Der erste Gruß der Besucher des Hamburger Fischmarkts aus dem hohen Norden ist ein leichter Geruch nach Fischbrötchen vermischt mit dem unverwechselbaren Duft eines Holzkohlegrills. Als zweites wird das Gehör angesprochen.

„Er hat kein Geld, sagt er“, tönt durch die Lautsprecher die Stimme von Käse-Rudi. Gespielt entrüstet ergänzt er: „Hier kommen Erwachsene Menschen vorbei und sagen, sie hätten kein Geld.“ Sein Platz ist direkt hinter dem riesigen, aufblasbaren Tor zum Hamburger Fischmarkt auf Tour, das allerdings ein wenig fehl am Platz wirkt, da die meisten Besucher aus einer anderen Richtung auf den Friedrichplatz strömen.

Freche Sprüche von Wurst-Herby und Aal-Hinnerk

Bei dem tollen Wetter zieht es viele Menschen zu dem Event, auch wenn einigen anzusehen ist, dass sie mit der frechen Art von Aal-Hinnerk, Wurst-Herby und Kollegen erst warm werden müssen. „Es ist halt nicht gerade die typisch badische Art,“ sagt eine Frau scherzhaft zu ihrem Mann, doch das macht die Herren mit dem losen Mundwerk gerade so interessant.

Vielleicht ist die typisch badische Art auch der Grund, warum sich niemand gefunden hat, der an der Aktion „Nachwuchs-Marktschreien“ teilnehmen wollte. „Das ist schade,“ bedauern die Macher, „doch mehr als anbieten können wir es nicht.“

Schreiend die Waren anbieten – wie Wurst-Herby – wollte keiner der Besucher.
Schreiend die Waren anbieten – wie Wurst-Herby – wollte keiner der Besucher. | Bild: Leony Stabla

Auch im letzten Jahr gab es kaum Interesse an den angebotenen Wettbewerben. Die meisten Besucher, die sich das Treiben erst von weitem ansehen, finden sich früher oder später an den Ständen wieder und kaufen doch Milka-Kekse oder eine Tüte von Wurst-Herby für 20 Euro, die vollgepackt ist mit lauter Leckereien – zumindest so lange, bis einer der Interessierten sagt, dass er das nicht kaufe, denn es sei ihm zu viel. „Zu viel? Gut, dann nehme ich eben zwei Würste raus,“ kontert Herby flapsig und hat die Lacher der Umstehenden auf seiner Seite.

Lockere Atmosphäre kommt gut an

Nudel-Kiri wirft gerade einer Frau drei Päckchen Nudeln zu. Sie fängt sie und weiß erst nicht so recht, was sie nun damit machen soll. „Ein Geschenk für eine schöne Frau,“ sagt er und sie strahlt. Geizig sind sie nicht, weder mit Waren, noch mit Komplimenten. „Die wissen ja auch, wer das Haushaltsgeld verwaltet,“ sagt die Frau lachend zu ihrer Freundin und verstaut die Nudeln in ihrer Handtasche. Geld, das sich auch hervorragend auf dem angeschlossenen Warenmarkt ausgeben lässt.

Korb- und Lederwaren, Schmuck, Spielzeug und allerlei Naschwerk gibt es hier zu erstehen. Auch wenn die Auswahl und Menge der Stände nicht jeden Besucher überzeugt. „Waren das letztes Jahr nicht mehr?,“ ist eine der Frage, die häufig zu hören ist.

Die lockere Atmosphäre lässt die Besucher ihren Aufenthalt aber richtig genießen, das ist gut zu sehen und so lässt sich ein Mancher hinreißen, doch noch etwas länger zu bleiben als ursprünglich geplant, das Kind noch eine Runde mehr auf dem Karussell fahren zu lassen, ein Bierchen mehr zu trinken und noch etwas Sonne zu tanken.