Die Umweltbelastung des Hochrheins wird unter dem Mikroskop gut sichtbar. Der Hobbybiologe Wolfgang Schiller hat im Rhein Mikroplastik gefunden. Das Problem ist Behörden und Umweltschutzorganisationen bekannt und wird untersucht.

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Eigentlich Experte für Kleinstinsekten

„Spülsäume interessieren mich“, sagt Wolfgang Schiller, der sich als Hobbybiologie eigentlich für Kleinstinsekten interessiert. Beim Spaziergang am Rhein sprang ihm bei den Steinstufen in Rheinfelden/Schweiz etwas anderes ins Auge. „Da war von einem Minihochwasser ein dunkler Spülsaum. Ich habe mir den angeschaut, graue Sandkörner, schwarzbraunes Sediment, Geschwemmsel aus Pflanzenresten und kleine, weiße Partikel waren darin.“ Der Grenzach-Wyhlener packte das Sediment in eine Filmdose.

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Etwa ein Millimeter große Plastikfragmente

Daheim schaute er sich die Probe unter dem Mikroskop an. „Es sieht aus wie Miniaturplastikteile. Die größten Teile waren etwa ein Millimeter große Plastikfragmente“, erklärt Schiller. Per Definition spricht man unter einer Größe von fünf Millimetern von Mikroplastik.

In der Petrischale wird die Mikroplastik deutlich sichtbar.
In der Petrischale wird die Mikroplastik deutlich sichtbar. | Bild: Horatio Gollin

Zerrieben wie unter Mühlsteinen

„Was da gerade noch sichtbar ist, stammt sicherlich vom üblichen Littering“, meint Schiller. „Das gelangt über Bäche in den Rhein und wird durch das Geschiebe zerrieben wie unter Mühlsteinen.“ Als andere Quellen vermutet er Reifenabrieb, Kleiderfasern und Kosmetika. In das Thema hat er sich eingelesen und entdeckt, dass schon 2014 eine Publikation zur Verschmutzung der europäischen Flüsse veröffentlicht wurde und zahlreiche Studien sich mit der Thematik beschäftigen.

Keine Bedrohung für die Gesundheit

„Aktuell heißt es, dass es nicht gesundheitsbedrohend sei. Aber es ist in der Nahrungskette und jetzt sind wir soweit, dass man es überall nachweisen kann. Kann man dann in zehn Jahren immer noch sagen, es hat keine gesundheitlichen Auswirkungen?“, fragt sich Schiller. „Die Plastikwelle holt uns ein.“

Das Landratsamt hat keine Daten

Das Landratsamt teilt mit, dass es keinerlei Daten habe. Pressesprecherin Mai-Kim Lâm verweist auf die Landesanstalt für Umwelt in Karlsruhe, wo sich auf der Webseite ein Bericht zu Mikroplastik in Binnengewässern findet. Dort heißt es zur Untersuchung von 25 Flüssen im Einzugsgebiet von Rhein und Donau: „Höhere Partikelkonzentrationen wurden vor allem in kleineren und mittleren Nebengewässern gemessen.

Makroplastik ist kaum zu finden

Im größten untersuchten Gewässer, dem Rhein, wurden eher niedrige bis mittlere Konzentrationen gefunden, was vor allem damit zu tun haben dürfte, dass durch das größere Wasservolumen eine stärkere Vermischung und damit Abnahme der Partikelkonzentration folgt.“ In dem Bericht wird festgestellt: „Zentrales Ergebnis ist, dass in den untersuchten Gewässern Bodensee, Hochrhein und südlicher Oberrhein Mikroplastik zu finden ist. Makroplastik dagegen kaum.“

Höchster Gesamtgehalt bei Messstelle in Grenzach-Wyhlen

Bei der Messstelle Grenzach-Wyhlen wurde der höchste Gesamtgehalt mit 20,8 Partikeln pro Kubikmeter der sechs Messstellen auf dem Rheinabschnitt gemessen sowie ein extrem hoher Faseranteil. „Lediglich im Rhein bei Grenzach-Wyhlen vor Basel wurden in der Verteilung der Polymertypen und der Partikelformen deutliche Unterschiede zu den anderen Messstellen des Rheins festgestellt. Dies könnte möglicherweise auf einen gewissen punktuellen, industriellen Einfluss hindeuten“, heißt es in dem Bericht. Bei den Nebengewässer Kinzig, Kriegbach und Kraichbach liegt der Gesamtgehalt sogar zwischen 39,6 bis 42,9 Partikeln pro Kubikmeter.

Wenn‘s ums Bauen geht, ist der BUND im Boot

Wenn es um Bauen am Gewässer geht, ist auch der Bund für Umwelt und Naturschutz mit im Boot. „Da ist es immer Thema, was man in den Sedimenten findet“, erklärt Ulrich Faigle, Geschäftsführer des BUND Hochrhein. Da geht es um Schwermetalle und andere Belastungen, aber auch um Plastikreste. Faigle ist nicht bekannt, dass eine Behörde die Mikroplastikbelastung überwachen würde, wohl aber Universitäten sich vermehrt des Themas annehmen und in diese Richtung forschen.

Aufwändige Laboruntersuchungen

Eine Überwachung kann der BUND nicht leisten, dies wäre mit aufwändigen Laboruntersuchungen verbunden. „Bei Neubauten an Gewässern wird uns das Thema in Zukunft kalt erwischen, wenn es darum geht, wie man den Aushub entsorgt“, meint Faigle, denn über Kleinstlebewesen wie Krebse und Insekten gelange Mikroplastik in die Nahrungskette.

Die Forschung steht noch am Anfang

„Mir ist das einfach aufgefallen“, sagt Schiller. „Ich meine nicht, einen Umweltskandal entdeckt zu haben, aber es ist schon speziell, dass Mikroplastik schon nachweisbar ist.“ Das Thema ist bekannt, Lösungen gibt es dafür nicht, schätzt er die Situation ein. In der Mitteilung der Landesanstalt heißt es: „Die Forschung zu Mikroplastik in der Umwelt und möglichen Folgen steht noch am Anfang, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung.“ Bis zum Jahr 2021 fördert das Bundesforschungsministerium den Schwerpunkt „Plastik in der Umwelt“, um Vermeidungsstrategien zu entwickeln.