Herr Pauli, der verpackungsfreie Markt trägt Früchte. Am Wochenende gibt es eine erste Pflanzung unter dem Motto: “Naturerlebnis, Weinberg, Natur und Kultur“. Das ist ein Wahnsinnstitel.

Das haben wir uns so ausgedacht. Die aufwertungsbedürftige Fläche, die auf Hertener Gemarkung liegt, haben wir, Hans-Georg Bruttel von der Stadtgärtnerei, Klimaschutzmanager Philipps, Ortsvorsteherin Hartmann-Müller und ich gemeinsam ausgesucht. Da lag das Motto der Pflanzaktion auf der Hand.

Warum?

Herten ist der einzige Weinort in Rheinfelden. Deshalb ist es nahe liegend, die Artenvielfalt im Weinberg aufzuzeigen, die so per se gar nicht mehr vorhanden ist, durch die Flurbereinigung, die überall stattgefunden hat. Die typische Vegetation im Weinberg kommt nicht mehr vor. Dabei geht es auch um die Förderung der Artenvielfalt. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, waren Weinberge voller Insekten und voller Blüten. Heute gleichen sie eher einer ausgeräumten Monokultur.

Bei dieser Aktion wird gepflanzt, was heute fehlt. Heißt das für Herten auch noch mehr Reben?

An Bäumen werden wir auch Weinbergspfirsich, Birnbaum, Mandelbaum und eine echte Mispel pflanzen. Zehn Weinstöcke kommen dazu.

Was sagt das Weinbauinstitut dazu, das hält ja die Hand über die Rebsorten.

Wir nehmen eine der anerkannten Sorten, die man in der Baumschule bekommt. Der Muscat Bleu ist eine früh reifende Rotweinsorte, die eine hohe Resistenz gegenüber echtem und falschem Mehltau besitzt. Außerdem zeichnet ihn eine hohe Frostfestigkeit aus. Wunderschön ist auch seine goldgelbe Herbstfärbung des Laubes und sein ausgeprägter Muscatton.

Über diesen Zuwachs freut sich auch die IG Weinbau?

Der Unterhalt der Fläche läuft natürlich über die Stadtgärtnerei. Denkbar ist, Patenschaften zu bilden, in dem wir die IG Weinbau mit ins Boot nehmen. Aber da sind noch keine Gespräche geführt worden. Das wird auch davon abhängen, ob die IG dafür Zeit hat, ansonsten übernehmen wir die Pflege. Vielleicht findet sich auch der eine oder andere Bürger, der mit Hand anlegen möchte.

Die Aktion verpackungsfreier Markt ist nicht so ganz rund gestartet. Wie sind Sie jetzt mit der Entwicklung zufrieden?

Mir liegen 37 gestempelte Karten vor, und es kommen täglich neue dazu.

Patrick Pauli
Patrick Pauli

Welchen Wert haben diese?

Das sind rund 750 Euro. Die werden jetzt eingesetzt. Das Geld wird für diese Pflanzungen verwendet. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Bäumen kommen einige Sträucher wie Berberitze oder Hartriegel, Liguster und Johannisbeere. Wir werden auch heimische Wildrosen setzen und typische krautige Arten, die man so nicht mehr in der Kulturlandschaft Weinberg findet. Dazu gehören Hundskamille, Schafgarbe, Wolfsmilch, Echter Salbei und Fetthenne sowie weitere aromatische Pflanzen wie etwa der Thymian. Der Wein kam mit den Römern hierher, deshalb gibt es auch diese Begleitvegetation. Schwertlilie und Katzenminze gehören wie auch Rosmarin und Lavendel ebenfalls dazu.

Das hört sich an, als ob ein großer Landschaftspark in Herten entstehen soll. Wie groß ist denn das Gelände?

Das ist gar nicht so groß. Wir haben dafür zwei Flurstücke ausgesucht, eines hat so knapp 270 Quadratmeter. Es ist eine Grünfläche an der Bahnhof-/Augsterstraße, da ist bisher schon eine etwas trostlose Grünfläche mit zwei Bänken und für die Artenvielfalt eher uninteressant, durch die blühenden Pflanzen soll es jetzt auch für die Insektenwelt attraktiv gestaltet werden. Dafür machen wir auch noch einen Blühstreifen mit einer Blumenmischung. Es ist daran gedacht, das Ganze im Herbst noch zu bereichern durch typische Knollen- und Zwiebelpflanzen, wie man sie im Weinberg heutzutage nicht mehr findet. Dazu gehören auch Weinbergstulpe, Weinberglauch, oder Traubenhyazynthe und Doldenmilchstern. Die sind verschwunden, weil sich die Bewirtschaftung geändert hat. Die Zwiebeln können wir allerdings erst im Herbst setzen.

Bei diesem Erfolg geht der verpackungsfreie Markt also in die nächste Runde?

Wir haben noch einige Flächen auf dem Schirm, die wir aufwerten können. Wir wollen das zeitnah umsetzen, auch um dieses Projekt wieder in die Köpfe zu bekommen. Wir wollen nicht, dass das einschläft, sondern dass die Bürger sehen, dass etwas gemacht wird.

Fragen: Ingrid Böhm-Jacob