Rheinfelden – Eng, dunkel und unterirdisch – Höhlen sind für die meisten Menschen kein Ort, an dem sie gerne dauerhaft ihre Freizeit verbringen. Axel Gnädinger schon. Als Höhlenforscher fasziniert ihn die Welt unter der Erde so sehr, dass er regelmäßige Ausflüge ins Höhlenreich unternimmt. Besonders angetan hat es ihm die Tschamberhöhle, die er 1984 erstmals betreten hat.

Es war quasi Liebe auf den ersten Blick, hervorgerufen durch ein besonderes Erlebnis. „Ich hatte mich schon davor für die Tschamberhöhle interessiert. Damals habe ich bei einem Höhlenforscher-Treffen zusammen mit anderen die Höhle befahren“, erzählt Gnädinger. Direkt bei seinem ersten Besuch entdeckte er beim Höhlenbach sowohl bachaufwärts wie auch bachabwärts bislang unbekannte Fortsetzungen. Über dem Wasserfall, der das Ende der 600 Meter langen für Besucher ausgebauten Höhlenwege darstellt, ging er auf Tauchgang.

„Am Endpunkt, bei 70 Meter Tauchstrecke, habe ich bemerkt, dass man in dem Gang noch weiterkommt. Nach vielen weiteren Tauchgängen habe ich diesen Siphon (unter Wasser stehender Höhlenteil) mit 295 Meter Länge ganz überwunden. Es folgten lufterfüllte Räume und später wieder eine Tauchstrecke mit 100 Meter Länge, die in einer flachen Passage endet.“ Selbst hinter den von ihm damals ausgemessenen, neuen Höhlengängen vermutet Gnädinger weitere unentdeckte Teile. Damals kehrte er allerdings wieder um, denn entscheidend bei diesem Hobby ist, seine eigenen Grenzen zu kennen. „Man muss wissen, wie lange die eigenen Kräfte reichen und auch immer noch an den Rückweg denken. Das ist wie beim Bergsteigen: Der Weg zurück ist oft am anstrengendsten. Für die 290 Meter Tauchstrecke habe ich damals eine halbe Stunde gebraucht.“

Für Gnädinger ist es eine Mischung aus diesem Erfolgserlebnis, sein Interesse für die Höhle, sein Wunsch, sie für die Nachwelt erhalten zu wollen und ihrer Nähe zu seinem Wohnort in der Nähe von Freiburg, die ihn seitdem an die Tschamberhöhle binden. „Natürlich interessieren mich auch andere Höhlen, aber es hat auch Vorteile ein Höhlensystem ganz genau zu kennen“, sagt Gnädinger. Durch seine Kenntnisse über die Tschamberhöhle konnte Gnädinger vor einiger Zeit einen Verbindungsgang vom Besuchergang zu einem wasserführenden Nebengang entdecken. Bei diesem Gang mussten zuerst Steine und Erde beseitigt werden. Anschließend ging es bäuchlings kriechend durch einen schmalen Gang, der Gnädinger irgendwann sogar dazu zwang, den Helm abzunehmen um weiterzukommen.

Die Arbeit in der Höhle ist nicht ungefährlich. Bei allen Erkundungen steht die eigene Sicherheit deshalb an erster Stelle. Dazu muss man auch seine Stärken und Schwächen kennen. Beim Kriechen durch enge Gänge kann schon ein beklemmendes Gefühl aufkommen. „Das Wichtigste ist, nicht in Panik zu geraten. Mit der Zeit programmiert man sich selbst und weiß in solchen Situationen trotzdem rational zu denken."

Seit über 40 Jahren erforscht Axel Gnädinger Höhlen. Seine Begeisterung für die Welt unter der Erde hat früh angefangen. Als Zwölfjähriger bei den Pfadfindern bekam er die Möglichkeit, verschiedene Höhlen in Europa zu erforschen, war er sofort gefesselt. Sein Wissen über Speläologie (Höhlenkunde) hat er sich im Austausch mit anderen Forschern angeeignet und ist Mitglied im Verein Deutscher Höhlen und Karstforscher. Die Begeisterung für die Höhlenwelt merkt man dem 58-Jährigen an. Zu unzähligen Gesteinsformationen, Ablagerungen und sonderbaren Formen kann er die Entstehungsgeschichte erläutern. Doch es ist, laut Gnädinger, nicht nur dieser wissenschaftliche Aspekt, der zur Höhlenforschung gehört. „Als Höhlenforscher stellt man sich eigentlich immer die Frage: ‚Gibt es hier irgendwo noch weitere Höhlengänge?‘ Wenn man einen schmalen Gang entlang kriecht, dann ist das natürlich auch der Abenteuer Aspekt, der antreibt. Ich will unbedingt sehen, wo ich am Ende herauskomme.“

Neben der Höhlenforschung gehören Vermessungen sowie mit vielen anderen Unterstützern der Höhle die Kontrolle und Instandhaltung der Besucherwege zu Gnädingers Aufgaben. Auch Fotos und Videos macht er regelmäßig in der Tschamberhöhle.

Die Arbeit unter der Erde stellt Anforderungen. „Das muss einem natürlich schon gefallen. Man darf auch keine Angst davor haben, sich schmutzig zu machen. Ich persönlich finde es großartig, dass man der Natur so nahe ist und sieht wie sie sich verändert“, erklärt Gnädinger.

Die Öffnungszeiten der Tschamberhöhle sind Sonn- und Feiertag von 13 bis 17 Uhr.