Rheinfelden Gefeierte Grammy-Gewinnerin: Patricia Kopatchinskaja und ihre Klavierpartnerin Polina Leschenko beeindrucken bei den "Klassik Sternen Rheinfelden"

Die frischgebackene Grammy-Gewinnerin Patricia Kopatchinskaja setzt sich bei "Klassik Sternen Rheinfelden" für den Komponisten George Enescu ein.

Kurz nach ihrem sensationellen Musikpreis für die beste Kammermusik-Performance trat die in Bern lebende Ausnahmegeigerin Patricia Kopatchinskaja, die gern andere und neue Wege geht und das Publikum herausfordert, im Musiksaal des Kurbrunnens mit einem avancierten Programm auf, das sich „Impressions françaises“ nannte, aber nicht nur Violinsonaten von Debussy und Poulenc umfasste.

In den „Tre Pezzi“ von György Kurtág musste man die Ohren spitzen, um die teils aphoristische Musik auf den leeren Saiten der Geige mitzubekommen. Kopatchinskaja spielt mit einer inneren Intensität und Intimität diese kurzen Stücke, die bei ihr phantastisch und aufregend klingen: das erste („Öd und traurig“) monoton und mysteriös; das dritte („Aus der Ferne“) extrem langsam, ganz entfernt, kosmisch.

Wer noch kein Fan des faszinierenden rumänischen Komponisten George Enescu war, der wurde es an diesem Abend beim gut 20-minütigen Hauptwerk des Recitals, den „Impressions d’enfance“, Eindrücken aus der Kindheit. Enescu, der ein Wunderkind war, als Fünfjähriger schon komponierte, vergaß zeitlebens die Klänge der Kindheit nicht: Vogelstimmen, Grillen, rauschende Bäche, Wiegenlieder.

In „Fiedler“ porträtiert er sich mit schwierigen Violinpassagen selber. Kopatchinskaja hat die virtuose Bogentechnik drauf, die es hier braucht. Die moldawische Geigerin und ihre aufmerksame russische Klavierbegleiterin Polina Leschenko erwecken die Klangbilder („Wind im Schornstein“, „Der Vogel im Käfig“) zum Leben, weil sie ein wunderbares Gespür für die freien Rhythmen des in der rumänischen Folklore wurzelnden „Parlando-Rubato“ haben.

Hinreißend ist Kopatchinskajas agogisches Gespür für komplexe Rhythmen, klangliche Valeurs und die phänomenale Virtuosität Enescus. Sie erweist sich mit dieser Musik intim vertraut, lässt sich ebenso auf die Stimmungen wie auf die kindliche Empfindungswelt ein. Noch jetzt hallt ihr Vogelgezwischter nach. Ihre im rumänischen Melos verankerte Interpretation machte hörbar, dass diese Enescu-Suite in eine Reihe der besten Stücke aus der Kinderwelt (Schumann, Mussorgsky, Debussy) zu stellen ist.

Wer Enescu bisher nicht kannte, fand hier einen idealen Einstieg in die Musik dieses Lehrers von Yehudi Menuhin. Auch in der Zugabe wurde es nicht leichter, sondern schwieriger: in einem Satz aus der ersten Sonate des russisch-deutschen Neoklassizisten Alfred Schnittke. Das war wieder mutig und nur konsequent von Patricia Kopatchinskaja, ihre Zuhörer bis zum Schluss außerhalb der Wohlfühlzone zu belassen.

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