Das war ein schwerlich zu toppender Festivalauftakt mit hochkarätigen Klassikstars. Elektrisiert war das Publikum in der Stadtkirche im schweizerischen Rheinfelden beim ersten Konzert von den beiden Ausnahmekünstlerinnen Patricia Kopatchinskaja (Violine) und Festivalleiterin Sol Gabetta (Cello). Die Geigerin und Grammy-Gewinnerin zeigte sich in dem „kleinen Violinkonzert“ des jungen Felix Mendelssohn als wahre Hexenmeisterin mit dem Bogen.

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Ein Saitensturm fegte durch den finalen Kehraus. Ihr draufgängerischer Stil der rhythmischen Attacke und angriffigen Vitalität hat sich auf die von ihr geleitete Camerata Bern übertragen, die für vitale Darstellungen in dem neoklassizistischen Konzert von Igor Strawinsky und für ein expressives Furioso in dem Kammerkonzert von Alberto Ginastera sorgte. Expressivität und Intensität hoch zwei waren in dem von dem spanischen Komponisten Francisco Coll dirigierten rhythmisch kontrastreichen Doppelkonzert „Les Plaisirs Illuminés“ angesagt, in dem die prominenten Solistinnen im Doppelpack die Saiten zum Glühen brachten.

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Hochspannung auch beim lang ersehnten Auftritt der verehrten französischen Klavier-“Heiligen“ Hélène Grimaud. Ihr aktuelles konzeptuelles Programm ist im ersten Teil eine raffinierte Abfolge von Zugaben- und vielleicht Lieblingsstücken der Pianistin, die sie ohne Pause aneinanderreiht wie Perlen einer Kette und die sich vollkommen organisch entwickeln: Nahtloses Eintauchen in ein Wechselspiel von einem lyrischen Kurzstück zum anderen. Eine Kollektion von Klavierminiaturen von Chopin, Debussy bis Satie, keine Kleinigkeiten, sondern wundervolle Kleinode.

Traumverloren und entschleunigt

Mit Valentin Silvestrovs Bagatelle Nr. 1 beginnt Grimaud ihr Recital verhalten, traumverloren, entschleunigt. Schon diese Studie in Transzendenz zwingt die Zuhörer zur Ruhe, zur Kontemplation, zum Mitmeditieren. Je zwei „Gnossiennes“ und „Pièces froides“ von Satie erklingen überhaupt nicht kalt, „sec“ (trocken) oder lapidar, sondern blühen auf, werden mit Atmosphäre und Flair entfaltet. Das kann man auch über Grimauds Debussy-Spiel sagen, über „Clair de lune“ oder den langsamen Walzer „La plus que lente“: hochsensibles Spiel mit viel Pianissimo und leiser Melancholie.

Viel Interpretationswitz

Mehr äußere Bewegung hatte der zweite Teil mit Schumanns „Kreisleriana“ als Herzstück. Grimauds lustvoll-pointiertes Spiel hat Leuchtkraft und Nuancierung, kostet die innig-lyrischen wie humorvolle Momenten aus. Man folgt der charismatischen Pianistin gebannt, wenn sie mit viel Interpretationswitz die Staccattoketten und in der letzten der acht Kreisler-Fantasien mit der rechten Hand die hüpfenden punktierten Achtel setzt. Das war „französisch“ mit virtuoser spielerischer Leichtigkeit.