Von Mitte November bis Anfang Dezember war Chirurg Tibor Horvath aus dem schweizerischen Rheinfelden zusammen mit Kollegen für die Hilfsorganisation „Drive to Help“ in Gambia im Einsatz. „Wir konnten vielen Menschen helfen und ihre Lebensqualität dadurch deutlich steigern“, so Horvath. Für andere aber kam jede Hilfe zu spät.

Bereits 2012 im Einsatz

Operiert wurde in der ASB Health Clinic in Serrekunda. „Die Klinik befindet sich im ärmsten Teil des größten Ballungsgebietes von Gambia. Für das Projekt ist ein ganzer Container mit medizinischem Hilfsmaterial gespendet worden. Die Klinik verfügt jetzt über ein eigenes Röntgengerät“, schildert Horvath, der bereits 2012 einen größeren Einsatz in Äthiopien geleistet hatte. Diesmal ist er zusammen mit dem Unfallchirurgen Daniel Trötschler vom Spital Zweisimmen eine Woche vor den anderen Freiwilligen nach Gambia gereist, um die Patienten zu untersuchen und die Operationen zu planen.

Projekt via Fernsehen und Radio angekündigt

Im Vorfeld wurde das Projekt via Fernsehen und Radio im ganzen Land angekündigt. „Es gibt sehr viele Leute in Gambia, die nach einer Verletzung keine angemessene medizinische Versorgung erhalten und daher langfristig in ihrer Bewegung eingeschränkt sind“, schildert Horvath. Der Fall eines Zehnjährigen ist ihm gut in Erinnerung: Der Junge hatte vor Jahren schwere Verbrennungen bei der Achselhöhle erlitten. Da die Verletzungen damals nicht richtig behandelt wurden, kam es zu Versteifungen. Er konnte den rechten Arm kaum mehr bewegen. „Wir haben die Narben weggeschnitten und eine Hauttransplantation vorgenommen. Er wird wieder die volle Beweglichkeit erlangen“, erzählt Horvath.

Verheerende Folgen durch Wunderheiler

Horvath hat zahlreiche alte Verbrennungen gesehen, da viele arme Leute in ihren Hütten mit Feuer kochen und es immer wieder zu Unfällen kommt. „Es gab leider auch Fälle, wo wir nicht mehr helfen konnten“, so Horvath. Die medizinische Versorgung in Gambia ist bescheiden. Manche Einheimischen gehen deshalb zu Wunderheilern, wenn sie verletzt sind. Das zeitigt verheerende Folgen: „Ich untersuchte Kinder, bei denen ein gebrochener Arm vor Jahren abgebunden worden ist. Dadurch sind die Muskeln abgestorben. Das ist irreparabel.“

55 Operationen in kurzer Zeit

Insgesamt konnten in der kurzen Zeit 55 Operationen durchgeführt werden. „Wir spürten viel Dankbarkeit. Wenn es den Menschen dort besser ginge, würden vielleicht weniger von ihnen versuchen, nach Europa zu flüchten. Mir ist wieder einmal deutlich geworden, welch großes Glück es ist, wenn man in der Schweiz oder in Europa geboren wurde und leben darf“, so Horvath. Für ihn ist klar, dass dies nicht sein letzter humanitärer Einsatz in Afrika war: „Vielleicht gehe ich bereits im nächsten Jahr wieder.“

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