Herr Hanser, Sie sind doch noch jung, wieso legen Sie den Taktstock nieder?

Das ist nett, dass Sie mich als „jung“ bezeichnen. Ich bin letztes Jahr vom Alemannischen Musikverband für 25 (eigentlich 28) Jahre Dirigent geehrt worden. Das ist eine lange Zeit, in der ich sechs Vereine dirigiert habe, davon alleine 16 Jahre den Musikverein Minseln. Dieser steht mit einem stark verjüngten Vorstand vor neuen Herausforderungen. So muss etwa das Jugendorchester neu aufgebaut werden, nachdem wir im Jubiläumsjahr einen großen Teil der Jugendmusik in das Aktivorchester aufgenommen haben. Ich denke, dass dazu auch ein neuer, junger Dirigent gut passt. Man soll gehen, wenn es am schönsten ist.

Eckhart Hanser
Eckhart Hanser | Bild: Petra Wunderle

Wie haben Sie es geschafft, den Verein so lange zu dirigieren? Was haben Sie mit den Musikern gemacht?

Wir haben konsequent an unserem Klang und an der Präzision gearbeitet und gleichzeitig den Spaß an der Musik nicht verloren. Das Geheimnis ist immer noch die „Drittel-Regel“: Ein Drittel der Musik soll dem Dirigenten gefallen, ein Drittel ist für die Musiker und ein Drittel fürs Publikum. Ich selbst hatte aber oft den Eindruck, dass die ausgewählte Musik uns allen gefallen hat. Und die Kameradschaft gehört natürlich auch dazu. Ich habe mich in Minseln immer sehr gut aufgehoben gefühlt. Vielen Dank auch an das tolle Minselner Publikum.

Zu Person und Konzert

Was bedeutet Ihnen Musik?

Musik gehört zu meinem Leben. Ich bin ganz selten ohne Musik. Musik war mir immer so wertvoll, dass ich – trotz professioneller Ausbildung in Basel – nie mein Geld damit verdienen wollte.

Wenn Sie als Dirigent aufhören, sind Sie quasi im Musiker-Ruhestand. Wird Ihnen das nicht langweilig?

Nein. Erstens habe ich ja noch meine Evonik-Werksmusik, zweitens plane ich für 2021 noch Konzerte mit meinem Rheinfelder Projektblasorchester und drittens möchte ich wieder mehr Klarinette spielen. Vermutlich werden Sie mich hie und da im Klarinettenregister des Musikvereins Minseln wiederfinden. Und da ist ja noch unsere Jazzband, die New Redhouse Jazzgang. Es wird nicht langweilig.