. Die Stadtmusik und das Fest der Chöre waren bereits in der Kirche zu hören. Marbach freut sich, dass diese Kulturarbeit im Konsens mit dem Pfarrer möglich ist, auch wenn es nicht primär um geistliche Musik geht.

Musik hat hohen Stellenwert

Die hat dennoch einen hohen Stellenwert. Vorneweg nennt Marbach die evangelische Kantorei, die längst „Strahlkraft über Rheinfelden“ hinaus hat. Ihr Podium ist zunächst der Gottesdienst. In diesem Jahr ist sie mit Passionsmusik in der Reihe Kultur-Punkt-Kirche mit Heinrich Schütz „Die sieben Worte unseres Erlösers am Kreuz“ zu hören mit Christina Meißner am Cello. Und Marbach plant mit der Kantorei schon für Weihnachten. Bachs Oratorium steht auf dem Programm und als weiteres Großprojekt im Jahr darauf Händels Messias. Zur Stärkung des Klangkörpers sind nach einigen Abgängen Männerstimmen gesucht. Momentan zählt die Kantorei um die 40 Mitwirkende, Marbach würde sich bis zu 60 Sänger wünschen.

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Neben der Kantorei bildet der Chor Young Voices ein Aufgabengebiet. Im Rahmen der Kirchenmusik hat sich inzwischen auch eine Singschule gebildet mit Pfarrerin Firsching für die ganz Kleinen und einer Gruppe älterer Kinder, „Goldkehlchen“ genannt, die beide in Familiengottesdiensten ihren Wirkungskreis haben. Zu den weiteren Plänen gehört im Zusammenspiel mit der Musikschule eine Singschule zu etablieren, um im Sommer ein Musical aufzuführen.