Ein voller Saal, eine offene Atmosphäre und gemeinsames Lachen: Beim deutsch-türkischen Theaterabend mit der Gruppe „Halber Apfel“ im Bürgersaal zeigte sich, dass sich das schwierige Thema Integration in Theaterform ebenso nachdenkenswert wie unterhaltsam vermitteln lässt. Die Truppe aus Recklinghausen, die Menschen verschiedener Kulturen zusammen bringen will, brachte das Stück „Stefanie integriert die Öztürks“ auf die Bühne.

Eingeladen wurde das Ensemble vom „Rhein Bildungs- und Kulturverein“, der sich für ein friedliches Miteinander und ein tolerantes Zusammenleben der Kulturen einsetzt. Der Verein ist vielfältig aktiv, bietet Studienreisen, Kochkurse, Sprachkurse, Nachhilfeunterricht für Schüler an und wird sich auch an der Rheinfelder Kulturnacht beteiligen. Tagtäglich, so Vereinsvorsitzender Mehmet Kilic, werde man mit Ängsten, Missverständnissen und Vorurteilen auf beiden Seiten konfrontiert: „Wir wollen vermitteln und Brücken bauen.“

Eine besonders gute Brücke stellt die Kultur, in diesem Fall das Comedy-Theater, dar. Humorvoll ging der Gründer und Leiter der Theatergruppe, Murat Isboga, auf die vielen türkischstämmigen und deutschen Zuschauer ein und nahm einige Klischees aufs Korn: „Türkisches Theater ist wie eine türkische Hochzeit“, meinte er augenzwinkernd. Das Stück, so schickte er voraus, ist 2009 geschrieben worden, „es hat also mit den aktuellen Debatten nichts zu tun“. Schauplatz ist das Wohnzimmer der türkischstämmigen Familie Öztürk, die seit 25 Jahren in Deutschland lebt. Zuerst guckt Papa Ali Öztürk, charismatisch und temperamentvoll als echter Familien-Patriarch, gespielt von Murat Isboga, mit seinem Sohn Fußball: Türkei gegen Deutschland.

Die Türkei führt, und Vater Öztürk ist siegessicher und will im Türkei-Trikot zur Arbeit. Doch in letzter Minute dreht „Jogis Elf“ das Spiel und Papa Öztürk verliert die Wette gegen Stefanie, eine Freundin seiner Tochter. Resolut verkörpert Cansu Karagöz die Stefanie, die sich eine Woche bei den Öztürks einquartiert und ihrem Gastgeber die deutsche Sprache und Kultur näher bringt. Papa Öztürk darf nur noch deutsch sprechen, muss deutsche Wörter pauken und etwas über Goethe lernen.

Mit erfrischendem Spielwitz, viel Ironie und originellen Figuren werden die typisch türkischen und typisch deutschen Eigenheiten, Lebensarten und Familientraditionen dargestellt. Als klugen Bücherwurm und schüchternen Streber spielt Yasin Uzun den superschlauen Sohn Hakan, der Physik studiert und vom Papa immer „Barack Obama“ genannt wird. Büsra Harundag agiert als Tochter Zeynap, die bald heiraten will. Dilay Parlak gibt die Mutter Halime, die einen Integrationskurs besucht hat und hervorragend Deutsch spricht. Seit sie einen deutschen Pass habe, putze sie das Treppenhaus, koche ständig Kartoffeln, achte auf Disziplin und habe ihre Identität verloren, behauptet ihr Mann und will wieder mehr türkisches Essen. Papa Öztürk erzählt vom Elternabend, zu dem der ganze Clan samt Oma, Opa, Tanten, Onkel aus der Türkei erschienen ist, von Hochzeiten mit 1000 Gästen, von seinem Vater, der zur ersten Gastarbeiter-Generation gehört hat. Gesellig und lebhaft geht es zu bei den Gesprächen auf der roten Couchgarnitur.

„Ab jetzt nennen wir dich Hans, Papa!“, sagt der Filius, nachdem Vater Öztürk den Deutsch- und Goethe-Test mit Bravour bestanden hat. In die erheiternden und ironischen Szenen mischen sich immer wieder nachdenkliche und ernste Töne, wenn Darsteller Isboga von den Problemen bei der Integration redet und alte Fotos der ersten Gastarbeiter der Nachkriegszeit aufblättert: „Wir leben seit Jahren zusammen in diesem Land, wir arbeiten in derselben Firma, wohnen in derselben Straße, aber wir kennen uns nicht richtig, das ist das Problem.“. Der Theaterabend bot eine gute Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.