Die Livebands vor dem Rathaus bildeten in den vergangenen zehn Jahren das Tüpfelchen auf dem „i“ beim Cityfest. Dieses Jahr bleibt es ruhig im Kastanienpark. Bei der Veranstaltung, die vom 26. bis 29. Mai wieder jede Menge Besucher in die Innenstadt locken soll, wird es erstmals kein Musikprogramm geben. Grund ist eine neue Preispolitik der Gema, der Gesellschaft, die die Urheberrechte von Musikschaffenden vertritt.

Vier Stunden Livemusik an drei Abenden – dafür musste Veranstalter Dieter Maier bislang zwischen 280 und 450 Euro berappen. Als ihm nach dem jüngsten Cityfest eine Gema-Rechnung über knapp 7000 Euro ins Haus flatterte, traute er seinen Augen nicht. „Mich hat fast der Schlag getroffen“, erzählt Maier und blättert durch den Aktenordner, der die Rechnung und den Schriftverkehr mit der Gema enthalt.

"Das ist Abzocke"

„Das ist Abzocke“, sagt Maier und betont, dass die Gema in seinen Augen zwar durchaus ihre Berechtigung habe, eine Gebührenerhöhung um 1700 Prozent jedoch unakzeptabel sei. „Das geht gar nicht!“ Doch wie kommt dieser extreme Preisunterschied zustande? Die Gema legt bei der Berechnung ihrer Gebühr die Veranstaltungsfläche zugrunde. Bisher waren dies beim Cityfest etwa 500 Quadratmeter, also der Platz rund um die Bühne. Nun soll Maier für die gesamte Innenstadt bezahlen – das entspricht 11 000 Quadratmetern.

Für Maier geht die Rechnung der Gema nicht auf: „Es kommen doch auch Leute zum Cityfest, die sich gar nicht für das Musikprogramm interessieren.“ Zum Beispiel Menschen, die an den Ständen essen und trinken, beim verkaufsoffenen Sonntag am 29. Mai shoppen oder die Fahrgeschäfte benutzen wollen. Die Karussellbetreiber müssen zusätzlich Gebühren bezahlen für die Musik vom Band, die sie im Hintergrund abspielen. Hier würde die Gema also doppelt abkassieren.

Dieter Maier und die Mitarbeiter seines Messe- und Veranstaltungsunternehmens in Herten haben in den vergangenen Monaten wiederholt versucht, mit der Gema auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Bis jetzt ohne Erfolg. „Wenn sich diese Preispolitik durchsetzt, wird es einen kulturellen Kahlschlag geben“, ist der Veranstalter überzeugt. Denn viele Vereine oder Gemeinden werden sich Veranstaltungen mit Livemusik nicht mehr leisten können. Maier hat Anwälte eingeschaltet und lässt es nach Rücksprache mit dem Gewerbeverein, der beim Cityfest als Mitveranstalter fungiert, notfalls auf einen Prozess ankommen. „Wir sind vorbereitet“, sagt er.

Für den begeisterten Musikfan ist die Entwicklung auch ein persönlicher Tiefschlag. Seit Jahren engagiert er die gleichen Bands für das Cityfest. „Für mich war das auch immer eine Zeitreise in meine Jugend.“ Für das kommende Cityfest haben Maier und seine Mitarbeiter ein paar Ideen, wie man die Abende dennoch interessant gestalten kann, außerdem will er verstärkt Werbung in der Schweiz machen. Oberstes Ziel bleibt: „Das Cityfest soll attraktiv bleiben.“ Auch ohne Musik.

So funktioniert die Gema, was abgekürzt Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte heißt.

Was macht die Gema überhaupt? Die Gema verwaltet die Musikrechte ihrer rund 70 000 Mitglieder, zu denen Komponisten, Texter und Verleger von Musikstücken gehören. Gegründet wurde die Gesellschaft mit Sitz in Berlin in ihrer jetzigen Form 1933. Zweck der Gema-Gebühren ist, dass Musikschaffende ähnlich wie Erfinder, die ein Patent besitzen, mit ihren veröffentlichten Werken Geld verdienen.

Wer muss an die Gema Gebühren zahlen? Jeder, der im öffentlichen Bereich Musik abspielt. Nicht nur Musikveranstalter, DJs und Diskothekenbesitzer, sondern Gastronome oder Einzelhändler, die im Hintergund Musik abspielen, sowie Unternehmen, die am Telefon eine Warteschleife mit Musik einrichten, sind Gema-pflichtig.

Muss ich auch bei meiner Geburtstagsparty zahlen? Nein, für die Musik auf einer Privatfeier in den eigenen vier Wändern sind keine Gebühren fällig.

Woher weiß Robbie Williams, dass auf einem Dorffest seine Lieder gespielt werden? Das weiß er nicht, aber der Veranstalter muss trotzdem Gema zahlen. Diese hat Partnerverträge mit ausländischen Musikverwertungsgesellschaften.

Wann ist Musik Gema-frei? Wenn der Verfasser sie kostenlos zugänglich macht oder wenn der Komponist länger als 70 Jahre tot ist. Für solche Musik hat die Gema keine Befugnis. (jsc)