34 Jahre ist der Angeklagte alt, fast die Hälfte seines Lebens, nämlich 16 Jahre, hat er im Gefängnis verbracht. Im Mai war er für zwei Tage in Freiheit und hat gleich wieder neue Einbruchsdiebstähle begangen. Deshalb sitzt er wieder im Gefängnis. Jetzt wurde er deswegen zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt – natürlich ohne Bewährung.

Der 34-Jährige ist Russlanddeutscher und stammt aus Kasachstan. Seit 1995 lebt er in Deutschland, 2000 wurde er als 16-Jähriger zum ersten Mal verurteilt, schon da wegen einer ellenlangen Liste von Diebstählen sowie wegen Körperverletzung und Bedrohung. Später kamen Raub, zahlreiche Einbrüche und Drogendelikte hinzu.

Er bricht die Schule ab

Er hat die Goetheschule besucht, aber abgebrochen, einen Beruf hat er nie gelernt, die einzigen Zeiten, in denen er gearbeitet hat, waren im Gefängnis. Seine Strafe hat er immer bis zum Ende abgesessen, eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung kam nicht in Frage. Immer wenn er draußen war, hat er Alkohol im Übermaß und alle möglichen illegalen Drogen konsumiert. Im Gerichtssaal sitzt er teilnahmslos da, als ginge ihn das alles gar nichts an. Er wirkt deprimiert und bleibt wortkarg, oft bekommt er gar nicht mit, dass man mit ihm redet. Wenn Zeugen aussagen, wendet er sich ab. Am 18. Mai ist er in der Schweiz aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er ebenfalls wegen Diebstählen einsaß, und wurde nach Deutschland abgeschoben. Bereits in der Nacht zum 19. Mai wurde er erwischt, wie er aus einem Getränkemarkt in Rheinfelden vier leere Kisten Cola gestohlen hat, um das Pfand einzulösen.

Täter dringt in Keller ein

Der Inhaber des Marktes wohnt auch dort, hörte in der Nacht den Lärm, rannte raus und traf den Dieb an, den die Polizei kurze Zeit später aufgriff. Da wurde er noch nicht verhaftet. Schon am nächsten Tag versuchte er in einen Keller einzubrechen, in den er eineinhalb Jahre vorher schon mal eingebrochen hatte. Der Keller gehört einem Polizeibeamten, der zwischenzeitlich die Kellertür besser gesichert hatte, so dass der Einbruch misslang. Also versuchte er es im Nachbarhaus. Auch hier war er schon einmal eingebrochen. Der Angeklagte gibt zu, die Kellertüren ohne Werkzeug nur mit Händen und Füßen aufgebrochen zu haben. Eine Zeugin sagt, sie habe Poltern und Scheppern im Haus gehört, und als sie aus dem Fenster schaute, sah sie einen Mann weglaufen. Es klirrte, weil der Mann eine Flasche Sekt, die er gestohlen hatte, fallen ließ, doch er sei seelenruhig weitergelaufen, sagt die Frau. Aus ihrem Keller hatte der Angeklagte eine Winterjacke gestohlen.

Im Nachbarkeller hat der Angeklagte vier Flaschen Sekt und eine weitere Damen-Winterjacke gestohlen. Die Jacken, sagt er, wollte er verkaufen. Die Frau, die Opfer des Einbruchsdiebstahls wurde, hat die Tat allerdings sehr belastet. „Das war ja schon das zweite Mal, ich traue mich kaum noch in den Keller“, sagt die 69-Jährige.

„Ich bin ratlos, was man mit Ihnen noch machen kann, um Sie wieder aufs richtige Gleis zu setzen“, sagt die Staatsanwältin zu dem Angeklagten. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Eine Strafaussetzung zur Bewährung kommt bei dieser Vorgeschichte nicht in Betracht. Das Gericht verhängte ein Jahr Freiheitsstrafe, der 34-Jährige bleibt im Gefängnis. Strafrichter Dietrich Bezzel sprach von einer „unendlichen Liste gleichgelagerter Straftaten und einer erschreckend hohen Rückfallgeschwindigkeit.“