In Werkstätten entsteht Kreatives. Dabei muss nicht immer gehämmert und gesägt werden. Werkzeug ist aber meist im Spiel. Wir werfen in einer Serie einen Blick in verschiedene Werkstätten der Region und ist überrascht, was es alles zu finden gibt. Heute: Felix Maczkowski, Timo Steinegger und Joey Tomac überprüfen jährlich rund 900 Feuerwehrschläuche.

Der Schlauch, den Timo Steinegger gerade in Händen hält, darf noch eine Weile bei der Feuerwehr bleiben: Eine Prüfung hat zwar eine Schadstelle knapp unterhalb der Kupplung des Feuerwehrschlauchs ergeben und er muss gekürzt werden. Aber nicht unter 15 Meter, dann erst werden sie aussortiert.

Steinegger kappt den Schlauch knapp unterhalb des Lochs und spannt das abgeschnittene Schlauchende an der Werkbank ein, um den Sprengring der Kupplung zu lösen. Die Kupplung schraubt er auseinander, um sie zu versetzen. Steinegger zieht das erste Teil der Kupplung über den Schlauch und schüttet etwas Talkpulver in das neue Schlauchende, damit er das zweite Kupplungsteil leichter aufstecken kann. Mit dem Schlauchbindegerät wickelt er eng mehrere Lagen Draht um den Schlauch, um ihn auf der eingesteckten Kupplungshälfte zu fixieren. Die zwei Teile der Kupplung werden dann wieder verschraubt. Nach getaner Arbeit ist der Schlauch etwa 15 Zentimeter kürzer, aber wieder so gut wie neu.

Seit vielen Jahren der Feuerwehr treu

Steinegger ist einer der drei Schlauchwarte der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Nollingen, die die Schläuche aller Rheinfelder Feuerwehrabteilungen betreuen. Ihm zur Seite stehen Felix Maczkowski und Joey Tomac. Alle drei stammen aus Nollingen, Maczkowski wohnt aber in Degerfelden.

Mit der Nollinger Wehr sind sie schon einige Jahre verbunden. Maczkowski trat 2005 in die Jugendabteilung der Degerfelder Abteilung ein und wechselte ein Jahr später nach Nollingen. „Mein Großvater und mein Vater waren schon bei der Feuerwehr. Das war keine Frage, dass ich es nicht genauso machen würde“, erzählt Maczkowski.

2006 schlossen sich auch Steinegger und Tomac der Nollinger Jugendabteilung an, nachdem sie über die Projekttage ihrer Schule die Abteilungen kennen gelernt hatten. Die Aufgaben des Schlauchwarts übernahm Maczkowski dann 2014, Steinneger folgte 2015 und 2018 stieß Tomac dazu. „Nach Brandeinsätzen und Proben werden die Schläuche zu uns gebracht und mit neuen getauscht“, erklärt Maczkowski. Es werden nicht alle Schläuche eines Fahrzeugs gewechselt, die Kameraden werfen nur die benutzten Schläuche in zwei Rollwagen, die gefüllt zwischen 60 bis 65 Schläuche fassen.

Druckprüfung zeigt Schwachstellen auf

Die Wannen ziehen die Schlauchwarte zu einem 20 Meter langen Becken im Gerätehaus, das an den Schlauchturm anschließt. In dem Becken werden die Schläuche mit Wasser gefüllt, um sie zunächst einer Druckprüfung zu unterziehen, mit der nicht sichtbare Löcher aufgedeckt werden.

„Bei der Druckprüfung wird zunächst Wasser mit fünf bis sechs Bar Druck in die Schläuche gepumpt, da sieht man schon die ersten Löcher“, erklärt Tomac. Der Druck wird auf 16 Bar gesteigert, spätestens dann sieht man einen Wasserausbruch, im schlimmsten Fall kann ein Schlauch auch platzen. „Nach der Druckprüfung wird gewaschen, wozu die Schläuche durch eine Waschmaschine gezogen werden“, sagt Maczkowski.

Hinter der Waschmaschine wird ein Haken auf ein Kupplungsende aufgeschraubt und mit einem Kran die Schläuche paarweise in den Schlauchturm hochgezogen, wo ein Schlauchwart sie vom Kran nimmt und zum Trocknen aufhängt. Feuerwehrschläuche sind in der Regel 15 Meter oder 20 Meter lang, der Schlauch für die Drehleiter sogar 35 Meter. Der Ende der 1960er mit dem Gerätehaus erbaute Schlauchturm hat eine Höhe von 18 Metern und der Schacht ragt noch weitere zweieinhalb Meter in den Keller, so dass die Schläuche frei schwingen und abtropfen können. Im Winter brauchen die Schläuche vier, fünf Tagen zum Trocknen, im Sommer zwei, drei.

Bei der Arbeit der Schlauchwarte fällt jährlich eine Schlauchlänge von rund 20 Kilometer bei etwa 900 einzelnen Schläuchen an. 2017 waren es sogar 25 Kilometer Länge bei 1350 Schläuchen. Um einen einzelnen Schlauch abzudrücken, zu waschen, im Turm hoch und runter zu ziehen, aufzurollen, zu verräumen und zu dokumentieren, braucht es überschlagen eine Viertelstunde, schätzt Tomac. Wenn beide Rollwagen mit Schläuchen voll sind, braucht es nur für die Druckprüfung schon zweieinhalb Stunden. Monatlich fallen zwei bis vier Druckprüfungen und Waschgänge an. Zusätzliche Zeit braucht es für die Reparaturen. Mit der Vulkanisierungsmaschine können Flicken auf Löcher im Feuerwehrschlauch aufgebrannt werden – schneller aber geht das Kürzen.