Es war wohl ein Mäusebussard, der einen Rheinfelder im Wald oberhalb von Herten beim Joggen attackierte und leicht am Kopf verletzte. Der Hertener meldete sich und berichtete von seinem Erlebnis – auch als Aufruf für andere Jogger, vorsichtig zu sein. Greifvogelexperten geben allerdings vorsichtige Entwarnung. Ab und an kommen solche Attacken zwar vor, meist gehen sie aber harmlos aus.

Im Mai gibt es einen Vorfall in Lörrach

Erst im Mai wurde ein Jogger in Lörrach von einem Mäusebussard angegriffen und musste mit fünf Löchern im Kopf gar ärztlich behandelt werden. Einen Monat später kam nun zum Glück der Hertener Jogger deutlich glimpflicher davon. Bei seiner Tour durch den Wald oberhalb Hertens spürte er am Volkertsberg plötzlich einen Schlag auf den Kopf. „Ich dachte im ersten Moment, ein Ast wäre abgebrochen und mir auf den Kopf gefallen“, beschrieb er das Gefühl. Doch im gleichen Moment habe er die Schwingen des Greifvogels direkt über sich gesehen. Zu Hause habe seine Frau nachgeschaut und blutige Kratzer auf dem Kopf festgestellt.

Kein Schrei zu hören

Der Jogger ist regelmäßig im Wald unterwegs. Er hat schon öfter Erfahrungen mit Greifvögeln und deren Scheinangriffen gemacht. „Plötzlich hört man einen Schrei, dann weiß man, dass jetzt etwas kommt“, erzählt der Mann. Bisher kannte er aber eben nur Scheinangriffe. Die Vögel fliegen dann relativ knapp über den Kopf. Dass es zu einem Kontakt kommt, hat er jedenfalls vorher noch nie erlebt. Dazu kam, dass dieses Mal vorher kein Schrei ertönt sei.

In den Krallen können Krankheitserreger sein

Im Krankenhaus war er nicht und ließ sich auch sonst nicht behandeln. Allerdings recherchierte er im Internet und fand dort gleich mehrere Meldungen von ähnlich gelagerten Fällen. Eigentlich wird empfohlen, nach einem solchen Angriff einen Arzt aufzusuchen, da man nicht wissen kann, ob sich an den Krallen der Vögel Krankheitserreger befinden. „Der Angriff ist jetzt ein paar Tage her“, sagt der Mann. Er habe auf mögliche Symptome geachtet, die sich aber zum Glück nicht einstellten. Er geht auch nicht davon aus, dass die Greifvogelattacke weitere gesundheitliche Auswirkungen haben wird.

Spaziergänger sind keine Angriffsopfer

An die Zeitung wandte er sich „im Sinne einer Bewusstseinsschärfung bei Joggern und Mountainbikern“. Er habe bei seinen Recherchen erfahren, dass langsamere Spaziergänger wohl nicht Angriffsopfer würden – eher Läufer und Radfahrer. „Vielleicht bin ich dem Horst des Vogels zu nahe gekommen“, spekuliert er. Dabei hatte er den Waldweg nicht verlassen.

In der Brutzeit reagieren sie mitunter aggressiv

„Bussarde reagieren in der Brutzeit mitunter aggressiv“, sagt dazu Andrea Knoll, Falknerin im Vogelpark Steinen. Sie erklärt, dass sich Jungtiere bei Flugversuchen aus dem Horst eventuell einem Waldweg nähern können und dann entweder niedrig auf Ästen sitzen oder gar auf dem Boden. Die Jungtiere würde man in der Regel nicht sehen. Die Alttiere allerdings würden sehr gut auf ihren Nachwuchs aufpassen.

Sie sehen eine Gefahr für den Nachwuchs

„Was sich schnell bewegt, wird von den Bussarden eher als unberechenbare Gefahr für den Nachwuchs angesehen“, so Knoll, die von April bis Juli öfter von solchen Angriffen hört. Dabei würde es sich immer um Jogger oder Radfahrer handeln. Dass auch Wanderer oder Spaziergänger angegriffen worden wären, ist der Greifvogelexpertin allerdings nicht bekannt.

Der Expertenrat: Schnell vom Ort entfernen

Wenn es wegen einer unwissentlichen Annäherung an ein Jungtier zu einem Angriff gekommen ist, sollte man sich gleich von dem Ort entfernen, rät sie. Die Bussarde würden nicht nachfassen, ist sie sicher. Bei einer Verwundung sollte man sich in ärztliche Behandlung begeben, weil die Krallen verschmutzt sein könnten.

Der „Verkehr“ im Wald nimmt zu

Dass es in den vergangenen Jahren offenbar vermehrt zu Attacken kommt, bringt Knoll damit in Verbindung, dass der Wald immer stärker auch als Ort für Freizeitaktivitäten genutzt wird. Damit kommt der Mensch dem Tier öfter in die Quere. Außer den Wald zur Brutzeit zu meiden, gebe es keinen Schutz vor einem Angriff eines Greifvogels. Allerdings bedeutet ein Angriff an einem Waldweg auch nicht, dass dies am gleichen Ort wieder vorkommen muss. Meist sind die Jungtiere kurze Zeit später schon weitergeflogen.