Städtebaulich bewegt sich in beiden Rheinfelden einiges. Während sich auf badischer Seite Bahnhofsareal und Innenstadtbereich verändern, gerät auf der schweizerischen Seite der Brückenkopf mit prägender Altstadtansicht durch ein Großprojekt der Schützen AG in die Diskussion. In einem Architektenwettbewerb hat sich ein Entwurf herauskristallisiert, der das Hotel Schiff ersetzen soll und zwei weitere anschließende Altstadthäuser. Für das 20 Millionen-Franken-Projekt besteht der Anspruch, sich respektvoll ins geschützte Bild einzufügen und dennoch ein zeitgenössisches Hotel und Klinik zu bauen.

Der Umstrukturierungsprozess vollzieht sich nicht auf die Schnelle, sondern dauert mehr als vier Jahre. Er hängt von zwei grundsätzlichen Faktoren ab. Dies verdeutlichte Chris Leemann, Vizepräsident im Verwaltungsrat der Schützen Immobilien AG, am Montag bei der Vorstellung der Wettbewerbsergebnisse. Für beide Schützen-Unternehmen geht es darum, an mehreren Standorten Objekten (Hotel und Klinik) zu modernisieren. In diesem Prozess spielt das Hotel Schiff direkt am Rhein und somit erstes Haus am Platz eine wichtige Rolle, denn für den Bau aus den 1970er Jahren, der zuvor merhfach saniert wurde, besteht Handlungsbedarf. Den wollen die Investoren zukunftsweisend umsetzen und sich von dem Gebäude, das als „Fremdkörper“ gilt, im dominierenden Eingangsbereich der Stadt trennen.

Nach Einschätzung der Fachleute füge sich das Schiff optisch nicht in die historische Altstadt ein. Auch zwei weitere Altstadthäuser im Anschluss sollen abgerissen werden, um den Preisträgerentwurf des Basler Architekturbüros Miller & Maranta zu realisieren. Der politische Prozess beginnt gerade, aber die Stadt ist als Mitglied der Fachjury bereits am Verfahren beteiligt. Stadtammann Franco Mazzi und Bauamtschef Urs Afolter betonten die besondere denkmalschützerische Herausforderung, im „national geschützten Ortsbild“ der Zähringerstadt in Kooperation mit dem Investor eine „höhere Qualität zu schaffen“. Für die Stadt ist es wichtigt, beteiligt zu sein, denn, so Mazzi, schließlich sei der Ort „auf jeder zweiten Foto Sujet“. Angesichts der Bedeutung ist auch der Denkmalschutz Aargau bereits eingebunden.

Sechs renommierte Büros aus der gesamten Schweiz haben sich mit der Altstadtstruktur auseinandergesetzt, den mittelalterlichen Dach- und Gebäudeansichten, um einen „respektvollen Umgang“ zu finden mit der geschützten Bausubstanz und historischen Stadtansicht. Der frühere Züricher Stadtbaumeister und Vorsitzende der Jury, Peter Ess, sprach von „fragiler Balance“, in dem kleinstrukturierten Ensemble in besonderen Situation für den Neubau andere Funktion und Dimensionen zu finden. Alle Büros haben die kleinteilige Baustruktur ihrer Planung zugrunde gelegt. Am meisten überzeugt hat die Arbeit nach Darstellung des Juryvorsitzenden des Büros Miller & Maranta. Seine Konzeption greift auf die Anfänge der Hotellerie-Baus im 19. Jahrhundert zurück. Beispiele für die zusammenhängende große Dachfläche mit Gauben finden sich auch an anderer Stelle der Altstadt etwa beim Elsässer Haus.

„Man sieht ein Gebäude, aber es sind eigentlich drei“, so Ess, der auch die Bezugspunkte zu Straßenverlauf und Brückenanschluss für schlüssig hält und die „schönen Proportionen“ des in der Fassade gestaffelten Baukörpers auch noch nach 50 Jahren als wertig bezeichnet.

Als „Auszeichnung für den Brückenkopf“ bezeichnet Quintus Miller den Entwurf, der auch als Bauwerk für die Öffentlichkeit eine Funktion erfüllen soll mit einem gastronomischen Betrieb zur Marktgasse hin und einer Terrasse zum Rhein. Das Gebäude tritt mit glatter Fassade in Erscheinung. Der CEO der Schützen AG, Samuel Rom, zeigt sich überzeugt, dass ein „Bijou“ entstehen wird. Das Modell wird am 29. Juni öffentlich diskutiert.