Frau Tarr, was ist Freundschaft?

Für mich ist Freundschaft eine anwendungsfreundliche, lebenspraktische, verschleißfreiere Variante der Liebe. Die romantische Liebe ist komplizierter, da sie verbunden ist mit erotischem Fleiß und Akrobatik. Freundschaft hingegen ist offener und entwickelt sich wie ein Tanz zwischen Nähe und Distanz, Vertrautheit und Fremdheit. So kann sie ihr hohes Ideal der Freiwilligkeit bewahren. Ein permanenter Balanceakt unter dessen Schirm unendlich viel Platz hat. Blödeln, Trösten, Witz, Weisheit. Freunde suchen wir uns selbst aus, wir lieben sie, weil wir es so wollen.

Wie wichtig ist es, Freunde zu haben?

Wir spüren intuitiv, dass wir bedürftige Wesen sind und einander brauchen. Freundschaft rettet uns, denn sie kann mitunter mehr bewirken als Medikamente. Nicht gute Ratschläge, sondern die unbedingte Zuneigung und Wärme von Freunden stärken den Rücken, stützen und öffnen den Himmel ein wenig. Freunde sind der Beweis, dass wir allein durch unsere Anwesenheit mehr im Anderen bewirken, als wir uns selbst zutrauen.

Was bedeutet Ihnen persönlich Freundschaft in Ihrem Leben?

Sie ist das wichtigste im Leben für mich, wichtiger als Anerkennung, Erfolg oder Geld. Die Familie hat ihren eigenen Wert und Funktion, aber Freunde geben durch ihr Dasein in komplexen Situationen Stärke, ein wachsameres Ohr und wohlwollenden Halt. Durch ihre Freiwilligkeit bekommt Freundschaft einen anderen Stellenwert und Betroffenheit eine aufrichtigere Dimension. Freunde strecken unseren Rücken, weiten unseren Blick und zeigen: „Du bist nicht allein.“

Fragen: Leony Stabla

Termin: Die Vorstellung „Vom Zauber der Freundschaft“ ist heute, Donnerstag, 9. Mai, 19.30 Uhr, in der Buchhandlung Merkel in Rheinfelden, Eintritt acht Euro.

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