Rheinfelden – Seit zwei Jahren gibt es in der Metzgergrube den öffentlichen Gemeinschaftsgarten, seit diesem Jahr hat er einen Namen: Stadtgärtle. Die Idee dazu entwickelte die Stadtverwaltung nach der Teilnahme an der Entente Florale, welche auf die Grün 07 folgte. Rund 30 Bewohner der Stadt zwischen drei und 83 Jahren pflegen Kisten, Hochbeete und Parzellen, tragen stolz Tomaten, Bohnen, Kräuter und Blumen heim. Den Blick über das alles behält Gärtnermeister Joachim Schlageter.

Ausgerechnet die kleinsten Gärtner vom Kindergarten St. Michael, haben die größten Produkte. Im Gras leuchten mehrere 30 Kilo schwere Kürbisse, die Sonnenblume am Rand wurde 3,50 Meter hoch und musste durch ein hölzernes Ruder stabilisiert werden. Hier lernen schon die Jüngsten, dass die Nahrung nicht im Supermarkt entsteht. „Der Mensch entfernt sich immer mehr von der Natur“, meint Schlageter und freut sich über jeden, der sich diesem Trend entgegen stellt. Der jüngste Gärtner mit eigenem Beet ist der zwölfjährige Louis, der Senior ist der 83-jährige Arnold, der auch nach der roten Freizeitkiste schaut. „Für das Urban Gardening interessieren sich Menschen in jedem Alter“, informiert Schlageter, so sind die Kinder des Kindergartens mit dabei und Schüler der Karl-Rolfus-Schule Herten. Der sechsjährige Tom und der kleine Luc helfen ihren fleißigen Müttern und viele Mitglieder finden hier ihren Ausgleich zum Berufsalltag.

In Mischkulturen werden Pflanzen so angeordnet, dass sie sich gegenseitig ergänzen und auf den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden verzichtet werden kann. Da leuchten Blumen neben Kräutern, großer Kohl wetteifert mit langen Gurken, Mangold wartet darauf, geerntet zu werden. „Dieses Jahr hatten wir viele Tomaten, rote, gelbe und grüne, die haben alle sehr gut geschmeckt“, meinte Maritta Markoni. Im Sommer müssen die Hobbygärtner oft nach ihren Pflanzen sehen, doch die Gemeinschaft im Stadtgärtle hilft sich gegenseitig. Die im vorigen Herbst gesetzten Sträucher haben Paten, die sich um sie kümmern. „Wir haben aufgeteilt, wer welches Ende pflegt und das funktioniert gut“, erläuterte Schlageter. Am vorderen Rand wachsen Herkuleskeule und grüne Kalebassen, die nicht zum Essen sondern getrocknet als Deko-Kürbisse geeignet sind.

Im Stadtgärtle sollen Pflanzen, nützliche Tiere und der Mensch in Einklang gebracht werden. Schlageter hilft den Ratsuchenden die natürlichen Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und umzusetzen, mit der Natur und nicht gegen die Natur zu handeln. Noch in diesem Herbst werden die Trockenmauern der Ziegelhochbeete bepflanzt, damit sich in den Wänden Nützlinge ansiedeln können. Dazu gehören Schmetterlinge, Schwebfliegen, Marienkäfer und Bienen, die neben dem Stadtgärtle von Imkern in eigens gebauten Bienenbeuten gepflegt werden. Asylbewerber sollen sich beteiligen können übers Internet, erklärt Schlageter seine Anwesenheit hier, und er beantwortet Fragen.

„Samstag ist erstaunlicherweise nicht der Gartentag, jeder kommt dann, wann er Zeit hat“, berichtet Schlageter. Mittlerweile gibt es einige gemütliche grüne Ecken. „Es ist uns ein Anliegen, dass sich die Menschen hier wohl fühlen.“ In jüngster Zeit aber gab es ein paar Probleme. Im Stadtgärtle wurde bewusst keine Feuerstelle angelegt, es gibt einen Pizzaofen für gemeinsame Aktionen. Doch die Beine des schönen runden Tisches beim Pizzaofen, die Schilfmatte zur Abdeckung der Wassertonne und andere Materialien wurden Opfer eines Feuers betrunkener Jugendlicher. „Unser Gemütlichkeitsfaktor wird auch missbraucht, aber davon lassen wir uns nicht entmutigen, wir machen weiter“, so Schlageter. Manchmal fehlen auch einige Kohlköpfe, doch das können die Gärtner verkraften. „Wenn unsere Pflanzen herausgerissen und weggeworfen werden, ist das schlimmer für uns“, meint Arnold düster.

Das nächste Projekt für die Gruppe ist die Einbindung von Asylbewerbern, die in der Anschlussunterbringung sind und schon etwas Deutsch können. Die Nutzer selbst angebauter Produkte möchten ihre Erfolge und schönen Stunden im Stadtgärtle mit denjenigen teilen, die ihre Wege in der neuen Heimat noch suchen.

Termin: Am Samstag, 7. Oktober, findet auf dem Areal der Metzgergrube ein Kürbissuppenfest statt.