Die Vorgeschichte: Ein als politisch verfolgt anerkannter Iraner, der in Rheinfelden in einer Gemeinschaftsunterkunft gelebt hat, und jetzt in Lörrach-Brombach wohnt, versucht, seine kleine Tochter nach Deutschland zu holen. Die wurde von der Großmutter aus dem Iran in die georgische Hauptstadt Tiflis gebracht. Der Mann wurde aber auf dem Weg nach Tiflis am Mittwoch offenbar auf iranische Anforderung hin in Polen verhaftet.

Der Freundeskreis Asyl hat es nun geschafft, die Familie zusammenzuführen. Rüdiger Lorenz spricht im Interview darüber:

Herr Lorenz, gleich als erstes: Ist die kleine Nesrin (Namen geändert) gesund in Deutschland bei ihrer Mutter angekommen? Wie war das Wiedersehen?

Ja, alle beide sind gesund und munter. Es war ein Moment, den ich in meinem Leben so sicher noch nie erlebt habe und auch nie vergessen werde. Die Mutter hat nur noch geschluchzt. Da war nicht mehr viel mit Worten. Es war toll für Nesrin. Sie kannte ihre Mutter die letzte Zeit ja nur noch über Videos und Videotelefonie. Im ersten Moment hat man gemerkt, dass das letzte Dreivierteljahr mit der Oma auch eine wichtige Lebensphase war. Sie war kurz etwas überfordert, als die Mutter fast zusammengebrochen ist vor Freude.

Wie lief die Reise ab?

Ich hatte zwischen Ankunft und Abflug in Tiflis ziemlich genau nur 25 Stunden Zeit. Losgeflogen bin ich in Basel am Sonntag um 17 Uhr. Der Flug nach München war mit den ganzen Turbulenzen die Hölle. In München musste ich dann mehr als drei Stunden auf den Anschlussflieger warten. Der ganze Flug verlief im Sturm. In Tiflis hatte es am frühen Morgen bei der Landung sogar Orkanböen. Geschlafen habe ich nicht viel auf dem Flug. Um halb sechs kam ich im Hotel an, in dem auch Nesrin und ihre Großmutter waren. Dort habe ich mich aber erst einmal für drei Stunden hingelegt.

Wie war das Treffen mit der Großmutter und die Übergabe? Wie konnten Sie sich verständigen?

Um halb zehn bin ich zum Frühstück runter. Dort haben wir uns getroffen. Die Großmutter, Nesrin und zum Glück noch der ältere Bruder von Kenan waren dabei. Es war ein Segen, dass er da war, denn er konnte etwas Englisch. Ansonsten wäre keine Verständigung möglich gewesen, das hätte alles schwieriger gemacht. Er und die Großmutter haben sich überschwänglich bedankt über den Einsatz für die Familie und für Kenan im Gefängnis. Die Zeit am Vormittag haben wir genutzt, um mich mit der Kleinen vertraut zu machen. Wir haben miteinander gespielt. Den Rückflug musste sie ja alleine mit mir verbringen.

Verlief der Rückflug ruhig?

Es war eigentlich sogar einfacher, als ich befürchtet hatte. Schwierig war, dass es keine richtige Möglichkeit zur Verabschiedung gab. Das Sicherheitspersonal schickte die Verwandten plötzlich weg. Das ging ganz plötzlich, ohne, dass sie sich richtig verabschieden konnten. Das war tragisch. An der Passkontrolle hat die Kleine bittere Tränen geweint. Es gab bei den Grenzbehörden eine sehr intensive Kontrolle. Dafür hatte ich Verständnis. Wenn ein älterer Mann mit einem kleinen Mädchen anderer Nationalität ins Ausland reisen will, sollte das genau überprüft werden. Ich hatte die Vollmachten der Eltern dabei und auch den Zeitungsartikel aus der Rheinfelder Ausgabe. Einer der Sicherheitsleute konnte etwas Deutsch, hat den Artikel gelesen und ihn den anderen übersetzt. Man hat mich noch gefragt, was für eine NGO (Nichtregierungs-Organisation) der Freundeskreis Asyl sei, dann durfte ich durch.

Dann kam der Flug . . .

Nesrin hat schon ein paarmal geweint, aber zum Glück konnte ich sie bald beruhigen. Sie ist im Flugzeug dann schnell eingeschlafen. Das Schlimmste für sie war, in München wieder in ein Flugzeug zu steigen, statt ihre Mama zu treffen. Um 9.08 Uhr kamen wir in Basel an. Wir sind dann sofort nach Brombach.

Hat sich der Aufwand gelohnt?

Selbstverständlich, keine Frage, ich würde es jederzeit wieder tun. Genau so! Meine Lebensgefährtin hat sich auch sehr engagiert und alles organisiert. Ich wusste von ihr immer, was ich wann machen musste.

Wie geht es jetzt weiter?

Jetzt geht es natürlich um den Vater der Kleinen. Ich bin im Kontakt mit einer Expertin für Auslieferung bei Pro Asyl. Wir werden jetzt gleich miteinander telefonieren.

Fragen: Ralf H. Dorweiler
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