Das persische Frühlings- oder Neujahrsfest Newruz ist in Europa so gut wie unbekannt – dabei blickt es auf eine 3000 Jahre alte Tradition zurück und wird weltweit von 300 Millionen Menschen gefeiert. Zum ersten Mal wurde am Freitag nun in Rheinfelden im Paulussaal mitgefeiert.

Freundeskreis hilft mit

Fereshta Kohistani, Elif Avcik und Nawal Lak organisierten dieses Fest aus mehreren Gründen. Einmal, weil sie es gerne feiern, denn es gehört zur eigenen Tradition, die auch fern von der Heimat gepflegt wird. Gleichzeitig wird dem Gastland eine schöne kulturelle Seite gezeigt. Die Organisatorinnen wurden vom Freundeskreis Asyl in ihrem Vorhaben unterstützt.

Die meisten Gäste waren schon in Anschlussunterbringung, in den beiden Gemeinschaftsunterkünften hatte das Fest keine Resonanz gefunden. Von Grenzach bis Schwörstadt freuten sich nun Teilnehmer über die Möglichkeit, das Fest gemeinsam im Paulussaal zu erleben. Für viele Flüchtlinge ist das anfängliche Leben in Deutschland recht isoliert und langweilig, wie ein Frau auf Nachfrage erklärte. „Immer zuhause zu sitzen, ist langweilig. Hier kann man miteinander sprechen, das ist schön.“

Fereshta Kohistani erläuterte die einzelnen Abschnitte des Festes wie es in Afghanistan gefeiert wird. Nawal Lak berichtete von kurdischen Traditionen, dazu wurden Fotos per Beamer gezeigt. Bürgermeisterin Diana Stöcker hatte schon bemerkt, dass es verblüffende Gemeinsamkeiten gibt, zum Beispiel werden zum Newruz Eier gekocht und gefärbt wie an Ostern. Eine wichtige Rolle spielt ein großes Feuer am Abend vorher, wie die Fasnachtsfeuer in der Region.

Fest mit viel Symbolik

An der Stirnseite des Paulussaal war ein Festtisch aufgestellt, wie es zur Tradition des Newruz üblich ist. Er ist bestückt mit sieben Gegenständen, deren symbolische Bedeutung wichtig für das neue Jahr ist. Darunter ist ein lebendiger Goldfisch im Glas, er symbolisiert „Glücklichkeit“. Die zahlreichen Kinder, die mit ihren Eltern zu dem Fest gekommen waren standen ganz fasziniert und andächtig vor dem Tisch.

Für das Fest gibt es 17 verschiedene Schreibweisen, gesprochen wurden mehrere Sprachen mit deutschen Übersetzungen. Da es das erste Fest in diesem Rahmen war musste viel improvisiert werden. So war kein Mikrofon da, ab und zu erhob Pfarrer Jörg Hinderer die Stimme um den Organisatorinnen Gehör zu verschaffen. Das Geschirr wurde auf dem Backblech in die Küche getragen. Mehrere Frauen hatten das Essen gekocht.

Durch die gemeinsame Arbeit am Buffet und in der Küche von Geflüchteten und Aktiven des Freundeskreis Asyl wurde es ein wunderbares Fest für die zahlreichen Gäste, die sich im Paulussaal drängten. Jörg Hinderer und Wolfgang Gorenflo rätselten, wie viele Menschen gekommen waren. Hinderer meinte 160, Gorenflo hielt dagegen, „eher mehr“. Denn manche Familien mit Kleinkindern hatten nur am Nachmittagsprogramm mit Kaffee und Kuchen teilgenommen, andere waren nur später zum gemeinsamen Festessen gekommen.

Reis als fester Bestandteil

Reis mit Rosinen, Reis mit Beeren, Reis mit Bohnen oder Linsen, dazu Hühnchen, Hackfleisch und viele verschiedene Sorten Salat wurden zum Abendessen angeboten. Es waren köstliche Gerichte, die allen Anwesenden großartig schmeckten. Tuba Kabiri stellte in einem Film ihr Waisenhaus in Afghanistan vor. Nach dem Essen gab es einen musikalischen Ausklang mit ausgelassenen, fröhlichen Tänzen.