13 ehrenamtliche Rikschafahrer des Bonner Vereins „Radeln ohne Alter“ haben am Sonntag auf Einladung des Familienzentrums bei ihrer Deutschlandtour von Konstanz nach Bonn in Rheinfelden Station gemacht. Unter dem Motto „besondere Momente am Rhein“ luden sie beim Familienzentrum, dem St. Josefshaus und der Caritas Tagespflege zu Touren mit den umweltfreundlichen Gefährten ein – bei einer davon war auch Mitarbeiterin Claudia Gempp dabei.

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Auch der Oberbürgermeister lässt sich kutschieren

Unzählige Male habe ich den Adelberg mit dem Fahrrad oder zu Fuß schon umrundet – aber am Sonntagvormittag zum ersten Mal in einer Rikscha. Dieses unvergessliche Erlebnis bescheren mir und vielen anderen begeisterten „Fahrgästen“, darunter auch Oberbürgermeister Klaus Eberhardt und seine Frau, 13 ehrenamtliche „Piloten und Pilotinnen“, wie die Rikschafahrer genannt werden.

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Unterwegs mit 13 bis 15 Stundenkilometern

In Richtung Adelberg sind wir mit 13 bis 15 Stundenkilometern unterwegs. Scheinbar mühelos tritt Pilotin Alina Herbort mit Unterstützung eines kleinen Motors beim Anstieg in die Pedale. Passanten und Menschen auf den Balkonen staunen, freuen sich und winken uns zu; entspannt lehne ich mich zurück, genieße die Aussicht und die laue Sommerluft, ganz nach dem Leitsatz des Projekts: „Jeder hat ein Recht auf Wind im Haar.“

40 Radfahrer mit fünf Rikschas

Mit diesem öffentlich wirksamen Projekt wollen insgesamt 40 Radfahrer mit fünf Rikschas auf einer Strecke von 840 Kilometern vier Wochen lang auf die mangelnde Teilhabe immobiler Senioren aufmerksam machen. Das Motto, unter dem die Aktion steht – „besondere Momente am Rhein“ – ist dem Welt-Alzheimer-Tag am 21. September gewidmet, an dem die Tour mit einem großen Finale in Bonn endet. Unterstützt wird das Ganze von der Deutschen Fernsehlotterie.

Das Zauberwort ist Entschleunigung

Dass die Piloten mit viel Herzblut dabei sind, spüre ich sofort, insbesondere als Alina Herbort ihre Aufgabe so umschreibt: „Wir machen mit unserer Zeit ein Geschenk.“ Es gehe nicht darum, in einer bestimmten Zeit von A nach B zu kommen – Entschleunigung ist das Zauberwort. Älteren Menschen Zeit und Mobilität schenken, das ist die Philosophie des Vereins, der seine Ziele so umschreibt: Jung und Alt zusammenbringen, den Zusammenhalt der Gesellschaft fördern, Brücken zwischen Generationen bauen, gegenseitiges Vertrauen stärken und ein Gefühl von Freiheit geben. „Radeln ohne Alter“ wurde 2017 von neun jungen Bonner Bürgerinnen und Bürgern gegründet, er hat mehr als 150 Mitglieder, darunter 60 Pilotinnen und Piloten.

Überall sind die Mitfahrer begeistert

Die Tour der Ehrenamtlichen führt quer durch Deutschland, auch die Nachbarländer Österreich, Schweiz und Frankreich werden gestreift. Egal wo, so erzählen die Beteiligten, überall seien die Ausflüge für die Mitfahrenden ein Höhepunkt, der in Erinnerung bleibe. Gerade für Alzheimer-Patienten sei es wohltuend, während der Fahrten Zuwendung und Wertschätzung zu erhalten. Der Kontakt des Familienzentrums zu dem Verein ist über Mitarbeiterin Maria Casser-Bette entstanden, deren Tochter Inga zu den Gründungsmitgliedern von „Radeln ohne Alter“ gehört. Maria Casser-Bette hat seitdem die Entwicklung des Vereins verfolgt und vorgeschlagen, die Gruppe nach Rheinfelden einzuladen.

Wunsch: Auch in Rheinfelden soll es Rikschas geben

Für alle sei sofort klar gewesen, „wir möchten dabei sein“, berichtet Franziska Wehber, Koordinatorin beim Familienzentrum. Langfristig würde sie sich wünschen, dass auch Rheinfelden mit einer solchen Rikscha bereichert werden könne und sich ehrenamtliche Piloten für regelmäßige Ausflüge fänden. Maria Casser-Bette lobt das Projekt: „Was Ihr macht, ist gelebtes Engagement zur Teilhabe und verdient größten Respekt.“ Neben den genannten Zielen gehe es auch darum, Lebensgeschichten zu hören und gemeinsam Rheinfeldens schönste Ecken zu erkunden.

Das Ganze passt zum Thema Radverkehr

Auch Oberbürgermeister Klaus Eberhard zeigt sich beeindruckt von der „sehr schönen Idee“. Mit ihrem Halt in Rheinfelden habe die Gruppe „keine schlechte Adresse gewählt“, so Eberhardt, „weil auch wir versuchen, das Leben älterer Menschen respektabler zu gestalten, um einer Vereinsamung entgegenzuwirken.“ Außerdem, sagt das Stadtoberhaupt, würde das Ganze gut zum Thema Radverkehr passen.

Als Pilot Christoph Lügering dem OB vor dem Familienzentrum technische Details der Rikschas erläutert, kann dieser nicht widerstehen und schwingt sich kurzerhand selbst für eine kleine Probefahrt auf das Führungsrad.