Herr Mikuszies, wie sind Sie auf die Notfalldose aufmerksam geworden?

Vor zwei Jahren hat mich Cornelia Rösner, damals noch Leiterin des Sozialamtes darauf angesprochen, nachdem sie selber erst davon erfahren hatte. Sie hat gefragt, ob wir mitmachen würden. Ich habe zwar Ja gesagt, allerdings wollten wir erst zu unserem Jubiläum damit starten.

Bei akuten gesundheitlichen Problemen oder Unfällen zuhause rufen wir die 112 an, dann wird geholfen. Welche Rolle spielt dabei die SOS-Dose?

Eine ganz wichtige Rolle. Die im britischen Raum geborene und dort als „Message in a Bottle“ beworbene Idee ist einfach, es ist im übertragenen Sinn eine Flaschenpost zur Rettung: Darin werden für einen Notfall wichtige Informationen hinterlegt, sei es für den Arzt, die Rettungsassistenten oder denjenigen der Hilfe leistet.

Wer sollte die SOS-Dose zuhause haben?

Empfohlen wird sie vor allem für ältere und alleinlebende Menschen. Ich bin aber der Meinung, dass auch der/die Lebenspartner/in eine SOS-Dose haben sollten, dann kann jeweils der andere reagieren.

Was genau hört hinein?

In jeder Dose findet sich ein Datenblatt zum Vermerk von Daten zur Person (Name, Adresse, Telefonnummer, Krankenkasse), Kontaktdaten des Arztes und von Personen, die im Notfall benachrichtigt werden sollen; Beschreibung derzeitiger Erkrankungen, Allergien, Unverträglichkeiten sowie der Aufbewahrungsort von Medikamenten, die aktuell eingenommen werden. Abweichend würde ich noch etwas empfehlen: Wenn jemand beim Stadtseniorenrat eine Vorsorgemappe bezieht, bekommt jeder zwei kleine Karten, die das belegen und die im Portemonnaie aufbewahrt werden sollen. Aus ihnen geht hervor, dass man eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung gemacht hat. Eines der Kärtchen (oder eine Kopie) sollte daher auch in die Dose, damit der Arzt Bescheid weiß, dass diese Verfügungen vorliegen.

Infos und Person

Die Ärzte wissen dazu Bescheid?

Viele Ärzte kennen die Dose nicht. Wir vom Stadtseniorenrat raten daher den Abnehmern, den Hausarzt beim Ausfüllen der Formulare einzubeziehen. Wenn die Person keine Auskunft mehr geben kann, ist schnelles Handeln wichtiger als die Lektüre von Datenblättern. Deshalb sollten sich die Angaben auf das Wesentliche beschränken. Nicht zuletzt müssen die Informationen auf jeden Fall aktuell gehalten werden.

Wo sollte die Dose aufbewahrt werden, damit sie gleich gefunden wird?

Immer im Kühlschrank. Nicht etwa weil sie kühl bleiben muss, sondern, weil dies ein zentraler Ort ist, wo sie auch ein Fremder schnell finden kann und nicht erst im Safe, Wohnzimmerschrank, Schreibtisch, im Nachttisch oder Bad suchen muss. Weil es in fast jedem Haushalt einen Kühlschrank gibt, hat sich diese Regelung eingebürgert.

Aber wie wissen die Helfer, dass eine Dose im Kühlschrank steht?

Auch in der Dose enthalten sind zwei Aufkleber, die an der Innenseite der Haustür sowie der Außenseite des Kühlschranks angebracht werden. Der Rettungsdienst kann dadurch auf einen Blick erkennen, dass alle nötigen Informationen dort gesammelt zu finden sind. Aber nicht nur für den Rettungsdienst ist die Dose gedacht, sondern auch für Angehörige, Freunde und Bekannte können die Informationen hilfreich sein.

Wie beurteilen Sie persönlich die SOS-Dose?

Ich finde sie faszinierend einfach, leicht umzusetzen und hilfreich. Alles ohne Elektronik und ohne Gebrauchsanweisung. Dabei rückt die Grundsatzfrage in den Fokus: Wie nützlich ist das Angebot tatsächlich? Bei allen unterschiedlichen Antworten gibt es einen Minimalkonsens: Schaden kann sie nicht! Es ist sogar bekannt, dass die bloße Vorhaltung der Dose offenbar auf viele Senioren eine beruhigende Wirkung hat.