Zum dritten Mal hat der Bildungs- und Kulturverein das Ensemble „Halber Apfel“, eine deutsch-türkische Theatergruppe, eingeladen. Man wolle eine Plattform für Begegnungen schaffen, auf der Menschen unterschiedlicher Herkunft Austausch pflegen können, sagte Vorsitzender Mehmet Kilic. So könnten Vorurteile und Ängste abgebaut werden.

Auch Bürgermeisterin Diana Stöcker freute sich, dass wieder ein Theaterstück um die Familie Öztürk in Rheinfelden zu erleben ist, denn schon in den vorigen beiden Gastspielen habe es „viele humorvolle Szenen, aber auch ernsthafte Denkanstöße“ gegeben. Auch die neue Komödie hat der Ensembleleiter und Autor Murat Isboga geschrieben, der in unnachahmlicher Art den Familienvater Ali Öztürk als temperamentvollen Patriarchen spielt.

Auf der Bühne sieht man zwei Sofas, zwei Wohnzimmer, stellvertretend für die beiden Familien. Auf dem roten Sofa versammelt sich die türkischstämmige Familie Öztürk, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt. Vater Ali und Mutter Halime (Gül Yilmaz) erwarten ihren Sohn Hakan zurück, auf den sie sehr stolz sind.

Er hat einen guten Job, hat für seine Firma zwei Jahre lang eine Filiale in der Türkei geleitet. Yasin Arif Uzun, smart mit modischer Hipsterfrisur, spielt den jungen Mann sympathisch und überzeugend. Bei der Rückkehr eröffnet er seinen Eltern, dass er heiraten will: „Sie heißt Nina und ist Deutsche.“

Kennengelernt hat er sie in Istanbul, wo sie ein Auslandssemester absolviert hat. Papa Ali ist erst mal nicht begeistert, er findet, es gebe einfach zu viele Unterschiede zwischen Deutschen und Türken, allein schon beim Essen. Bei den Türken wolle jeder den anderen einen ausgeben, bei den Deutschen zahle jeder getrennt… Außerdem wolle er auf Besuch bei Sohn und Schwiegertochter türkische Bohnensuppe und keinen Schweinehackbraten.

Auch Nina, lebhaft und natürlich gespielt von Melisa Gündüz, stößt bei ihrer Mutter (Cansu Karagöz) auf hartnäckige Ressentiments. Die geschiedene Polizistin will ihrer Tochter die Heirat ausreden. In Monologen, zum Publikum gewandt, erzählt diese, wie sie Hakan in einem Café in Istanbul getroffen hat, wie er sie unterstützt hat und wie aus Freundschaft mehr geworden ist.

Als Nina bei den Öztürks auftaucht, Vater Ali sie ein „sehr mutiges Mädchen“ nennt und Hakan sich bei seiner künftigen Schwiegermutter vorstellt, bröckeln die Mauern in den Köpfen und die Missverständnisse immer mehr. Für komödiantische, witzige und humorvolle Szenen und herzhafte Lacher sorgt nicht nur Murat Isboga mit seiner umwerfenden Bühnenpräsenz, sondern auch Abdul Muttalif Erduran als „Onkel“ Sükrü, der davon träumt, bei „Deutschland sucht den Superstar“ aufzutreten.

Mit großem Vergnügen verfolgten die Zuschauer, wie sich die ganze Familie Öztürk gespannt, mit Blumenstrauß und Süßigkeiten, zum ersten Besuch bei Ninas Mutter aufmacht. „Mit Schuhen in die Wohnung?“ – das ist für die Öztürks die erste Überraschung. „Ihr seid ja eine lustige Familie“, findet Mutter Ute nach dem Treffen: „Ich mag diese Türken.“ Am Ende tanzen alle auf der Bühne ausgelassen.

Bildungs-/Kulturverein

Im Jahr 2002 haben Familien aus der Region und Jungakademiker mit Migrationshintergrund das „Rhein Bildungszentrum e.V.“ gegründet. Der Verein hat sich nach eigenem Bekunden die Bildung, Sprachförderung, Erziehung- und Familienförderung sowie der interkulturelle Austausch auf die Fahnen geschrieben.