Zu elf Monaten Haft wurde ein 32 Jahre alter Mann vor dem Amtsgericht Lörrach wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung der Widerstandsunfähigkeit verurteilt. Er hatte ein 17-jähriges Mädchen missbraucht, als sie geschlafen hatte. Da er wegen Vergewaltigung vorbestraft ist und widersprüchliche Angaben zur Tat gemacht hatte, setzte Richterin Annegret Lange die Strafe nicht zur Bewährung aus.

Ablauf der Tat

Nach einer Schulabschlussfeier im Juli 2017 hatten einige der Schülerinnen noch im privaten Kreis weiter gefeiert. Per SMS wurde dazu der damals 31-Jährige eingeladen. Er hatte sich eigenen Angaben zufolge gerade von seiner Freundin getrennt, war depressiv und hatte schon fünf bis sechs Bier getrunken, ehe er sich mit dem Taxi zu der Feier der Jugendlichen fahren ließ. Man habe geredet, Flaschendrehen gespielt und vor allem getrunken. Weitere fünf bis sechs Bier und ein halbe Flasche Cola-Rum habe er noch getrunken.

Er übernachtete bei der Clique. Als er aufgewacht sei, sei er „ein bisschen eingekuschelt“ bei dem Mädchen gelegen, habe ihre Brust gestreichelt und sie unter dem Slip an der Scheide angefasst. Der Angeklagte sagte, er sei davon ausgegangen, dass sie wach sei. Als sie gesagt habe „du weißt schon, dass ich wach bin und merke, was du machst“, habe er sofort die Hand weggezogen und sich entschuldigt. Das Mädchen vertraute sich am selben Tag ihrer Nachhilfelehrerin und ihrem Vater an, der mit ihr zur Polizei ging. Da sie zum Tatzeitpunkt minderjährig war, wurde die Öffentlichkeit bei ihrer Zeugenaussage ausgeschlossen.

Hintergrund des Täters

Das Vorstrafenregister des Mannes listet auch einen Strafbefehl wegen Erwerbs, Verbreitung und Besitzes von kinderpornografischen Schriften auf; für eine Vergewaltigung im Jahr 2012 wurde er zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, die Bewährungszeit für seine vorzeitige Haftentlassung läuft noch. Einmal monatlich muss er zur Psychotherapie in die Forensische Ambulanz Freiburg, zuletzt wurde diese Weisung, auch aufgrund der neuerlichen Straftat, im Juli für ein weiteres halbes Jahr verlängert.

Mit seinem Therapeuten, der als Zeuge geladen war, hatte der Mann auch über den Missbrauch des Mädchens gesprochen: „Das Mädchen konnte nicht nein sagen, da es schlief“, zitierte der Psychologe aus seinem Stundenprotokoll. Gegenüber dem Therapeuten habe der Angeklagte auch gesagt, er habe in der Zeit rund um die Tat häufig getrunken – vor Gericht behauptete er, das sei nur eine Ausnahme an jenem Abend gewesen. Der Therapeut stellte in Frage, ob der Angeklagte sein dominantes und beherrschendes Verhalten auch unter Alkoholeinfluss unter Kontrolle habe, eine stabile Neigung zu übergriffigem Verhalten könne nicht ausgeschlossen werden. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung wurden ebenfalls nichtöffentlich gehalten.

Annegret Lange sagte in ihrer Urteilsbegründung, sie habe keine Anhaltspunkte, dass die Zeugin falsche Angaben gemacht habe. Die Richterin ging davon aus, dass das Mädchen geschlafen habe, als der Mann sie berührte. Seine widersprüchlichen Angaben zur Tat könnten nicht als strafmilderndes Geständnis gewertet werden. Aus der Tastasche, dass er trotz einer Gefängnisstrafe und der therapeutischen Behandlung wieder straffällig wurde, schloss sie, dass eine Bewährungsstrafe ihn nicht von weiteren ähnlichen Taten abhalten würde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.