Herr Manzke, wie kam es überhaupt zu dem Besuch in Stuttgart?

Im Rahmen der Fasnacht findet ähnlich dem närrischen Sturm auf das Rheinfelder Rathaus auch im schwäbisch-alemannischen Raum eine Schlüsselübergabe statt, bei der der Ministerpräsident von den Narren entmachtet wird. Neben Repräsentanten der schwäbisch-alemannischen Fasnacht waren am Mittwoch von rund 80 Mitgliedern des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) exemplarisch sieben Zünfte in Stuttgart vertreten, darunter auch das Dreiländereck. Allein, dass die Wahl auf unsere Region fällt, passiert nur alle zehn bis 15 Jahre.

Und wieso gerade die Latschari?

Auf die Frage, welche Musikkapelle unsere Region am besten repräsentieren würde, entsann man sich der Latschari-Musik. Daraufhin kam der Narrenvogt des Dreiländerecks, Oliver Brüderle, mit der Einladung auf uns zu: ‚Wenn wir nach Stuttgart fahren, dann mit euch‘.

Und wie lief die Veranstaltung ab?

Wir waren die einzige Kapelle vor Ort und durften die Veranstaltung musikalisch anführen. So liefen wir auf den Schlossplatz, den ganzen restlichen Narrenzug hinter uns. Winfried Kretschmann und Roland Wehrle, der Präsident der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN), hielten Reden, dann ging es mit der Musik voraus ins neue Schloss zur Schlüsselübergabe. In so einem historischen Gebäude bereitet das natürlich großen Spaß.

Haben Sie sich musikalisch auf den Besuch vorbereitet?

Wir hatten keinerlei Vorgaben, dementsprechend waren wir sehr flexibel und konnten vor Ort darauf achten, was in der Situation gerade gebraucht wurde. Als zum Beispiel der Wunsch aufkam, zu schunkeln, haben wir unser Schunkellieder-Potpourri ausgepackt, beim Einzug ins Schloss unseren Latschari-Marsch gespielt. Und wenn man schon im Schwabenland ist, muss man natürlich auch das Badnerlied und die Schwarzwaldmarie spielen (lacht).

Gab es auch schwierige Momente?

Den einzigen Wermutstropfen gab es im Vorfeld: Da die Plätze für so eine Fahrt begrenzt sind, durften aus dem gesamten VON-Verband nur etwa 50 Personen nach Stuttgart fahren. So mussten wir uns als Latschari-Clique natürlich auch einschränken und konnten nur 15 Musiker, unseren Vorstand Stefan Frech und Oberzunftmeister Michael Birlin mitnehmen. Unsere Clique besteht aber aus fast doppelt so vielen Mitgliedern. Während unsere Maskenträger also daheimbleiben und fleißig die Örtlichkeit für den Latschari-Ball schmücken mussten, trieben wir uns in Stuttgart herum und verschickten schöne Bilder aus dem Schloss. Trotzdem haben wir uns gemeinsam entschieden, mitzumachen, denn im Endeffekt bekommt man durch so einen Auftritt wieder Einladungen von anderen Zünften. So wird die Aktion auf lange Sicht der ganzen Clique zugutekommen.

Und was war besonders schön?

Toll war, dass das Ehepaar Kretschmann nicht nur der Form halber dabei war, sondern sich zu uns gesetzt hat und locker auftrat. Rund 200 geladene Narren wurden verpflegt und nach dem Essen hat der ganze Saal mitgeschunkelt, als wir gespielt haben. Als wir am Ende noch gemütlich ein, zwei Stückchen zum Besten gaben, kam Frau Kretschmann zu uns, fragte, ob man uns Musikern einen Schnaps bringen könne und organisierte uns anschließend tatsächlich eine Runde.

Was ist Ihr Fazit zur Veranstaltung?

Das ist keine Einladung, die man häufig bekommt, und bis zur nächsten Gelegenheit könnte es gut 20 Jahre dauern. Für mich war es ein Wahnsinnserlebnis. Anfangs hatte ich noch Bedenken, dass es gerade in Anwesenheit des Fernsehens etwas gekünstelt werden würde, so war es aber gar nicht. Wir saßen entspannt zusammen, haben gespielt, geschunkelt und Kontakte zu anderen Zünften geknüpft. Schön war auch, dass sich die anderen anwesenden Städte sehr lobend geäußert haben – uns hat es Spaß gemacht und wir sind wirklich zufrieden, dass wir den VON so gut repräsentieren konnten.